Ausbildungspakt Clement zieht positive Bilanz


Arbeitsminister Wolfgang Clement und die Wirtschaft sind sich einig, dass der Ausbildungspakt ein Erfolg ist. Dennoch sind noch immer über zehntausend Jugendliche ohne Lehrstelle.

Der Druck auf dem Lehrstellenmarkt bleibt hoch. Bundesregierung und Wirtschaft haben aber trotz des Fehlens von rund 12.000 Ausbildungs- oder Qualifizierungsplätzen eine positive Bilanz des Ausbildungspaktes gezogen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sprach dagegen von einer Verschlechterung der Situation für die Jugendlichen.

Bei Abschluss des Ausbildungspaktes hatte die Wirtschaft die Schaffung von jährlich 30.000 neuen Ausbildungsplätzen sowie von 25.000 Praktikumsplätzen für Einstiegsqualifikationen zugesagt. Einstiegsqualifikationen sind "Minilehren" in Betrieben, die bis zu einem Jahr dauern. Ein Teil der Zeit kann später auf die Lehrzeit angerechnet werden. Die Regierung verpflichtete sich, das Ausbildungsplatzprogramm Ost mit 14.000 außerbetrieblichen Plätzen zu verlängern. Die Bundesagentur hatte zugesagt, ihre Fördermaßnahmen für drei Jahre auf dem Niveau von 2003 zu halten.

"Trendwende erreicht"

"Wir sind übereinstimmend der Meinung, dass der Ausbildungspakt ein Erfolg ist. Wir haben die Trendwende am Ausbildungsmarkt erreicht", sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement am Dienstag nach einer Sitzung der Pakt-Partner aus den Wirtschaftsverbänden und der Bundesagentur für Arbeit. Die Zusagen des auf drei Jahre angelegten Pakts seien großteils übererfüllt worden. Clement appellierte an die Partner, ihre Anstrengungen in diesem Jahr wegen steigender Bewerberzahlen noch zu erhöhen, um die Lage zu stabilisieren. Führende Vertreter der Wirtschaft zeigten sich optimistisch, dass dies gelingen werde. Es gebe aber viel Handlungsbedarf. So müssten die Ausbildungseignung von Schulabgängern verbessert, das hohe Durchschnittsalter von 19 Jahren bei Beginn einer Ausbildung verringert sowie die Zusammenarbeit von Schulen und Wirtschaft intensiviert werden.

Die Lücke zwischen Ausbildungsplatzangebot und -bewerbern wurde nach Clements Worten im abgelaufenen Jahr "mehr als geschlossen". Rein rechnerisch habe es Mitte Februar noch 15.500 Praktikums- und 4200 Ausbildungsplätze gegeben, die nicht genutzt worden seien. Dem hätten Ende Januar noch rund 12.000 Jugendliche ohne Ausbildungs- und Qualifikationsplatz gegenüber gestanden. Dabei handle es sich aber im Wesentlichen um eine rechnerische Größe beziehungsweise um Jugendliche, die für solche Stellen nicht zu gewinnen gewesen seien oder sich als Bewerber nicht abgemeldet hätten. Insgesamt seien erstmals seit fünf Jahren gemessen am Vorjahr mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen worden.

"Wir müssen die Anstrengungen erhöhen"

Dieses Ergebnis müsse gehalten oder übertroffen werden, forderte Clement. "Wir müssen die Anstrengungen um eine ausreichende Zahl von Ausbildungsplätzen noch erhöhen." Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hob hervor, die Wirtschaft habe alle Zusagen mit dem Angebot von deutlich über 40.000 neuen betrieblichen Ausbildungsverträgen und von 30.000 Praktikumsplätzen übererfüllt. Dies sei trotz der Wachstumsschwäche in Deutschland gelungen.

Das DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock kritisierte dagegen den Ausbildungspakt und seine Ergebnisse. Zwar seien mehr Lehrstellen in Betrieben geschaffen worden, die außerbetrieblichen Ausbildungsplätze hätten sich aber um 11,6 Prozent verringert, sagte sie dem Deutschlandradio. Damit habe sich die Relation von Bewerbern und Stellen verschlechtert.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt könnte sich im Laufe des Jahres wieder anspannen. Weil die Zahl der Schulabgänger steigt und mehr Jugendliche in neuen Einstiegslehrgängen einen Ausbildungsplatz suchen, werden für 2005 mehr Bewerber erwartet. In diesem Jahr müssten 7.000 Jugendliche aus Einstiegsqualifikationen in Ausbildung gebracht werden, erklärte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun. Zudem gebe es über 6.000 Schulabgänger mehr.

AP/Reuters AP Reuters

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