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Debatte um Yücel-Texte: Özdemirs emotionale Brandrede gegen die AfD: "In diesem Haus sitzen Rassisten"

Grünen-Politiker Cem Özdemir hat die AfD scharf kritisiert und als "Rassisten" bezeichnet. In einer emotionalen Rede rügte er einen Antrag, indem die Partei eine "öffentliche ausgesprochene Missbilligung" von Texten des Journalisten Deniz Yücel gefordert hatte.

Cem Özdemir hat die AfD in einem emotionalen Debattenbeitrag im Bundestag scharf angegriffen und als "Rassisten" bezeichnet. Die Partei hatte zuvor per Antrag gefordert, den "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel öffentlich zu maßregeln. Die Debatte zeuge davon, dass "Rassisten" im Parlament säßen, sagte Özdemir. "Bei uns gibt es Pressefreiheit. Ein Wort, das in Ihrem Wortschatz offenbar nicht vertreten ist", redete er sich in Rage. Als daraufhin Buhrufe aus den Reihen der AfD kamen, schob Özdemir hinterher: "Ich habe das Mikrofon und Gott sei Dank können Sie es mir nicht abstellen. Von dem Regime, von dem Sie träumen, kann man das Mikrofon abstellen."

Beim Antrag der AfD ging es hauptsächlich um zwei Kolumnen des Journalisten Yücel, als dieser noch für die "taz" arbeitete. In einer hatte er Thilo Sarrazin einen Schlaganfall gewünscht, die andere trug den Titel "Super, Deutschland schafft sich ab". Zudem kritisierte die AfD eine angebliche Vorzugsbehandlung Yücels während dessen Inhaftierung in der Türkei. Der Journalist, der sowohl einen deutschen als auch einen türkischen Pass besitzt, hatte ein Jahr ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis gesessen und kam erst vor wenigen Tagen frei. Die türkischen Behörden werfen ihm unter anderem "Terrorpropaganda" vor. Die Bundesregierung hatte das Verfahren in der Türkei massiv kritisiert und sich für die Freilassung des Journalisten eingesetzt.

Unser Land ist stärker als der Hass der #AfD es jemals sein wird! Die AfD hat heute versucht, es #Erdogan gleich zu tun...

Gepostet von Cem Özdemir am Donnerstag, 22. Februar 2018

Cem Özdemir: "Sie wollen bestimmen, wer deutsch ist und wer nicht"

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel hatte Yücel die deutsche Staatsbürgerschaft abgesprochen. Darauf bezog sich Özdemir während seiner Rede: "Sie wollen bestimmen, wer deutsch ist und wer nicht. Wie kann jemand, der Deutschland, der unsere gemeinsame Heimat so verachtet, wie Sie es tun, bestimmen, wer deutsch ist und wer nicht." Bei weiteren Zwischenrufen der AfD-Abgeordneten empfahl er diesen das "Ausstiegstelefon für Neonazis" und polterte anschließend: "Sie sind aus dem selben faulen Holz geschnitzt wie Erdogan."

Für seine Rede erhielt Özdemir lauten Applaus im Bundestag. Das Parlament lehnte den AfD-Antrag mit großer Mehrheit ab.

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fn