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Bischofskonferenz: Stillstand statt Neuanfang

Die katholische Kirche hat sich nicht zu einem Generationswechsel durchringen können. Der neue Ober-Bischof Robert Zollitsch ist nicht mehr als eine Übergangslösung. Der interne Kampf um Posten und Positionen ist auch deshalb noch längst nicht beendet.

Ein Kommentar von Frank Ochmann

Nun also doch nicht Marx. Noch nicht, wird man wohl sagen müssen. Vielleicht war ihm oder den bischöflichen Wählern in Würzburg oder auch beiden zusammen die Zeit zu knapp, die seit der Amtseinführung von Reinhard Marx zum neuen Erzbischof von München am 2. Februar vergangen ist. Stattdessen tritt der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch an die Stelle des wegen gesundheitlicher Beschwerden zurückgetretenen Kardinals Karl Lehmann aus Mainz.

Mit dem 71-jährigen Lehmann fast gleichaltrig steht der 1938 geborene Zollitsch zumindest nicht für einen Generationswechsel im Klub der katholischen deutschen Oberhirten. Zollitsch kann schon wegen seines Alters nicht mehr als eine Übergangslösung sein. Mit Vollendung des 75. Lebensjahres verlangt das Kirchenrecht von Bischöfen ein Rücktrittsangebot an den Papst. Für eine Amtszeit von sechs Jahren wurde Zollitsch jetzt gewählt. Spätestens dann steht die Bischofskonferenz wieder vor der Frage, wer sie nach außen vertreten und auch, wer sie im Inneren zusammenhalten soll.

Draußen kennt ihn niemand

Letzteres könnte ausschlaggebend gewesen sein. Dass es Flügel gibt, Verwerfungen und Dissonanzen, hat die heutige Entscheidung gezeigt. Drei Wahlgänge brauchte es, bis das Ergebnis feststand. Denn in den ersten beiden Abstimmungen erreichte keiner der Bischöfe die da noch erforderliche absolute Mehrheit. Schon deshalb ist Zollitsch ein schwacher Vorsitzender. Dazu einer, den "draußen" praktisch niemand kennt. Erst vor fünf Jahren wurde er - noch unter Johannes Paul II. - Erzbischof von Freiburg. Davor war er dort für die Priesterausbildung zuständig, anschließend zwanzig lange Jahre Personalchef.

Beides sind eher "leise" Ämter, die zwar auch Entscheidungsstärke erfordern, Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Aber sie beschränken sich auf den Binnenbereich und stehen zumindest nicht für eine sichtbar geführte Auseinandersetzung mit der Welt, in der die Kirche wie jede andere gesellschaftlich relevante Gruppe ihr Profil finden und behaupten muss.

Kein hoffnungsvolles Signal

Wieder richten die deutschen Bischöfe den Blick vor allem nach innen und vergeben damit die Chance, sich als "Kirche in der Welt" zu präsentieren. Unter dieser Maßgabe ist Robert Zollitsch allerdings eine konsequente Wahl. Konservative und Aufgeschlossenere können nun weiter hinter Kirchen- und Klostermauern miteinander ringen und um Positionen streiten, die außerhalb ohnehin niemand versteht - oder auch nur sonderlich interessieren. Das wurde offensichtlich nicht verstanden, als die 69 in Himmelpforten versammelten Bischöfe den Namen ihres Favoriten auf den Wahlzettel schrieben.

Welches Signal also geht von dieser Vollversammlung aus? Kein hoffnungsvolles jedenfalls. Keines, dass die deutsche Bischofsschar als eine kraftvolle, mutige Gemeinschaft präsentierte, die sich ihrer Verantwortung in einer nach Werten suchenden - und trotzdem unbequemen - Gesellschaft bewusst wäre und danach handelte. Die Chance, mit dieser Gesellschaft in einen Dialog auf Augenhöhe einzutreten, wie es immer heißt, wenn es um eine ehrliche und auch vom Ergebnis her offene Auseinandersetzung geht, ist vorerst vertan.

Zollitsch trifft keine Schuld

Robert Zollitsch selbst trifft dabei keine Schuld. Höchstens könnte man ihm vorwerfen, dass er überhaupt angetreten ist und sich damit als Bremsklotz instrumentalisieren ließ. Fragen sollten sich hauptsächlich die stellen, die einen wirklichen Neuanfang nach den Lehmann-Jahren verhindert haben. Vielleicht auch deshalb, weil ihnen der schnelle Aufstieg von Erzbischof Reinhard Marx suspekt war, weil sie seine Souveränität in den Medien beneideten oder sich selbst Chancen ausrechnen, wenn in einigen Jahren neu gewählt werden wird. Ehrgeiz und Eifersucht werden mit der Weihe nämlich nicht aus klerikalen Seelen gelöscht. So steht der Name Zollitsch an diesem Tag vor allem für Zeitschinden.