Berlin vertraulich! Merkel unter Machos


Wer glaubt, Helmut Kohl hätte den Aufstieg von Angela Merkel ermöglicht, der irrt. Der CDU-Abgeordnete Georg Brunnhuber hatte Merkel als erstes auf seinem Zettel. Die CDU könnte auch bald prominenten Zuwachs bekommen: Ex-Grüner Oswald Metzger will sich zu seiner neuen politischen Heimat äußern.
Von Hans Peter Schütz

Wer war der "Macher" der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel? Altkanzler Helmut Kohl beansprucht diese Auszeichnung zuweilen, denn er habe das "Mädchen" schließlich entdeckt und in sein Kabinett geholt. Nach seiner Schwarzgeld-Affäre war er dann nicht mehr ganz so entzückt über Merkel, denn die hatte ihn gnadenlos vom Sockel des untadeligen Staatsmanns gestoßen. Nein, nicht Kohl, ein ganz anderer hat entscheidende Verdienste am Aufstieg der Angela Merkel - Georg Brunnhuber, CDU-Abgeordneter aus Baden-Württemberg und einflussreicher Chef aller im Parlament vertretenen CDU-Landesgruppen, der jetzt in Berlin seinen 60. Geburtstag feierte. Laudatorin war Angie höchstselbst, die genau weiß, wer wichtig für die Machtsicherung ist und die das Geburtstagskind jetzt als den "lieben Schorsch" würdigte.

Und ein Geheimnis verriet. Als die Frage zu beantworten war, der denn nach dem Rücktritt von Wolfgang Schäuble CDU-Chef werden könnte, habe Brunnhuber, so die Kanzlerin, als Erster sie vorgeschlagen. Verblüfft habe sie ihn darauf hingewiesen: "Ich bin aber nicht konservativ." Brunnhuber ließ das nicht gelten: "Das sind wir alleine genug. Da sagen wir Ihnen, wo es lang geht." Behauptet hier einer, es gäbe den politischen Macho hierzulande nicht mehr?

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Für einen bekennenden Wertkonservativen ging Brunnhuber übrigens sehr unkonventionell mit "Angie" um. Der gelernte Zimmermann machte ganz flott auf Sarkozy und busselte die Kanzlerin beidseitig weltmännisch ab. Merkel lieferte mal wieder eine lockere Rede ab, wie man sie ihr gemessen an offiziellen Auftritten niemals zutraut. Unerreicht ihr Talent, jederzeit ganz spitze Halbsätze unterzubringen. Nur Millimeter immer an der Beleidigung vorbei. Als sie Bahnchef Hartmut Mehdorn in der ersten Reihe der Geburtstagsgäste entdeckte und weil Brunnhuber im Aufsichtsrat der Bahn AG sitzt, sagte sie: "Herr Mehdorn, Sie haben eines unserer besten Stücke bekommen. Ich hoffe, sie wissen das zu schätzen." Pause. Lautes Gelächter. Merkel ungerührt zu Mehdorn, der das Gesicht verzog: "Ich hoffe, sie wissen das zu schätzen." Klang fast wie eine Drohung, allerdings eben nur fast.

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Wäre nicht jede Partei entzückt, wenn einer der Ihren den Theodor-Heuss-Preis bekommt? Die Stiftung ist schließlich überparteilich, in ihrem Kuratorium sitzen so angesehene Persönlichkeiten wie Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die Professorin Gesine Schwan oder Jutta Limbach, ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts. Preisträger waren zum Beispiel schon Günter Grass, Gustav Heinemann, Walter Jens oder Ignatz Bubis. Dieses Jahr wird der ehemalige Bundesinnenminister und FDP-Politiker Gerhart Baum mit dem Preis geehrt. Müsste eigentlich für die FDP ein Grund zum Jubeln sein, auch wenn Baum immer wieder mehr Liberalität der heutigen Parteiführung einfordert.

FDP-Chef Guido Westerwelle hat ihm immerhin ein Glückwunschschreiben zukommen lassen. Nur der FDP-Generalsekretär Dirk Niebel mosert intern an der Ehrung herum. "Er erzählt überall", berichtet Baum amüsiert, "dass einer wie ich, der seiner Partei so viel Unbequemlichkeiten zugemutet hat, doch nicht Theodor-Heuss-Preisträger sein kann." Man könnte auch sagen, der Unterschied zwischen Baum und Niebel ist der zwischen einem aufrechten Liberalen und einem karriereerpichten Parteibuch-Liberalen.

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Günter Grass saß in der geselligen Runde, in der SPD-Chef Kurt Beck über eine stille Duldung der Hessen-SPD-Spitzenfrau Andrea Ypsilanti bei der Wahl zur Ministerpräsidentin durch die Linkspartei räsonierte und seine Partei damit aufschreckte. Zur Linkspartei sagte Grass kein Wort, beteiligte sich allerdings am geselligen Teil des Abends. Er erzählte, wie er einst als früherer Rundfunkrat des ehemaligen Senders Freies Berlin die Kultserie "Raumschiff Enterprise" kritisiert habe. Das amüsiere ihn heute noch, strahlte der Dichter. Schließlich habe er die Sendung nie richtig gesehen, weil er damals gar kein TV-Gerät besessen habe. Hinterher wurde an der Bar darüber gelästert, ob Beck eigentlich die SPD von heute mit dem "Raumschiff Enterprise" verwechsle. Könnte ja sein. Hallo SPD, hört ihr mich?

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Lange nichts gehört vom Ex-Grünen Wirtschaftspolitiker Oswald Metzger. Wohin zieht es ihn? Zur FDP oder zur CDU? Am Dienstag nach Ostern wird er sich erklären. Gespräche mit einer der beiden Parteien hinter der Kulisse führt er nicht. Wie aus seinem Wahlkreis Biberach verlautet, will er allerdings auf jeden Fall von dort aus künftig politisch bleiben. Die FDP-Position ist dort frei, ein guter Listenplatz allerdings fraglich. Die CDU-Position wird frei, denn der bisherige CDU-Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis, Franz Romer, hört 2009 definitiv auf. Sein Mandat ist eine sichere Fahrkarte nach Berlin, denn Romer erreichte 2005 satte 52,4 Prozent der Erststimmen. Und im Wahlkreis Biberach wird der CDU-Kandidat in einer Urwahl nominiert, was für ein Redetalent wie Metzger geradezu maßgeschneidert ist. Also CDU?


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