Berlin vertraulich! "Und? Schlagen Sie Ihre Frau?"


Die SPD-Chaostage bringen die Gefühle größerer und kleinerer Parteifürsten mächtig in Wallung. Während Hermann "Sonnenkönig" Scheer Finanzminister Peer Steinbrück feudalherrliches Gebaren vorwirft, kontert Sigmar Gabriel, der einzig verbliebene Reservemann, Fragen mit gnadenloser Härte.
Von Hans Peter Schütz

Hermann Scheer, der starke Mann an der Seite von Andrea Ypsilanti, auch der "Sonnenkönig" genannt, weil er 1998 den Welt-Solarpreis für seine Verdienste um die Sonnenenergie bekam, gehört zu den wenigen, die im derzeitigen SPD-Chaos noch mit vollem Namen zu seinen Attacken auf Parteifreunde steht. Der Bundestagsabgeordnete mit Sitz im SPD-Parteivorstand beantwortet derzeit am liebsten Fragen nach dem stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Peer Steinbrück. Zum Beispiel: Wie er denn das Verhalten Steinbrücks im endlosen Streit über den Umgang mit der Linkspartei finde? Scheer: "Steinbrück tritt auf wie ein Feudalherr. Wenn er etwas vorschlägt, gibt er immer nur Weisungen."

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Nicht leicht hat es in diesen stürmischen SPD-Tagen auch Umweltminister Sigmar Gabriel, der als einer der Wenigen von der Spekulation gehandelt wird, die nach der Bundestagswahl 2009 SPD-Vorsitzender mit einem besseren Draht zur Linkspartei werden könnten. Aber der Niedersachse kann die Frage "Stehen Sie für den SPD-Vorsitz zur Verfügung" schon lange nicht mehr hören. "Was soll die Frage", blaffte er dieser Tage eine Journalistin deswegen an. Er möge sie einfach beantworten, antwortete die Kollegin ganz ruhig. Gabriel flüchtete sich in eine Gegenfrage: "Was soll man auf die Frage antworten: Schlagen Sie ihre Frau immer noch?"

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Wie muss man die neue grüne Führungsspitze bewerten? Schließlich waren Renate Künast und Jürgen Trittin sich lange Zeit alles anders als grün. Ist es eine Vernunftehe, was sich da zusammengefunden hat fürs Wahljahr 2009, wurde die Fraktionsvorsitzende Künast unlängst gefragt. Sie möchte das gerne etwas moderner beschreiben, antwortete sie: "Es ist eine eingetragene Partnerschaft." Und für die ist sie hoffnungsfroh: "Wir haben noch die Chance, die allerdicksten Freunde zu werden."

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Ist jemand bekannter und häufiger fotografiert worden als Angela Merkel? Wohl kaum. Das dachte auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, als er der Kanzlerin auf der Cebit den neuen Bildsuchdienst im Netz vorführen wollte. Man versendet einen Handy-Schnappschuss per MMS an die Datenbank, um näheres über die Person zu erfahren. Also knipste Wulff seine Kanzlerin, verschickte das Foto und harrte ausführlicher Antwort. Denkste. Die Datenbank meldete: "Ihr gesuchtes Motiv befindet sich noch nicht in der Datenbank." Ob das etwas damit zu tun hat, dass Merkel und Wulff mit dem politischen Bild, das der jeweils andere abgibt, häufig nicht zufrieden sind?

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Die Kommunikationschefs von Siemens und BMW tun gut daran, in näherer Zukunft engeren Kontakt mit CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer zu meiden. Mit wütender Wortgewalt hat er im Zusammenhang mit der bayerischen Kommunalwahl die Firmen Siemens und BMW dafür attackiert, unmittelbar vor der Wahl die Streichung von tausenden von Arbeitsplätzen angekündigt zu haben. "Welcher Teufel hat die geritten", schimpfte Ramsauer. "Die können mir gestohlen bleiben. Die Wünsche dieser Großkonzerne fasse ich künftig mit der Beißzange an. Erschrecken die Leute vor der Kommunalwahl. Wo leben diese Top-Manager? Von denen werden wir uns nichts mehr sagen lassen. Wenn die das nächste Mal in meinem Büro sind, dann gibt's Zunder."

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Nicht allen Bayern in Berlin hat der Wutausbruch gefallen. Ein hochrangiger Vertreter des Freistaats führte ihn darauf zurück, dass die Oberbayern es von alters her gewohnt seien "so laut zu jodeln." Das hänge damit zusammen, dass im Gebirge das Telefon ja relativ spät verbreitet worden sei. "Die mussten einfach laut sein und manche sind es bis heute." Den Namen des Kommentators dürfen wir nicht verraten. Nur so viel: Es handelt sich, natürlich, um einen Franken. Und zwar um einen, der sich in der Vergangenheit mindestens ebenso gut auf laut Töne versteht. Alles klar?

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Große Hoffnungen auf einen richtigen publizistischen Knaller machte sich dieser Tage eine TV-Journalistin. Sie bat den CSU-Politiker Markus Söder um ein Statement zur bayerischen Landtagswahl. Der bayerische Bundesratsminister begann schwungvoll: "Wir sind in der Krise. Letztes Jahr waren wir in Berlin noch stark und jetzt sind wir so was von unsicher." Kam jetzt die finale Abrechnung mit Erwin Huber und Günther Beckstein, weil sie Edmund Stoiber gestürzt hatten? Söder lächelte fein: "Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich rede hier vom 1. FC Nürnberg." Irgendwie schade.


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