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Berlin vertraulich!: Ein Altkanzler tritt nach

Altkanzler Helmut Kohl hat bei einer Feier gezeigt, dass er von Altersmilde noch weit entfernt ist: Nicht nur frühere Wegbegleiter bekamen ihr Fett weg. Schmerzhafte Erfahrungen machen auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und CSU-Politiker Peter Ramsauer.

Von Hans Peter Schütz

Mit dem Talent der Altersmilde ist Altbundeskanzler Helmut Kohl nicht gesegnet. Einmal auf dem Kieker, immer auf dem Kieker. Das führte er vergangene Woche wieder einmal unnachahmlich auf dem 75. Geburtstag von Bernhard Vogel, dem amtierenden Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung vor. In der Rückschau, so der Altkanzler, bei der Laudatio auf seinen Freund "Bernd", habe er fast alles richtig gemacht, aber einmal "habe ich mich dann falsch entschieden: für Heiner Geissler." Dass er ohne Geissler vielleicht nie Kanzler geworden, ohne ihn auch nicht so lange Kanzler geblieben wäre - spielt keine Rolle. Unvergessen bei Kohl, der diesbezüglich mit einem Elefantengedächtnis gesegnet ist, der Versuch von Geissler und einigen Mitstreitern, dass sie 1989 versucht haben, Kohl zu stürzen. Und weil Kohl gerade so flott am sticheln war, leistete er sich auch die Bemerkung, in Berlin liefen heutzutage Leute herum, die "wissen doch gar nicht mehr, was ein Landtag ist." Das haben alle richtig verstanden: Als Spitze gegen Angela Merkel, der Kohl nicht verzeihen kann, dass sie ihn als Erste abgeschrieben hat, als seine Schwarzgeld-Affäre offenbar wurde.

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Umweltminister Sigmar Gabriel, der kein Bundestagsmandat besitzt, musste jetzt schmerzlich lernen, dass man den gewählten Volksvertretern mit gebührender Pünktlichkeit und Demut gegenüber treten muss, auch als Bundesminister. Auf 12.15 Uhr war er zum Europaausschuss geladen worden, um über die EU-Umweltpolitik zu berichten, die für erheblichen Unmut zwischen Brüssel und Berlin sorgt. Kurz zuvor ließ er anrufen, er komme erst 12.30 Uhr. Als er aber 12.45 Uhr noch immer nicht angetreten war, schloss der Pforzheimer CDU-Abgeordnete Gunther Krichbaum, Chef des Ausschusses, mit dem Einverständnis aller Parteien die Sitzung. Beim Weggehen traf er im Treppenhaus Gabriel, der gemütlich daherschlenderte. Krichbaum fragte erzürnt, ob er denn keinen Respekt vor den Abgeordneten habe. Gabriel zickte zurück: Er sei halt im Umweltausschuss aufgehalten worden. Krichbaum blieb hart. Wenn Außenminister Frank-Walter Steinmeier es pünktlich in den EU-Ausschuss schaffe, könne man dies vom Umweltminister doch wohl auch verlangen. Ein Ohrenzeuge versichert: "Die beiden hatten richtig Zoff miteinander." Aber Gabriel hat dann seine Lektion doch gelernt: Bei der nächsten Sitzung brachte er jedem der 33 Ausschussmitglieder zwei Flaschen Wein mit, eine rot, eine weiß. Und vor allem: Biowein. Krichbaum begrüßte das Präsent: "Wegen der nachhaltigen Wirkung."

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Eine schwere Stunde - genauer sieben harten Minuten - erlebte der Deggendorfer CSU-Bundestagsabgeordnete Bartholomäus Kalb. Er musste jetzt in der 1. Lesung des Gesetzes zur Reform der Erbschaftssteuer im Bundestag reden. Da setzte es höhnische Zwischenrufe, denn diesbezüglich gilt Kalb als ganz besonderer Spezialist. Unvergessen beim politischen Gegner ist nämlich, wie sich Erbschaftssteuer-Spezialist Kalb vor knapp drei Jahren in Sachen Erbschaft reinlegen ließ. Ein Scherzbold mit dem Tarnnamen "Hermine Fuchs" hatte an 15 Abgeordnete im Bundestag einen Brief geschickt, in dem den Empfängern des Schreibens das Erbe eines Millionenvermögens angekündigt wurde. Kalb ging als einziger Abgeordneter in die Falle. Er schickte der vermeintlich alten Dame ("Ich habe Krebs im Endstadium.") seine Kontonummer samt Kopie des Personalausweises und gab Tipps zur Abfassung eines Testaments. "Leider sei ja nicht zu vermeiden, dass Schenkungs- oder Erbschaftssteuer zu bezahlen ist." Als die "Wohltäterin" die Bedingung stellte, dass Kalb keinesfalls mit Spendensünder Helmut Kohl teilen dürfe, versicherte der CSU-Mann: "Auf den Gedanken, Helmut Kohl Geld zu geben, da kann ich Sie beruhigen, wäre ich nie gekommen." Darüber wird heute noch gelacht, vor allem in der CSU. Und unvergessen ist, dass Kalb im Bemühen sich für das Erbe lieb Kind zu machen, sogar der Spenderin einräumte, dass es "unangebracht" gewesen sei, dass sein Parteifreund Michael Glos den Grünen Joschka Fischer als "Zuhälter" beschimpft hatte.

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Ein Wintersporterlebnis der ganz besonderen Art gab diese CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer bei seinem weißblauen Stammtisch mit Journalisten zum Besten. Er war beim Skifahren und wurde dabei von einem Pistenrowdy schwer gerammt. Ramsauers Skistock ging zu Bruch. Als er den Unfallgegner zur Rede stellte, zeigte der sich nur der russischen Sprachen kundig und machte auf Kann-nix-verstehen. Daraufhin zog der CSU-Mann sein Handy, knipste den Russen und drohte: Hier Dokument! Der zeigte sich freilich wenig beeindruckt und setzte sich talwärts ab. Um die Sache zu dokumentieren, zückte Ramsauer nach seinem Unfallbericht sein Handy und fotografierte einen Journalisten. "Nur damit Ihr mir glaubt, dass ich es kann."