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Berlin vertraulich!: FDP - die gewissenlosen Genießer

In der Zentrale der Liberalen ist ein Restaurant. Es darf geraucht werden, es gibt Senfsoße, die so blass ist wie die FDP und politisch unkorrekte Speisen, hat eine Gastrokritikerin nun festgestellt.

Von Hans Peter Schütz

Darf man einen ordentlich vereidigten Bundesminister "Lügenminister" titulieren? Offenbar ja, denn dies hat die Linkspartei Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen getan und ist dafür bis heute nicht belangt worden. Dabei ist der Vorgang an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Da hatten Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und sein Parlamentarischer Staatssekretär Christoph Bergner (CDU) vollmundig versichert, aus ihrem Ministerium habe die "Bild"-Zeitung eine aktuelle Studie über radikale Muslime nicht erhalten. Es könne sein, dass dies durch die beteiligten Wissenschaftler geschehen sei. Von wegen: Die Studie war "Bild" von der eigenen Pressestelle des Ministeriums zugeschanzt worden, angeblich zur "Vorbereitung eines Interviews", um eine differenzierte Betrachtung der Ergebnisse der Studie zu erreichen. Vermutlich aber eher, um eine rechtspopulistische Berichterstattung über Muslime zu befördern. Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin der Linken: "Der Lügenminister Friedrich sollte sich den Lügenbaron von und zu Guttenberg zum Vorbild nehmen und zurücktreten."

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Der Hausherr in der Berliner Vertretung des Landes Baden-Württemberg hat gewechselt, von Schwarz zu Rot. Aber auch der Genosse Peter Friedrich (nicht mit dem Bundesinnenminister zu verwechseln) marschiert in einem Punkt brav in der Spur seiner Vorgänger: beim traditionellen Spargelessen in der Landesvertretung. Es fand jetzt zum 27. Mal statt. Die Gäste verputzten 170 Kilo echten Bruchsaler Spargel und Friedrich gab zwei Versprechen ab. Erstens: "Es ist schön, dass sich unser weißer Spargel der politischen Farbenlehre entzieht - wenn er rechtzeitig geerntet wird. Aber nicht nur deshalb führten wir das traditionsreiche Spargelessen auch in diesem Jahr fort. Schließlich ist der köstliche Spargel aus Baden-Württemberg seit 27 Jahren ein geschätzter Genussbotschafter in der Bundeshauptstadt." Zweitens soll er den Gästen versichert haben: "In Berlin kommt mir der einheimische Beelitzer Spargel nicht auf den Tisch." Gut auch, dass der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann seinen Ministern nicht auch noch grünen Spargel für die politische Arbeit in Berlin vorschreibt.

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Sie hat es nicht leicht, die FDP, seit sie in den Umfragen unter der Fünf-Prozent-Marke herumkrebst. Noch nicht einmal bei den Gastrokritikern. Eine Autorin der "Berliner Zeitung" nahm das Restaurant in der Berliner FDP-Parteizentrale unter die Lupe und kam zu durchwachsenen Ergebnissen. Nicht nur, dass in diesem Restaurant noch geraucht werden darf. Auch beim Essen gab es Probleme, denn serviert wurde Viktoriabarsch. Dass die Senfsoße dazu "farblich so blass war wie die FDP" nahm die Kritikerin zwar noch hin, aber sie rügte auch, dass dieser Fisch aus ökologischen Gründen eigentlich nicht verkauft werden sollte. Denn er wird aus Tansania eingeflogen, das am größten afrikanischen Binnensee liegt. Dort sind alle anderen Fischarten längst vom Barsch dominiert, Fischabfälle verschmutzen die Umwelt. Weil das Menü unterm Strich aber ganz lecker war, kam die Gastrokritikerin zu diesem Urteil: "FDP - die Partei der gewissenlosen Genießer."

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Wenn es nach dem Selbstbewusstsein geht, dann wird Wolfgang Kubicki in Schleswig-Holstein mit seiner FDP locker über die fünf Prozent kommen bei der dortigen Landtagswahl. So antwortete er auf die Frage, was er nicht ganz so gut könne: "Ich kann vieles. Aber ich glaube nicht, dass ich übers Wasser laufen kann." Vielleicht sollte er es mal versuchen, könnten einige seiner Parteifreunde denken...

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Für Verdienste um die Republik Österreich ist jetzt der baden-württembergische CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum ausgezeichnet worden. Er erhielt das Große Goldene Ehrenzeichen. Eine Halsdekoration, die dem Komturkreuz 1.Klasse entspricht. Die Ehrung hat Gewicht, denn sie stellt Krichbaum in eine Reihe mit einem Karlheinz Böhm oder mit Simon Wiesenthal.

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Ehrgeizige Ziele strebt der SPD-Spitzenkandidat bei der schleswig-holsteinischen Landtagswahl Torsten Albig an. 40 Prozent will er erreichen. Ein Phantast? "Nein", sagt Albig, "eine Partei, die Volkspartei sein will, kann mit weniger als 40 Prozent nicht zufrieden sein." Deshalb gebe er diesen Anspruch nicht auf. Er sei mit keinem Ergebnis zufrieden, das unter 40 Prozent liege. Und wenn er die nicht dieses Mal erreiche, dann bestimmt bei der nächsten Wahl. Eines kann man Albig nicht vorwerfen: keinen Ehrgeiz zu haben.

  • Hans Peter Schütz