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Bundesnachrichtendienst: Gerhard Schindler wird der neue Chef beim BND

Der aktuelle oberste Datensammler des deutschen Geheimdienstes, Ernst Uhrlau, wird Ende des Jahres Rente gehen. Das Bundeskabinett hat jetzt einen Nachfolger bestimmt.

Er hat zwar ein FDP-Parteibuch, doch der künftige BND-Chef Gerhard Schindler stößt nicht bei allen Liberalen auf Sympathie. Der Jurist leitet derzeit die Abteilung Öffentliche Sicherheit im Bundesinnenministerium. In Sicherheitsfragen ist er auf Linie der Union - zum Leidwesen der Linksliberalen um Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).

Doch Leutheusser-Schnarrenberger hat eine empfindliche Niederlage in Personalfragen gerade erst hinter sich. Die Ernennung ihres Wunschkandidaten Johannes Schmalzl zum Generalbundesanwalt platzte kurzfristig nach einer kontroversen Debatte um dessen fachliche Eignung. Dies mag der Grund dafür sein, dass die Liberalen nun doch Schindler mittragen, der schon länger als BND-Chef im Gespräch war.

Schindler gilt als Fachmann für kriminelle und terroristische Netzwerke. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete er beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Noch unter Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) wurde er Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit im Bundesinnenministerium. Die Abteilung hat die Fachaufsicht über das Bundeskriminalamt und den Bundesverfassungsschutz. Sie erstellt Konzepte zur Verbrechensbekämpfung und zur Abwehr von Extremismus und Terrorismus und entwickelt auch Gesetzentwürfe. Dazu gehörte auch die Novellierung des BKA-Gesetzes 2008, mit der die gerade bei der FDP umstrittene Online-Durchsuchung von Computern eingeführt wurde.

Schily Paroli geboten

Mit einem FDP-Mann an der Spitze des BND dürften allerdings auch die Chancen deutlich gesunken sein, dass die Liberalen einen weiteren der bald freiwerdenden Spitzenposten in Sicherheitsbehörden des Bundes übernehmen. Der Chef des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, geht Mitte 2012 in den Ruhestand - ein Jahr später folgt der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm.

Der ehemalige Fallschirmjäger Schindler soll zu den wenigen Beamten gehören, die dem als cholerisch geltenden früheren Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) Paroli geboten haben. Über das Privatleben des neuen BND-Chefs ist wenig bekannt. Nur so viel: Der 59 Jahre alte verheiratete Familienvater lebt nahe Berlin.

ono/DPA / DPA