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Berlin vertraulich!: Der Stoiber und das "Pauli"-Trikot

Angela Merkel: Machtbewusst, eiskalt und vor allem männermordend? Stimmt nicht. Die Bundeskanzlerin wird als warmherzig und "ganz famos" beschrieben. Ihrem Freund Edmund Stoiber drohte dagegen ein Wiedersehen mit "Pauli"...

Von Hans Peter Schütz

Angela Merkel eine eiskalte Physikerin der Macht? Von wegen, wie wir jetzt von Rockstar Bono gelernt haben. Er hat die Kanzlerin soeben als "warmherzig und klug" gelobt, nachdem er Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch über den G-8-Gipfel in Heiligendamm mit ihr hatte. Und männermordend, wie in der deutschen Politszene so oft behauptet, sei sie schon gleich gar nicht. Die Regierungschefin, rühmt Bono, sei "sehr gut darin, mit Männern zu verhandeln". Fehleinschätzung eines Rockstars? Mitnichten. Da berichtet etwa der DGB-Chef Michael Sommer, wie er unlängst zwei führende Vertreter des Europäischen Gewerkschaftsbundes zu Merkel begleitete. Die Herren hatten dicke Papiere über ihre Positionen mitgebracht, die sie langatmig verlesen wollten. Alsbald unterbrach die Kanzlerin die Herren und ermunterte sie zu einem freien Gedankenaustausch. So wurde ein anregendes Gespräch aus dem Meeting und hinterher hätten Merkels Besucher eingeräumt, die Frau sei doch "ganz famos".

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Was könnte man nur Edmund Stoiber zum politischen Abschied schenken? Die Frage bereitet Vizekanzler Franz Müntefering Kopfzerbrechen. Der Rote schätzt den Schwarzen, seit sie gemeinsam die Föderalismusreform 1 durchgesetzt haben. Und außerdem sind beide fußballbegeistert. Da hätte doch was, dachte Müntefering, der zwei Trikots des Hamburger Kultvereins FC St. Pauli besitzt. Wäre das nicht mal ein bisschen Abwechslung in der Trikotsammlung des strammen Bayern-Fans Stoiber? In letzter Sekunde schreckte Müntefering zurück. Schließlich steht auf seinen Trikots dick und fett "Pauli". Und diesem Stress wollte er Stoiber dann doch lieber nicht aussetzen. Denn für den Vizekanzler ist der Ministerpräsident "der einzige Große in Bayern, der muss bleiben".

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Sage keiner, Ernst Hinsken, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung und Straubinger CSU-Abgeordneter, nehme den Klimaschutz nicht ernst. In einem Schreiben an den "lieben Norbert" Lammert, Bundestagspräsident, hat er den Chef des Hohen Hauses gebeten, die Pollersperre bei der Einfahrt auf den Parkplatz vor dem Reichstag zu entfernen. Abgeordnete, die spät abends noch in ihren Büros arbeiten oder Veranstaltungen der Parlamentarischen Gesellschaft besuchen wollten, müssten mit ihren Wagen wegen der Poller einen Umweg von ein bis zwei Kilometer in Kauf nehmen. "Dies kostet Geld, Zeit und Sprit und das gerade in einer Zeit, wo man von Mineralölverbrauchreduzierung redet, um die CO2-Emmissionen einzudämmen." So weit, so umweltbewusst. Parlamentarische Spötter allerdings verweisen darauf, dass spätabends in den Bundestagsbüros zeitweilig allerhand geschehe, doch nur außerordentlich selten nächtens dort noch gearbeitet werde. Und die Besucher der Parlamentarischen Gesellschaft, eine Art Club der Abgeordneten, wo sie gänzlich ungestört und unbeobachtet sind, verließen denselben zu später Stunde ziemlich oft in einem nicht mehr fahrtüchtigen Zustand.

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Die bayerische Weißwurst, die bekanntlich dieses Jahr das 150. Jubiläum ihrer Erfindung in München feiert, überbrückt Gräben in der Berliner Politik, die normalerweise unüberwindbar sind. Doch Hartmut Koschyk, 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe hat jetzt gezeigt, wie politische Wunder mit ihrer Hilfe möglich sind. Er lud die 1. Parlamentarischen Geschäftsführer aller Fraktionen zu einem Weißwurstessen in die bayerische Landesvertretung ein - und alle, alle kamen. Jörg van Essen von den Liberalen kleidete sich für das Ereignis eigens mit einem weiß-blauen Hemd und weiß-blauer Krawatte ein, "und zwar ganz bewusst, Herr Koschyk". Und Dagmar Enkelmann von der Linken/PDS, die im politischen Alltag CSU-Politiker für herzlose Kapitalisten und familienpolitische Fundis hält, holte sich bei Koschyk sogar ein Autogramm in ein Buch über die Weißwurst, das alle Geschäftsführer geschenkt bekamen. Koschyk war hoch zufrieden mit dem Verlauf des Treffens der parlamentarischen Strippenzieher: "Wenn es um die Weißwurst geht, steht die ganz große Koalition. Geht es um die politische Wurst, gönnen wir der Opposition nicht mal einen ausgelutschten Zipfel."

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Seinen ersten Arbeitstag als neuer Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) hat vergangenen Freitag Matthias Wissmann angetreten. Ein schöner Job. Bisher fuhr er privat einen Audi TT oder dienstlich in Berlin mal mit dem Fahrrad oder mit der Fahrbereitschaft des Bundestags. Jetzt hat er einen ganzen Fuhrpark vom Feinsten. Darin stehen: ein Audi A8, ein VW Phaeton, ein 7er BMW und ein S-Klasse Daimler. Wissmann: "In Deutschland werden wirklich tolle Autos produziert." Stimmt schon, schön für den, der alle fahren darf. Wetten, dass er aber niemals verraten wird, mit welcher Karosse er am liebsten unterwegs ist?