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Bundestagswahl: Zocker setzen auf die Union

Während sich die Kandidaten in Deutschland noch um TV-Auftritte streiten, ist der Wahlkampf für die internationalen Wettbüros bereits gelaufen. Unangefochtene Quotenkönigin ist Angela Merkel, die SPD hat nur eine Außenseiterchance.

Während für die Parteien die heiße Wahlkampfphase beginnt, mit Plakaten und Veranstaltungen der Spitzenpolitiker auch in der fernen Provinz um die Stimmen der Bürger gebuhlt wird, ist für die meisten internationalen Wettbüros der Ausgang der Bundestagswahl längst zu Gunsten der Union und ihrer Kanzlerkandidatin Angela Merkel entschieden. Seitdem Bundespräsident Horst Köhler den Bundestag auflöste und die Neuwahl ansetzte, verschlechterte sich die Quote für die SPD auch bei der britischen Wettbörse "betfair.com" von 5,8 auf 19.

Das heißt, wer jetzt zehn Euro auf den Sieg der Sozialdemokraten setzt, der erhält 190 Euro, wenn die Partei von Kanzler Gerhard Schröder nach dem 18. September tatsächlich als stärkste Fraktion in der Bundestag ziehen kann. Vom Sieg der CDU sind offensichtlich mehr Wetter überzeugt: Deren Quote steht bei 1,5. Matthias Wiermann, Manager bei betfair.com, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Wettquoten häufig zuverlässigere Prognosen seien als Umfragen von Meinungsforschungsinstituten: "Wenn es um das finanzielle Risiko einer Wette geht, überlegt man sich eben sehr genau, was man mit seinem Geld macht."

Nur Bares ist Wahres

Auch der internationale Wettanbieter intertops.com hat neben zahlreichen Sportarten die Bundestagswahl in seinem Programm. Wie bei den anderen stehen auch hier die Wetten eindeutig zu Gunsten der Union: Bei einem Einsatz von einem Euro für CDU/CSU kann man gerade zwei Cent gewinnen. Wer dagegen auf die SPD als Wahlsieger setzt, bekommt das Zehnfache seines Einsatzes, bleiben Sozialdemokraten in der Regierung. Ein Sieg von PDS/WASG verspricht das 76-fache des Einsatzes. Und wer auf das ganz große Geld hofft und zugleich das Risiko liebt, sollte auf die Grünen oder die FDP setzen. Für deren Sieg gibt es nach den bisherigen Quoten jeweils das 501-Fache des Einsatzes.

Wetten kann man bei intertops.com auch auf den künftigen Kanzler beziehungsweise die Kanzlerin. Favoritin ist auch hier Merkel mit einer Quote von 1,15 zu 1,40 im Verhältnis zu Gerhard Schröder.

Kanzlerkandidatin gegen König Fußball

Nicht gegen den amtierenden Bundeskanzler Schröder, sondern gegen König Fußball muss Merkel dagegen bei der internationalen Wettbörse mybet.com antreten. Die Tipper müssen sich entscheiden, ob Deutschland eher eine Bundeskanzlerin bekommt oder Fußball-Weltmeister wird. Offensichtlich trauen die Tipper der Kanzlerkandidatin mehr zu als der Nationalmannschaft: Die Quote steht aktuell 1,02 zu 5,0.

"Alles nur Spaß", urteilt Holger Frister, Sprecher der Sportwetten GmbH Gera. Die Konzessionen der deutschen Wettanbieter seien ausschließlich auf sportliche Wettkämpfe beschränkt. Wetten außerhalb des Sports, so genannte Gesellschaftswetten, würden nicht angenommen. "Das ist aber kein Verlust", fügt Frister hinzu. Denn in Deutschland bestehe kaum Nachfrage. Die Briten würden das ganz anders sehen, "die wetten auf alles".

Nicht alles, aber viele Spezialwetten zur deutschen Bundestagswahl jedenfalls kündigt das österreichische Wettbüro bet-at-home.com an. "Wir warten nur noch die Entscheidung des Verfassungsgerichts ab", teilt Sprecher Jochen Dickinger mit. Die Richter in Karlsruhe haben das letzte Wort darüber, ob es tatsächlich zur Neuwahl am 18. September kommen wird.

Birgitt Pötzsch/AP