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CIA: Frankfurter Flughafen häufiger genutzt

Die CIA hat den Frankfurter Flughafen offenbar häufiger als bislang bekannt als Startbasis genutzt, um Entführungen und Gefangenentransporte zu organisieren. Was wussten die deutschen Behörden davon?

Von Hans-Martin Tillack

Der britische Journalist Stephen Grey listet in einem dieser Tage erscheinenden Buch ("Das Schattenreich der CIA", DVA, 17,90 Euro) sechs solcher Entführungsfälle auf. Die Flüge fanden den Angaben zufolge zwischen Oktober 2001 und Januar 2004 statt. Eines der Opfer soll der Mauretanier Mohamedou Oud Slahi gewesen sein, der in den neunziger Jahren auch für das Fraunhofer-Institut und die Firma Bosch im schwäbischen Reutlingen gearbeitet hatte.

Er wurde am 19.Juli 2002 von den Amerikanern von Jordanien nach Bagram (Afghanistan) geflogen und im August 2002 in das US-Gefangenenlager Guantanamo verlegt. Ebenfalls am 19.Juli 2002 war eine als CIA-Maschine geltende Gulfstream von Frankfurt nach Amman (Jordanien) gestartet. Am selben Tag ging der Flug von dort weiter nach Kabul.

Deutsche Behörden "Komplizen"?

Die Flugplandaten für Frankfurt, die Grey aufführt, sind identisch mit Listen, die die Bundesregierung im Februar als "geheim" gestempelt dem Bundestag übermittelt hatte. Nach Ansicht von Grey stellt sich die Frage, ob die deutschen Behörden bei den Gefangentransporten "Komplizen" waren.

Kurz nach der Überstellung von Slahi, am 18.September 2002, boten die Amerikaner in der Tat Bundesnachrichtendienst (BND) und Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) an, den Mauretanier in Guantanamo zu vernehmen - worauf sich fünf Tage später drei Beamte von BND und BfV in dem US-Lager einfanden. Oud Slahi wird die Mitgliedschaft bei Al-Quaida vorgeworfen.

Spur zur Entführung El-Masris

Grey hatte im vergangenen Jahr mit seinen Recherchen bereits die US-Maschine mit der Registriernummer N313P identifiziert, mit der die CIA im Januar 2004 den Neu-Ulmer Khaled El-Masri nach Afghanistan entführt haben soll. Diese Boeing landete auch noch nach der Entführungsaktion bis Dezember 2004 mindestens zwölf Mal in Frankfurt. Das geht aus geheimen Listen der Bundesregierung hervor.