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Bautzen in Sachsen Flüchtlingsheim brennt – und Schaulustige jubeln

Die Feuerwehr löscht den Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen
Die Feuerwehr löscht den Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen
© Rico Löb/DPA
Erst Clausnitz, jetzt Bautzen: Erneut gibt es in Sachsen einen fremdenfeindlichen Vorfall. Eine geplante Asylunterkunft gerät in Brand, die Anwohner freuen sich lautstark. Einige behindern sogar die Arbeit der Feuerwehr.

Deutschland diskutiert noch immer über die Vorfälle in Clausnitz, da gibt es in Sachsen schon den nächsten fremdenfreindlichen Akt: Wie die Polizei mitteilte, ist eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Bautzen, östlich von Dresden, in der Nacht zum Sonntag in Brand geraten – und Anwohner hätten gejubelt. Die Ursache für das Feuer in dem ehemaligen Hotel ist unklar. Anwohner und Schaulustige reagierten laut Polizei zum Teil mit "unverhohlener Freude" auf den Brand. 

Doch damit nicht genug: Ein 19 und zwei 20 Jahre alte Bautzener erhielten Platzverweise, weil sie die Arbeiten der Feuerwehr "massiv" behindert hätten. Die beiden alkoholisierten 20-Jährigen seien schließlich in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie Widerstand geleistet hätten. Beamte nahmen auch die Personalien mehrerer Schaulustiger auf. 

Tillich verurteilt Taten in Clausnitz und Bautzen

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bezeichnete die fremdenfeindlichen Vorfälle in Clausnitz und Bautzen als "widerlich und abscheulich". Die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich, sagte Tillich den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher."Die Strafverfolgungsbehörden würden konsequent ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Solche Taten besudelten "das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens".

Auch der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die Vorfälle in Bautzen scharf. Es sei "unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird", fügte er hinzu. "Wir stehen vor einer großen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, diesen Hass aus den Köpfen der Menschen zu bekommen." 

Clausnitz in Sachsen: Eine grölende Menschenmenge versperrt einem Bus mit Flüchtlingen den Weg. Die verstörenden Bilder sorgen deutschlandweit für Entsetzen – und verhelfen dem Dorf im Osterzgebirge zu trauriger Berühmtheit. Doch auch die Polizei steht in der Kritik. Rabiat gehen sächsische Beamte gegen Asylsuchende vor - "verbringen" - wie es im Polizeijargon heißt – die verängstigten Menschen unter Zwang in die Flüchtlingsunterkunft. Besonders eindrücklich: Der 15-Jährige Luai Khatun wird von einem Polizisten im Schwitzkasten aus dem Bus gezerrt. stern-Reporter machen sich vor Ort ein Bild von den Geschehnissen, treffen den jungen Luai und andere Heimbewohner. Lassen sich die Erlebnisse schildern. Diese Aufnahmen entstehen kurz nach der Bus-Blockade. Sichtlich verstört kauern Heimbewohner auf dem Fußboden. Das Schluchzen einer Frau erfüllt den Raum. Es ist Forat aus Syrien. Die 43-Jährige floh mit ihren beiden Schwestern vor dem Krieg. Einer ihrer Brüder wurde vor vier Jahren von Assads Truppen gefangen genommen. "Am liebsten wären wir wieder in unserer Heimat – nur nicht hier“, sagt ihre Schwester Rana. Oder wenigstens in Wilhelmshaven, wo ein anderer Teil ihrer Familie untergebracht sei. Auch Luai filmt die pöbelnde Menschenmenge aus dem Inneren des Busses – kurz bevor anmaßende "Wir sind das Volk“-Rufe durch die Nacht schallen und der Bus gewaltsam geräumt wird. Der Junge lebt mit seinem 14-jährigen Bruder und dem Vater in der Unterkunft. Vor drei Monaten seien sie aus Tripolis im Libanon geflohen. Dem stern berichtet Luai, er habe sich hilflos gefühlte. Die rund 100 rechten Hetzer hätten ihm Angst gemacht. Vor allem aber die Polizisten. Der Leiter des Clausnitzer Flüchtlingsheim - Thomas Hetze, - wurde mittlerweile von seinem Posten entbunden. Er ist Mitglied der AfD. Seine Position verlor er angeblich "zum Schutz seiner Person“.
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kis AFP DPA

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