Bundestagsvizepräsident SPD-Kritik an Thierse-Aussagen


Die CDU will seinen Rücktritt und nun wird der SPD-Politiker Thierse auch aus den eigenen Reihen scharf kritisiert. Bundestagsvizepräsident Thierse habe mit seinen Äußerungen über Altkanzler Kohl eine Grenze überschritten, sagte Finanzminister Steinbrück.

Die SPD-Spitze hat sich von den Aussagen von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse über Altkanzler Helmut Kohl distanziert. Der stellvertretende Parteivorsitzende und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte im ZDF, der private Bereich von Politikern müsse respektiert werden. "Mit seinen Äußerungen hat er das verletzt", sagte er mit Blick auf Thierse. "Tatsächlich hat er eine Grenze überschritten." Zugleich nahm er seinen Parteifreund Thierse gegen die Kritik der Union in Schutz, sein Bedauern über die Wirkung seiner Aussage sei nicht glaubwürdig. "Ich denke, er hat sich glaubhaft entschuldigt."

Thierse hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst mit Aussagen über Kohl und dessen verstorbene Frau Hannelore. Er hatte sich in der "Leipziger Volkszeitung" zum Rückzug von Vizekanzler Franz Müntefering geäußert, der sich künftig um seine schwer kranke Frau kümmern will. Thierse wurde unter Hinweis auf Hannelore Kohl, die sich wegen ihrer Lichtallergie das Leben genommen hatte, mit den Worten zitiert: "Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal." Nach massiver Kritik von Union und FDP bemühte sich Thierse um Schadensbegrenzung. Er bedauere, wenn der Eindruck entstanden sei, Kohl kritisiert zu haben.

Aus der Union wurde Thierses Rücktritt gefordert, Kanzlerin Angela Merkel verlangte eine klare Entschuldigung. Sie nannte die Äußerungen "menschlich zutiefst unverständlich". Fraktionschef Volker Kauder sagte im ZDF, Thierse habe "die unterste Stufe dessen erreicht, was man erreichen kann."

Reuters Reuters

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