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Bundeskriminalamt: Wie Zielfahnder Flüchtige aufspüren

Um Spuren wie im Fall Pfahls nachzugehen, reisen Zielfahnder des Bundeskriminalamtes um die ganze Welt. Oft werden den Gesuchten eigene Fehler und ihr Wunsch nach einem ausschweifenden Leben zum Verhängnis.

Es klingt so einfach: mit einer Menge Geld irgendwo in fernen Ländern untertauchen. Doch immer wieder scheitert Tatverdächtige oder überführte Kriminelle damit. Wie jetzt bei Ludwig-Holger Pfahls klickten auch bei Reemtsma-Entführer Thomas Drach, dem gescheiterten Baulöwen und Milliardenbetrüger Jürgen Schneider sowie dem betrügerischen Finanzjongleur Jürgen Harksen letztlich doch die Handschellen. Meistens werden die Gesuchten von hartnäckigen Zielfahndern der deutschen Polizei aufgespürt.

Zwei Jahre nach der spektakulären Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma wurde Drach, der Kopf der Kidnapper, 1998 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires gefasst. Ebenfalls Zielfahnder des Bundeskriminalamtes machten den Bau-Betrüger Schneider in Miami ausfindig. Nicht besser erging es Wolfgang Ullrich als ehemaligem Chef des Deutschen Tierhilfswerks, der mit zwei Komplizen umgerechnet rund 30 Millionen Euro aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen auf eigene Konten umgeleitet hatte. Ihn stöberten die Ermittler im thailändischen Badeort Pattaya auf und machten seinem Luxusleben ein Ende.

"König der Hochstapler" und "Millionen-Manni"

Der Hamburger Millionenbetrüger Harksen ("König der Hochstapler") hatte sich 1993 nach Südafrika abgesetzt. Obwohl er alle juristischen Register ziehen ließ, wurde neun Jahre später auch er nach Deutschland ausgeliefert. Auch der Kursbetrüger und Internet-Unternehmer Kim Schmitz wurde in Bangkok aufgespürt und wenig später von Thailand an die Münchner Justiz überstellt. Der Ex-Polizist und Geldtransportfahrer Manfred Küppers ("Millionen-Manni") aus Mönchengladbach, der sich mit umgerechnet 1,8 Millionen Euro abgesetzt hatte, wurde in Brasilien ausfindig gemacht.

Zunächst gleicht die Suche der Zielfahnder des Bundeskriminalamtes und der Landeskriminalämter immer erst der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Doch mit Persönlichkeitsprofilen, bei denen die Vorlieben der Gesuchten eine wichtige Rolle spielen, und Hinweisen aus der internationalen Polizei-Kooperation versuchen die Fahnder dann ihr Zielgebiet einzuengen. Die Fahndungsgruppen, bei denen bis zu 20 Beamte auf einzelne Gesuchte angesetzt werden, versuchen sich in diese hineinzudenken. Die Zielfahnder reisen zum Teil um die ganze Welt, um Spuren und Hinweisen nachzugehen.

Luxushotel statt kleine Hütte

Oft werden den Gesuchten eigene Fehler und vor allem ihr Wunsch nach einem ausschweifenden Leben zum Verhängnis. Denn wer Millionen in der Hinterhand hat, will nicht dauerhaft unauffällig wie ein Landarbeiter in einer kleinen Hütte wohnen. So schauen die Zielfahnder besonders auf Plätze, wo sich der Geldadel trifft. Es war kein Zufall, dass etwa Schmitz in einem Luxushotel in Bangkok gefunden wurde und "Millionen-Manni" Küppers in einer brasilianischen Villa in Strandnähe gefasst wurde. Und bei Drach war den Fahndern zu Hilfe gekommen, dass er eine Villa im Nobel-Badeort Punta del Este in Uruguay und einen Luxuswagen gekauft hatte.

Jürgen Balthasar/DPA / DPA