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Clown-Affäre: Endlich passender Klartext, Herr Steinbrück!

Nach gefühlt 50 Patzern liegt Steinbrück diesmal richtig: Er nannte Berlusconi einen "Clown". Die FDP schimpft, die "Bild" applaudiert - besser kann es für den SPD-Kanzlerkandidaten nicht laufen.

Ein Kommentar von Lutz Kinkel

Im NDR-Medienmagazin "Zapp" sagte Peer Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer ein paar interessante Sätze: "Er hat eine klare Meinung." Oder: "Es ist sein Markenzeichen." Und auf die Frage, ob nicht gleichwohl ein paar Formulierungen dramatisch verrutscht seien sagte Donnermeyer: "Man bestimmt die Diskussion damit. Es ist doch auch wichtig, dass man darin vorkommt."

Stimmt. Ein Kanzlerkandidat über den gar nicht gesprochen wird, ist kein Kanzlerkandidat, sondern ein Niemand. Und Steinbrück will sich als Klartext-Politiker profilieren, als lebende Antithese zu den diplomatisch verschwurbelten Formulierungen, die auch die Kanzlerin so gern benutzt.

Nun war Steinbrück bislang nicht mit den Themen im Gespräch, die er und Donnermeyer sich gewünscht hätten. Es ging um seine Nebenverdienste, das Kanzlergehalt, seine Kritik an Stefan Raab, um peinliche Tweets und dergleichen mehr. Das alles zahlte nicht auf Steinbrück ein, teilweise entstand das Gefühl, er sei eine "loose cannon", die sich versehentlich selbst wegschießt. Seine Beliebtheitswerte sind zuletzt nochmals gesunken.

Bunga-Bunga-Berlusconi

Nun feiert Steinbrück mit seiner Klartext-Strategie erstmals einen Erfolg. Nach der Wahl in Italien sagte er diesen Satz: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben. Ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt ist, wenn man ihn so nennt, Herr Grillo. Und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub ist." Gemeint war natürlich Silvio Berlusconi.

Und: Hand aufs Herz - hat er damit den Deutschen nicht aus der Seele gesprochen? Niemand versteht, was Bunga-Bunga-Berlusconi noch in der Politik verloren hat, ein Mann, der Sex- und Korruptionsskandale in Massen an der Backe hat, und der sein Land nicht aus der Krise, sondern immer tiefer hineingeführt hat. Und der sich nun die Frechheit erlaubte, mit Steuererleichterungen zu werben, wohlwissend, dass die Steuern nur eingeführt werden mussten, weil er zuvor den Haushalt tiptop vor die Wand gefahren hat. Was ist von diesem Mann zu halten, der seine politischen Positionen vorrangig nutzt, um sich vor der Justiz in Sicherheit zu bringen? Genau: nichts.

Nützliche Kritik von der FDP

Dass Steinbrück daraufhin von Volker Wissing, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Liberalen geschmäht wurde, er würde "Stammtisch der untersten Kategorie" verbreiten, er sei selbst ein "Peerlusconi" und ein politisches "Sicherheitsrisiko", kann der SPD-Kanzlerkandidat locker wegstecken. Im Gegenteil: Es nützt ihm eher, wenn er von der FDP beschimpft wird. Die "Bild"-Zeitung verteidigte ihn, schön fett mit der Überschrift "Wo Steinbrück recht hat, hat er recht - Clowns sind Clowns" auf Seite 2. Das ist, unterm Strich, ein Erfolg für Steinbrück in der politischen Kommunikation. Er hat den für die SPD wichtigen Eindruck erweckt, er sei "nah bei die Leut'", und spreche aus, was sie denken.

Natürlich, und auch das ist unbestritten, würde Steinbrück in Regierungsverantwortung anders reden müssen. Weil seine Worte dann noch viel strenger wahrgenommen würden. So eine "Clown"-Äußerung könnte mal eben die italienische Börse auf Talfahrt schicken und die Refinanzierungsprobleme des Landes erhöhen. Aber noch sitzt Steinbrück nicht im Kanzleramt. Noch ist Wahlkampf. Und da ist überlegte, wohldosierte Polemik - und das unterscheidet die Clown-Äußerung von vielen anderen, spontan verstolperten Formulierungen Steinbrücks - sogar willkommen. Weil uns ansonsten die Füße einschlafen.