Bundesanwaltschaft Anschlag auf israelisches Flugzeug vereitelt


Terroristen haben einem Medienbericht zufolge diesen Sommer versucht, am Frankfurter Flughafen Sprengstoff in ein Flugzeug der israelischen Linie El Al zu schmuggeln. Auf die Spur der Terrorverdächtigen sind die Ermittler nach Informationen des stern durch abgehörte Telefonate gestoßen.

Terroristen haben nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft im Sommer in Deutschland mit den Vorbereitungen für einen Sprengstoffanschlag auf ein Verkehrsflugzeug begonnen. Dabei soll es sich nach Informationen der Zeitung "Die Welt" um eine Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al gehandelt haben. Den Sicherheitskreisen zufolge werde nicht ausgeschlossen, dass eine Gruppe mit islamistischem Hintergrund den Anschlag während der Fußball- Weltmeisterschaft im Juni oder Juli plante.

Auf die Spur der Terrorverdächtigen sind die Ermittler nach Informationen des stern durch abgehörte Telefonate gestoßen. Der Mittelsmann am Frankfurter Flughafen soll bereits seit längerem wegen eines Drogendelikts im Visier der Fahnder gestanden haben, deshalb hörten die Fahnder bei seinen Gesprächen, die er offenbar auch mit den Anschlagsplanern am Telefon führte, mit. Verdächtige Codewörter ließen sie hellhörig werden. Zum Zeitpunkt der Festnahme soll der Flughafenmitarbeiter schon nicht mehr am Frankfurter Airport gearbeitet haben. Bisher ist unklar, ob er ein direkter Angestellter des Flughafenbetreibers FRAPORT war oder in einer der Tochterfirmen gearbeitet hat.

Derzeit seien sechs namentlich bekannte Beschuldigte im Visier der Ermittler. Sie wurden am Freitag vorläufig festgenommen, aber am Samstag - bis auf einen wegen einer anderen Tat in Haft sitzenden Beschuldigten - wieder auf freien Fuß gesetzt. Parallel dazu ließ die Bundesanwaltschaft mit Billigung des Bundesgerichtshofs neun Wohnungen in Rheinland-Pfalz und Hessen durch Beamte des Bundeskriminalamts und der Landeskriminalämter durchsuchen.

Nach Angaben der Ermittler stehen unbekannte Mitglieder einer terroristischen Vereinigung als Auftraggeber hinter den Anschlagsplanungen. Mit ihnen hätten einige der vorübergehend festgenommenen Verdächtigen auch über den Lohn für den zur Unterstützung bereiten Helfer verhandelt, ohne dass es jedoch zu einer Einigung über die Höhe kam. Die Bundesanwaltschaft lehnte jede Stellungnahme zu Einzelheiten des Anschlagplans und Identität der Verdächtigen ab. Aus Justizkreisen war aber zu hören, dass sich die Planungen im "sehr frühen Stadium" befunden hätten.

Die Bundesregierung hält auch nach den Erkenntnissen über die Anschlagspläne an ihrer Gefahreneinschätzung fest. "Wir sind Teil eines Gefahrenraums", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. "Wir müssen damit rechnen, dass es immer wieder Gruppen gibt von Leuten, die konkrete Anschlagsplanungen in sich tragen." Er wollte sich nicht dazu äußern, ob der Anschlag etwa zur Zeit der Fußball-WM geplant gewesen sei oder welcher Flughafen hätte betroffen sein können. In Sicherheitskreisen hieß es allerdings, die Pläne hätten vom Frankfurter Flughafen aus verwirklicht werden sollen.

"Sicherheitsbehörden sind nah dran"

Die Bundesregierung nannte die Ermittlungserfolge bei dem geplanten Anschlag ermutigend. Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Stefan Kaller, sagte, der Fall sei ein Beleg dafür, dass es sich bei der Bedrohung durch Terroristen um "keine rein abstrakte Gefährdung handelt. Er wies darauf hin, dass es bereits im Sommer die versuchten Anschläge mit Kofferbomben gegeben habe. "Dieser Fall ist einmal mehr ermutigend insoweit, als unsere Sicherheitsbehörden offensichtlich sehr aufmerksam sind, nah dran sind an möglichen Strukturen und es bisher jedenfalls geschafft haben, früh genug einzuschreiten", sagte Kaller.

Die Bundesrepublik gerät nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden wegen seiner außenpolitischen Engagements stärker ins Visier islamistischer Terroristen. "Deutschland rückte und rückt auf Grund seines markanten außen- und sicherheitspolitischen Profils verstärkt ins Zielspektrum terroristischer Anschläge", sagte etwa BND-Chef Ernst Uhrlau in der vergangenen Woche.

Regina Weitz/DPA/AP/Reuters/ AP DPA Reuters

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