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Bestwerte für Sarrazin: Fast jeder Fünfte würde Thilo wählen

Die SPD will Bundesbanker Thilo Sarrazin loswerden. Im Volk ist der Scharfmacher aber überaus populär. Noch will Sarrazin keine Partei gründen, aber er könnte. Eine Umfrage sieht ihn bei 18 Prozent.

Von der Zahl "18" träumt Westerwelles FDP seit Jahren. Thilo Sarrazin, Enfant Terrible von Bundesbank und SPD, könnte dagegen mit der Stimme fast jedes fünften Deutschen rechnen. 18 Prozent könnten sich nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" vorstellen, die Thilo-Sarrazin-Partei zu wählen.

Vor allem die Anhänger der Linkspartei und Wähler der Union stimmen dem Klartext-Politiker zu. Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner sagte dazu: "Für sie ist Sarrazin jemand, der endlich ausspricht, was viele denken." Der Versuch der Politik, den unbequemen Thilo Sarrazin kaltzustellen, wird die Kluft zwischen der politischen Meinung und der Stimmung auf der Straße weiter vertiefen. Ob Sarrazin bei einer kommenden Wahl tatsächlich 18 Prozent der Stimmen erhalten würde, sagt die Umfrage nicht.

Glauben Sie, dass eine Thilo-Sarrazin-Partei 18 Prozent erreichen könnte?

Ein deutliches Alarmsignal sind diese Werte dennoch. Bisher kann sich Thilo Sarrazin nicht vorstellen, eine eigene Partei zu gründen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gegenüber bekannte der umstrittene Bundesbanker in der letzten Woche, nicht zum "Frontmann" zu taugen. Zu Protestparteien im Allgemeinen äußerte er sich in der gewohnten Deutlichkeit. "Parteigründungen enden in Deutschland fast immer so, dass sich dort sehr schnell die Spinner aller Couleur versammeln", sagt er der FAZ. "Allerdings glaube ich schon, dass SPD und Union lernen müssen, sich stärker wie Volksparteien zu benehmen, wenn sie Wert darauf legen, Volksparteien zu bleiben."

Die Emnid-Umfrage offenbart ohnehin nicht, dass die Befragten blindlings einem Demagogen folgen. Andere Politiker, die sich nicht durch Provokationen profiliert haben, wären bei einer Parteigründung erfolgreicher als Sarrazin. Eine Partei unter Führung des gescheiterten Präsidentschaftsbewerbers Joachim Gauck würden 25 Prozent der Deutschen wählen, eine Partei des ehemaligen Unions-Fraktionschefs Friedrich Merz 20 Prozent. Hinter diesen Zahlen versteckt sich die Partei der Unzufriedenen. In der Summe bilden die Wähler, die sich vom Berliner Establishment abwenden, laut Umfrage bereits die Mehrheit.

Gernot Kramper