Berlin vertraulich! Von Handicaps und Handybikes


Welcher Spitzenpolitiker kommt am fittesten aus der Osterpause zurück? Während die Kanzlerin auf Ischia Kraft tankte, fuhr Wolfgang Schäuble Handybike und Guido Westerwelle golfte. Auch Kurt Beck kämpft mit einem Handicap.
Von Hans Peter Schütz

Schluss mit sauren Gurken und faulen Ostereiern à la Michael Glos, der uns weismachen wollte, bald werde der Fiskus seine Schröpfkur an uns Steuerzahlern beenden. Welcher Spitzenpolitiker kehrt am fittesten aus der Osterpause zurück? Angela Merkel dürfte auf jeden Fall sehr entspannt im Kanzleramt zurück sein, hat sie doch auf Ischia ausführlich mit ihrem Herrn Sauer in den Thermen geplantscht und zwar im Becken "Eros". Womit wir davon ausgehen dürfen, dass die Kanzlerin in Berlin weiterhin Oberwasser haben dürfte. Mit der besten Kondition dürfte freilich Innenminister Wolfgang Schäuble am Kabinettstisch sitzen. Satte 30 Kilometer radelte er vergangenes Wochenende mit seinem Handy-Bike, eine Art Rollstuhl-Fahrrad, das mit den Händen "getreten" wird, durch den Frühling. Im Schnitt zehn Stundenkilometer schnell, in der Spitze auch mal zwölf. "Danach war ich aber platt," erzählte er stolz stern.de. Kein Wunder, mit dem Tempo kann mancher Radler kaum mithalten, der nicht vom dritten Brustwirbel abwärts gelähmt ist.

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Matthias Wissmann bereitete sich standesgemäß auf sein neues Amt als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Autoindustrie (VDA) vor: Auf dem Golfplatz. "Ich habe versucht, mein miserables Handicap 17 zu verbessern," erzählte der CDU-Mann. Eine arge Untertreibung, wird doch Arbeitgebern geraten, sie sollten einen Arbeitnehmer mit einem niedrigeren Handicap als 18 gelegentlich mal fragen, wann er denn eigentlich noch seiner Arbeit nachgehe. Besser als Wissmann dürfte unter den Berliner Politikern allenfalls noch Laurenz Meyer (CDU) sein, der zuweilen schon mal ein Handicap 14 auf den Rasen legt. Guido Westerwelles Handicap wiederum besteht darin, dass er noch gar keines vorweisen kann, sondern gerade mal die Platzreife, was sozusagen Klippschul-Niveau der Golferei bedeutet. Dafür freut er sich noch über jeden Ball, den er trifft und lacht sogar über den allerältesten Golferwitz: "Haben Sie noch Sex oder spielen Sie schon Golf?"

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Mag ja sein, dass der SPD-Vorsitzende Kurt Beck geradezu stoisch mit dem Handicap umgeht, dass gerade mal 35 Prozent der Bundesbürger ihn kennen. Vielleicht beruhigt ihn auch der Gedanke, dass die Genossen einfach keine personelle Alternative zu ihm haben. Was freilich so alles in kleiner Runde an abschätziger Nachrede über Beck feilgeboten wird, ist von Ruf schädigender Qualität. Mit Beck "sind keine strategischen Gespräche möglich," hört man da. Oder es gibt so vergiftete Komplimente wie: "Kurt Beck wäre ein guter Mann gewesen - vor 30 Jahren."

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Max Stadler ist, auch in der Politik, generell ein höflicher Mann. Im BND-Untersuchungsausschuss fiel allerdings auf, dass der Passauer FDP-Mann erst Ex-Innenminister Schily, mehr noch Außenminister Frank-Walter Steinmeier doch sehr zurückgenommen zum Fall des Deutsch-Türken Murat Kurnaz befragte. Seither haftet an ihm der Verdacht, dies sei auf höhere Weisung geschehen. Denn FDP-Chef Guido Westerwelle hatte vor der Vernehmung der beiden SPD-Politiker in der FDP-Fraktion Zurückhaltung angemahnt. Es mache doch keinen Sinn, so Guido, etwa den Rücktritt Steinmeiers wegen dieser Affäre zu fordern. Der sei ohnehin nicht zu erreichen. Beim Blick auf künftige Beziehungen zur SPD sei dies zu bedenken. Wie man sieht, denkt Westerwelle damit weit voraus: Könnte ja sein, dass 2009 die Frage einer rot-gelb-grünen Koalition ansteht. Da will man es mit den Genossen nicht vorzeitig verderben. Das wiederum ist ein Handicap, mit dem Max Stadler leben muss.

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Ist Edmund Stoiber in Sachen Kernkraft-Nutzung etwa ein zahnloser Problembär? Einer, der öffentlich weiter für die Nutzung der Atomkraft plädiert, insgeheim aber doch zum Ausstieg bereit wäre? Jedenfalls erzählt Umweltbundesminister Sigmar Gabriel derzeit in Berlin lächelnd, dass Bayerns Ministerpräsident ihn nach den Koalitionsgesprächen 2005 verschwörerisch lächelnd gefragt habe: "Ist Ihnen aufgefallen, dass die Union nicht die unbegrenzte Fortschreibung der Kernenergie gefordert hat, sondern eine Verlängerung der Ausstiegsfristen?" Seither sieht Gabriel eine Kompromisschance: "Wenn die Union käme und sagen würde, wir wollen ebenfalls aussteigen, brauchen aber noch etwas Zeit, dann wäre das eine spannende Diskussion." Und Stoiber macht die altbekannte Erfahrung, dass in der Politik das Geschwätz von gestern in der Gegenwart ein arges Handicap für die Glaubwürdigkeit sein kann.


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