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Christian Klar: Debil ja, gefährlich nein

Noch sitzt Christian Klar im Knast und konnte auf baldige Begnadigung hoffen. Damit dürfte es seit seinen verwirrten Ausführungen über den bösen Kapitalismus vorbei sein. Dabei zeigen die eigentlich nur, wie erschreckend debil der Ex-RAF-Terrorist geworden ist.

Ein Kommentar von Niels Kruse

Lateinamerika sieht rot, und dass nicht nur politisch: In Venezuela hat sich der linkspopulistische Staatspräsident Hugo Chavez Anfang Februar mit derartig weit reichenden Sondervollmachten ausgestattet, die denen eines Diktators in nichts nachstehen. Auch so geht man mit den Rechten der Massen in Lateinamerika um.

Christian Klar, seit rund einem Vierteljahrhundert inhaftierter Ex-RAF-Terrorist, beurteilt die Situation dort etwas anders: Nämlich, dass "den Rechten der Massen" in Südamerika endlich wieder Geltung verschafft werde. So schrieb er es jüngst in einem Grußwort an die Rosa-Luxemburg-Konferenz. Es ist eine der harmloseren Passagen aus seiner so genannten Diktion an die marxistischen Genossen. Die anderen, gerichtet gegen "imperialistische Bündnisse" und "chauvinistische Retter", versetzen nun viele in Empörung.

Abstruse Gedanken über die Weltlage

Dabei hat Christian Klar, der rätselhafte Eigenbrötler, lediglich ein paar abstruse Gedanken über die Weltlage geäußert. Gehalten im typisch verquasten Links-Deutsch. Gerichtet an, wenn überhaupt, ein paar Tausend Wirrköpfe, die in geistiger Klausur regelmäßig über den bösen Kapitalismus dozieren und sich der selbstgerechten Revolutionsonanie hingeben. Nur: Die Massen konnten und wollten den weltfremden Argumenten noch nie folgen. So weit, so unbedeutend.

Wäre Christian Klar also nicht immer noch die RAF-Symbolfigur, der bekannte Staatsfeind, ein verurteilter Mörder, dessen Gesicht in den 70ern jedes Kind kannte - niemand hätte Notiz von seinem Schreiben genommen. In Freiheit wäre er ein Spinner, ein harmloser Theoretiker, einer unter ein paar wenigen. Dorthin sollte ihn ein Gnadenakt von Bundespräsident Horst Köhler bringen. Und bislang sahen seine Zukunftsprognosen gut aus. Bis jetzt.

Nun hat sich das Ex-RAF-Mitglied selbst ins Abseits befördert. Seine Äußerungen mögen manchem nicht gefallen. Aber in Deutschland darf noch immer jeder jeden Blödsinn denken und fast auch jeden sagen. Das gilt natürlich ebenso für Christian Klar. Zumal er Gewalt offenbar nicht mehr als angemessenes Mittel betrachtet. Doch sein hanebüchenes Grußwort ist ein Wolkenbruch auf all die Mühlen derer, die von ihm fordern, dass er vor seiner Begnadigung gefälligst Reue zeigen solle. Und auf die Mühlen derer, die schon immer gewusst haben wollen, dass sich der Ex-Terrorist nie von seiner kruden Ideologie verabschiedet hat.

Von ihm geht keine Gefahr mehr aus

Klar hätte das wissen können. Zumindest aber erahnen. Oder andere fragen sollen. Dass er das nicht getan hat, belegt vor allem seinen desolaten Geisteszustand. Zwar braucht er nun nicht mehr darauf zu hoffen, dass Köhler Gnade vor Recht ergehen lassen wird. Wenn aber doch, macht es auch nichts. Von diesem Christian Klar geht ganz sicher keine Gefahr mehr aus.