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Sachsenwahl 2019: Nach "Rezo"-Desaster: CDU macht in Sachsen ganz persönlichen digitalen Wahlkampf

Die CDU hat aus dem "Rezo"-Desaster offenbar ihre Schlüsse gezogen. In Sachsen werben die Christdemokraten per Video-Generator um Stimmen. Die Empfänger erreicht eine verblüffend persönliche Botschaft des Ministerpräsidenten.

Michael Kretschmer kommt per Video-Botschaft ins Mailfach

Die CDU hat die Möglichkeiten des digitalen Wahlkampfs entdeckt. Ministerpräsident Michael Kretschmer kommt nun per E-Mail oder WhatsApp aufs Handy oder Tablet.

DPA

Die Wahlberechtigten in Sachsen könnten in diesen Tagen staunen, was ihnen da ins eigene E-Mail-Fach gespült wird oder per WhatsApp erreicht: "Deine persönliche Videobotschaft von Michael Kretschmer", steht da in der Betreffzeile. Und wer die Mail nicht gleich löscht oder ignoriert, sondern sogar auf den mitgeschickten Link klickt, wird tatsächlich vom CDU-Ministerpräsidenten mit seinem Namen angesprochen und Kretschmer nennt auch noch den Namen des Absenders, über den die Wahlkampf-Botschaft den Empfänger erreicht hat.

Dass die Christdemokraten auf diese digitale und persönliche Art um Stimmen bei den sächsischen Landtagswahlen am 1. September werben, ist nur deshalb bemerkenswert, weil sich die CDU bei der Auseinandersetzung mit dem kritischen Video des Youtubers "Rezo" noch vor wenigen Wochen äußerst altbacken anstellte. Ein Antwort-Video mit dem 26 Jahre alten CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor wurde verworfen und lieber nicht veröffentlicht. Stattdessen kam die Replik per downloadbarem Schriftstück im PDF-Format. So verliere die Partei die junge, Netz-affine Generation vollkommen, urteilten Experten.

CDU entdeckt den digitalen Wahlkampf

Doch nun landet Kretschmer selber per online generiertem Video und persönlicher Ansprache im Mailfach. Mit dem "Rezo"-Video sind die 45 Sekunden Stimmenfang zwar nicht vergleichbar, doch die Aktion zeigt zumindest, dass sich die Partei auf moderne Kommunikationsformen inzwischen einstellt. Die Video-Botschaften sind gut genug geschnitten, dass sie tatsächlich im ersten Moment wie eine persönliche Botschaft wirken - und somit womöglich ihre Wirkung nicht verfehlen. Mehr als ein Wahlaufruf ist es aber nicht; über Inhalte spricht Kretschmer in den Kurz-Videos nicht.

"Bisher wohl einmalig in einem Landtagswahlkampf", kommentierte der Politikberater und Blogger Martin Fuchs, der in einem Interview mit dem stern den Umgang der CDU mit dem "Rezo"-Video klar kritisiert hatte, die digitale Wahlwerbung. "@MPKretschmer hat 200 Namen mit 400 Texten eingesprochen, damit Unterstützer*innen persönliche Nachrichten an Freunde versenden können." Fraglich bleibt allerdings, ob Menschen, die sich solche Video-Botschaften schicken überhaupt an die Wahl erinnert werden müssen.

Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD

Zu für sie neuen Methoden angtrieben wird die CDU womöglich dadurch, dass sie bei den Wahlen zum Dresdner Landtag ihren Status als größte Fraktion einbüßen könnte. Deutliche Stimmenverluste sind ohnehin zu erwarten - bei gleichzeitigem Erstarken der AfD. Mit der rechtspopulistischen Partei liefern sich die Christdemokraten nach jetzigem Stand ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Drittstärkste Kraft könnte die Linke werden vor den Grünen und der SPD, die voraussichtlich unter die 10-Prozent-Marke rutschen wird. Die FDP muss den Umfragen zufolge um den Einzug in den sächsischen Landtag bangen. Auch die Freien Wähler sind ein Faktor bei der Sachsenwahl. Da alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen haben, wird eine schwierige Regierungsbildung erwartet.

Die Video-Botschaften der CDU Sachsen sind nur eine Form des Wahlkampfs. Die Wahlkampf-Aussagen der anderen bei der Sachsenwahl am 1. September aussichtsreichen Parteien finden Sie hier (in der Reihenfolge aktueller Umfragen):

AfD Sachsen

Die Linke Sachsen

Grüne/Bündnis 90 Sachsen

SPD Sachsen

FDP Sachsen

Freie Wähler Sachsen

Quellen: "sachsenwahl2019.de", CDU Sachsen auf Twitter

dho