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Berlin vertraulich!: Gerangel um den Platz an der Sonne

Die schweren Zeiten des Spendenskandals hat die CDU noch in Erinnerung, doch nun stehen die Sponsoren wieder Schlange. Und während die literarische Vergangenheit von Franz Müntefering auftaucht, torpedieren die Grünen Oswald Metzgers Chancen auf ein CDU-Bundestagsmandat.

Von Hans Peter Schütz

So ein Bundesparteitag, wie ihn die CDU seit diesem Montag absolviert, ist richtig teuer. An die 1,5 Millionen Euro flutschen dabei locker aus der Parteikasse. Zum Glück gibt es auch Sponsoren, bei einer Regierungspartei drängeln sie sich förmlich, um dabei zu sein. Den Presseabend zum Auftakt des CDU-Parteitags im Neuen Rathaus in Hannover unterstützten sage und schreibe 100 Spender.

Zurückerinnern an schlechte Zeiten

Wundert es jemand, dass die Deutsche Post darunter war, die soeben den Mindestlohn im Briefgewerbe von der Kanzlerin geschenkt bekommen hat, um der Konkurrenz das Leben künftig sehr schwer zu machen? Der frühere CDU-Bundesgeschäftsführer Willi Hausmann, der einst die CDU durch den CDU-Spendenskandal hieven musste, erinnerte sich auf dem Presseabend an diese schweren Zeiten: "Ja, wenn es einem schlecht geht, dann hauen alle ab. Im Jahr 2000 hatten wir gerade noch zwei Dutzend Sponsoren."

Spannend ist stets die Frage: Wer darf, wer muss am Presseabend am Tisch der Bundeskanzlerin sitzen? Na klar, die Meinungsmacher dürfen. In diesem Jahr: Dirk Kurbjuweit, Spiegel-Büroleiter in Berlin, RTL-Chef Peter Limbourg, Wolfgang Kentemich vom Mitteldeutschen Rundfunk, ein treuer CDU-Parteigänger, für die Springer-Presse Michael Backhaus von der Bild am Sonntag.

Schnelle Wechsel am Kanzlertisch

Christian Wulff andererseits musste als Gastgeber Platz nehmen, konnte sich jedoch bald mit der Begründung empfehlen, er müsse noch nach seinen niedersächsischen Delegierten sehen. Für ihn trat dann Hessens Ministerpräsident Roland Koch zum Dienst am Kanzlertisch an, der sich wiederum von Verteidigungsminister Franz Josef Jung ablösen ließ. Jung sah das als Pflichtübung an: "Ich sage mal schnell Grüß Gott. Das gehört sich so."

Wer nicht am Kanzlerinnen-Tisch saß, hatte mehr Spaß. Der frühere CDU-Sprecher Jürgen Merschmeier geleitete die nordrhein-westfälische CDU-Politikerin Christa Thobben an den Tisch von Kanzleramtsminister Thomas de Maizière und sagte: "Ich führe dir die Frauen zu." Staatsministerin Maria Böhmer nahm sich der neuen CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer an und rühmte die erste Frau auf diesem Posten der CSU als "eine Kulturrevolution." Nicht nur dies. Böhmer wies die CSU-Parteifreundin darauf hin, dass aus der CDU-Generalsekretärin Angela Merkel sogar eine Kanzlerin geworden ist. Haderthauer strahlte.

Glänzend gelaunt an einem Nebentischchen die engste Merkel-Vertraute, ihre Büroleiterin Beate Baumann. Wie stehen die Chancen der Union im Jahr 2009? "Zunächst einmal müssen wir Hessen und Niedersachsen im nächsten Jahr verteidigen."

Und wenn es danach in Hamburg eine schwarz-grüne Regierung gibt? "Das kann man akzeptieren, das wäre ein interessanter Akzent." Bei der Bundestagswahl müsse die Union "40 Prozent holen, nur dann läuft es." Unterm Strich der Kurzanalyse steht: Wenn es allein mit der FDP nicht reicht, dann könnte es auch eine Schwarz-gelb-grüne Koalition sein. Dann simste die Kanzlerin ihrer Beate "Wir gehen" und weg waren die mächtigsten Damen der Republik.

Der Literat Franz Müntefering

Mit einer literarischen Sensation überraschte vergangene Woche der "Zeit"-Redakteur Thomas E. Schmidt in der "Leben"-Beilage der Zeitschrift. Er habe "frühe literarische Arbeiten" von Franz Müntefering entdeckt, verkündete er stolz.

Na ja. Richtig ist, dass der Ex-Bundesarbeitsminister in einem Anfang der 60er-Jahre erschienenen Sammelband mit dem Titel " Wie wir es sehen" vertreten ist mit einem Stück, das er mit "Die Frau des Läufers" betitelt hat. Das Buch gehört dem Berliner Journalisten Gunther Hartwig, der es dem "Zeit"-Kollegen ausgeliehen und ihm die Geschichte vom Autor Müntefering erzählt hat. So leicht wurde Schmidt zum "Entdecker." Müntefering mag im übrigen nicht mehr gerne an seine literarische Phase erinnert werden, in der er sich an einem Wettbewerb junger Autoren beim Norddeutschen Rundfunk beteiligt hat.

Warnung von den Grünen

Bei den Grünen ist er weg, aber wohin geht Oswald Metzger? Nach seinen eigenen Worten kommen CDU und FDP in Frage. Bei den Liberalen dürfte es schwer werden, für 2009 ein Bundestagsmandat zu ergattern. Listenplätze sind rar bei der FDP und in Baden-Württemberg traditionell ganz besonders.

Also zur CDU? Auch das trifft auf Widerstand, denn die von Oswald verlassenen Grünen haben schon vorgebaut. Der grüne Berliner Fraktionsvorsitzende Fritz Kuhn zu stern.de: "Wir haben dem CDU-Vorsitzenden Günther Oettinger schon mitgeteilt, dass wir ein CDU-Bundestagsmandat für Metzger als sehr unfreundlichen Akt betrachten würden." Die Warnung hat Gewicht, schließlich ist Ministerpräsident Oettinger stets sehr bemüht, zu den Grünen ein gutes Verhältnis zu haben. Man könnte sie schließlich mal für Schwarz-Grün benötigen.

  • Hans Peter Schütz