Berlin vertraulich! Horst Köhler und die Schwaben


Wenn er will, beherrscht Horst Köhler auch Schwäbisch. Ein geburtsechter Schwabe ist der Bundespräsident dennoch nicht. Nun hat er verraten, wer ihn zu einem Einheimischen hat werden lassen. Vor allem im Verhältnis zu Polen ist die Abstammung des Staatsoberhaupts dennoch problembehaftet.
Von Hans Peter Schütz

Begeisterten Applaus bekam vergangene Woche Händels "Messias", interpretiert in Berlin vom Stuttgarter Kammerchor und dem Stuttgarter Barockorchester, mit dem der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger in der Philharmonie den Gründungstag seines Bundeslandes feiern ließ.

Mindestens ebenso entzückt waren die 1000 überwiegend schwäbischen Gäste indes beim anschließenden Empfang in der Vertretung des Landes in Berlin. Stars des Abends waren dort Bundespräsident Horst Köhler und seine Frau Eva Louise. Köhler machte in seiner Rede dem Land Baden-Württemberg bemerkenswerte Komplimente. Erst sagte er, beim Blick auf die Wirtschaftskrise könnten die Badener und Württemberger Deutschland Mut machen. Denn die hätten bei ihrer Zwangsvereinigung 1952 schon bewiesen, wie man "schwierige Phasen" meistern kann. Dann gestand Köhler, "dass ich kein Landeskind, sondern ein Neigschmeckter bin." Das stimmt, denn geboren wurde er 1943 im heute polnischen Skierbieszow. Aufgewachsen ist er nach langen Jahren der Flucht in Backnang und Ludwigsburg. Was dann aber nach Köhlers Worten die schwäbische Integration des Sohns bessarabischer Bauern enorm beschleunigt hat: "Ich bin mit einer echten Schwäbin verheiratet."

Beifall gab's danach für Köhler wie zuvor für Händel. Was kaum jemand an diesem Abend bedacht haben dürfte: Dass Köhlers Geburtstort ein sensibles Politikum darstellt. Die Gemeinde Skierbieszow hat den Bundespräsidenten schon vor fünf Jahren eingeladen, doch einmal seinen Geburtsort in Polen zu besuchen. Schon zweimal hat der Bürgermeister des Dorfes ans Berliner Präsidialamt geschrieben, beim zweiten Mal wurde er dabei sogar vom polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski unterstützt. Doch auch diese Einladung wurde dieses Jahr erneut abgelehnt. Die politischen Hintergründe liegen auf der Hand. Nach dem heftigen politischen Gerangel um Erika Steinbach, die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), und ihre Berufung in den Stiftungsrat der Stiftung "Vertreibung, Flucht, Versöhnung" wollte Köhler so kurz vor seiner Kandidatur für die zweite Amtszeit nicht die Delegierten der CDU/CSU bei der Präsidentenwahl gegen sich aufbringen. Zu knapp sind die Stimmverhältnisse in der Bundesversammlung.

Zusätzlich problematisch: Die Familie Köhler kam 1942 aus Bessarabien (heute Moldawien) ins ostpolnische Skierbieszow - nachdem die Nazis zuvor aus 300 Dörfern in der Umgebung die polnischen Bewohner vertrieben hatten. Und als diese Deutschen bei Kriegsende abziehen mussten, brannten sie die meisten ihrer Häuser nieder. 13.000 polnische Kinder starben bei dieser Vertreibung. Wird Köhler wiedergewählt, so hört man im Präsidialamt, werde er allerdings die geeigneten Schritte unternehmen, um dieses traurige Kapitel deutsch-polnischer Geschichte zu überwinden.

*

"Klinkenputzen" beim libyschen Staatschef Gaddafi sei Karl-Theodor zu Guttenberg gewesen, berichtete ganzseitig die "Frankfurter Allgemeine". Was so ein bisschen despektierlich klang, war ein "glänzender Auftritt" des Bundeswirtschaftsministers. Dies sagt zumindest der CSU-Bundestagsabgeordnete Bernd Schmidbauer, der lange Jahre als Staatsminister im Kanzleramt arbeitete und als bester Kontaktmann der deutschen Politik nach Libyen gilt. Schmidbauer gerät gegenüber stern.de fast schon ins Schwärmen, wenn er über seinen Duzfreund sagt: "Zu Guttenberg hat eine hervorragende Figur gemacht in Libyen und eine tolle Visitenkarte für die deutsche Wirtschaft abgegeben." Dies auch dadurch, dass er seine Frau Stephani Gräfin von Bismarck-Schönhausen mit nach Tripolis genommen habe. Die habe dort "sehr erfolgreiche frauenpolitische Gespräche geführt," berichtet Schmidbauer. Das habe er von libyscher Seite gehört.

*

Fest in Ruhpoldinger Hand war dieser Tage der Platz vor dem Haupteingang zum Reichstag. Ruhpoldinger Trachtler entzückten dort Politiker als Schuhplattler und Marketenderinnen. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer ließ es sich nicht nehmen, zum Taktstock zu greifen und den Kaiserjägermarsch zu dirigieren. "Das ist besser als wenn er wie sonst manchmal den Kanzlerinnenjägermarsch spielen lässt," kommentierte ein CDU-Abgeordneter. Ob Ramsauer sich demnächst im Umgang mit der CDU auf Dauer bessert, steht dahin. Denn die Ruhpoldinger Delegation überreichte ihm einen Fingerhaklerring - bekanntlich jenes Gerät, mit dem die CSU seit dem Amtsantritt von Horst Seehofer am liebsten Politik praktiziert.

*

Eine siebentägige Reise durch China hat Unions-Fraktionschef Volker Kauder hinter sich. Freimütig räumte er anschließend ein, dass er einen Test seiner Gastgeber nicht bestanden hat. Die Frage an ihn lautete: "Wer ist der populärste Deutsche in China?" Kauder war ratlos. Als der Unionsfraktionschef sich ausschwieg, verriet ihm sein chinesischer Gesprächspartner die Lösung: "Karl Marx."

Ob Kauder ein Widerwort wagte, ist nicht bekannt.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker