Bundeswehr Keine Soldaten nach Südafghanistan


Die Bundesregierung will keine Bundeswehrsoldaten in den gefährlichen Süden Afghanistans schicken. Bei einem Selbstmordanschlag sind dort heute 17 Menschen getötet worden.

Auch künftig werden keine Bundeswehrsoldaten in den Süden Afghanistans geschickt werden. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Montag in Berlin, Deutschland werde seine Bemühungen zur Stabilisierung weiter auf den Norden konzentrieren. Zuvor hatte die Deutsche Presse- Agentur (dpa) gemeldet, die Bundeswehr könnte nach Überlegungen der Internationalen Schutztruppe ISAF demnächst im unruhigen Süden Afghanistans eingesetzt werden. Bundeswehr-Soldaten könnten dabei auch in die andauernden Kämpfe mit radikal-islamischen Taliban-Rebellen im Süden verwickelt werden, hieß es.

Bei Anschlag sterben 17 Menschen

Bei einem Selbstmordanschlag im Süden Afghanistans sind heute morgen nach Krankenhausangaben mindestens 17 Menschen getötet und etwa 47 weitere verletzt worden. Bei den Opfern handele es sich ausschließlich um Zivilisten, es seien auch Kinder darunter, teilte ein Krankenhausleiter weiter mit.

Doch auch das Verteidigungsministerium sagte, es gebe derzeit keine Anfrage der ISAF für einen Einsatz im Süden des Landes. Es gebe auch keine konkrete Planung, sagte ein Sprecher am in Berlin. Minister Franz Josef Jung (CDU) sagte bei einem Besuch des Zentrums für Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr Ost: "Unsere Konzentration richtet sich auf den Norden Afghanistans." Aufteilung und Verantwortlichkeit der Nationen seien eindeutig.

Die dpa hatte berichtet, dass man bei der ISAF die Kapazitäten und Fähigkeiten der deutschen Truppen im Norden auch im Süden gebrauchen könnte. Die Einsätze sollten zeitlich begrenzt sein. Deutschland werde von anderen ISAF- Nationen kritisch betrachtet, weil die Bundeswehr nur im verhältnismäßig ruhigen Norden des Landes und in der Hauptstadt Kabul stationiert ist, während andere Nationen schwere Verluste im Süden erlitten. Der deutsche Einsatz werde nicht ewig auf diese Gegenden beschränkt bleiben können. Die Sicherheitslage in Afghanistan ist so schlecht wie nie seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.

ISAF-Kommandeur David Richards hatte vor einem Monat betont, er habe die Freiheit, die 18 000 ISAF-Soldaten dort einzusetzen, wo es militärisch Sinn macht. Dazu hätten sich die Truppensteller bereit erklärt. Bei der ISAF hieß es nun, man werde trotzdem in Berlin nachfragen. Die ISAF hat Ende Juli das Kommando für Südafghanistan von den US-geführten Koalitionstruppen übernommen. Fast täglich kommt es zu schweren Gefechten mit Aufständischen. Seit der Kommandoübernahme kamen im Süden sechs britische und sechs kanadische ISAF-Soldaten bei Kämpfen und Anschlägen ums Leben.

Die Bundeswehr hat im Juni das ISAF-Regionalkommando für Nordafghanistan übernommen und ist dort mehrfach Ziel von Anschlägen geworden. Deutsche Soldaten kamen in diesem Jahr nicht ums Leben. Insgesamt starben 18 deutsche Soldaten seit Beginn des ISAF-Einsatzes Ende 2001, zwölf davon bei Unfällen, sechs weitere bei Anschlägen. Die Bundeswehr stellt rund 2800 ISAF-Soldaten.

DPA DPA

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