VG-Wort Pixel

Herdenimmunität fast erreicht Deutscher Spitzenreiter: Darum läuft es in Bremen mit dem Impfen so gut

Impfkampagne Bremen
Bremens Impfkampagne gehört zu den erfolgreichsten in ganz Deutschland.
© Sina Schuldt / DPA
Im Kampf gegen die Pandemie ist Bremen deutscher Meister – zumindest was das Impfen anbelangt. Demnächst könnte das kleinste Bundesland sogar die Herdenimmunität erreichen. Wie hat Bremen das geschafft?

Ein großer Schuldenberg, noch höhere Kriminalitätsraten, viel Armut und ein kritikwürdiges Bildungssystem: Wenn es das kleinste Bundesland Deutschlands in die Schlagzeilen schafft, bedeutet das meist nichts Gutes. Während der Pandemie hat sich das aber geändert. Laut Impf-Dashboard des Bundesgesundheitsministeriums sind knapp 72 Prozent aller Bremer mindestens einmal, 63 Prozent sogar vollständig gegen Corona geimpft. Die Impfkampagne der Hansestadt gilt damit als erfolgreichste in ganz Deutschland.

Doch was ist das Erfolgsrezept der hanseatischen Impfkampagne? Lukas Fuhrmann, Sprecher der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz, nennt auf Anfrage des stern drei Punkte: "Direkte Ansprache, klare Kommunikation und niedrigschwellige Impfangebote."

Schneller Ausbau der Infrastruktur – dank Kooperation mit Unternehmen

Sobald es mit dem Impfen losging, seien priorisierte Personengruppen per Post über die Impfmöglichkeit informiert worden. Mithilfe der versandten Termincodes konnten Betroffene innerhalb kürzester Zeit einen Impftermin vereinbaren. "Die Termine standen in der Regel innerhalb von sieben bis zehn Tagen zur Verfügung", sagt Fuhrmann. Geimpft wurde ab November in den Bremer Messehallen, die mithilfe des Bauunternehmers Kurt Zechn, einer Eventagentur und Beschäftigten aus der Hotellerie zu einem Impfzentrum umfunktioniert wurden. 120.000 Personen hätten am Tag geimpft werden können. Nach "Spiegel"-Informationen belief sich die Zahl der Impfwilligen in den Hochphasen auf 7500 pro Tag.

Dort, wo die Inzidenzen besonder stark stiegen, richtete die Stadt temporäre Impfzentren ein. Seit Mitte Juni sind zudem mobile Impfteams in der Stadt unterwegs. Wer will, kann sich dort ohne Termin impfen lassen. "Damit bringen wir die Impfung direkt zu den Menschen und informieren vorab", sagt Fuhrmann.

Herdenimmunität wohl nicht erreichbar

Um auch fremdsprachige Bürger zu erreichen, stellte der Gesundheitssenat eine Informationskampagne in sieben Sprachen auf. Sogenannte "Multiplikatoren" informierten Bürger in Stadtteilen, in denen die Zahl ausländischer Bürger mit wenig Deutschkenntnissen besonders hoch ist. Widerstand habe es kaum gegeben. "Es gibt in Bremen offenbar einen weit verbreiteten Konsens, dass die Impfung gut ist und schützt", so Fuhrmann. Auch mit Querdenkern oder Impfgegnern gebe es in Bremen wenig Probleme.

Dennoch bleibt ein Rest, der nicht geimpft werden kann. Dazu zählen beispielsweise Kinder unter 12 Jahren, für die noch kein Impfstoff zugelassen ist. Angaben des Senats für Gesundheit zufolge machen sie rund elf Prozent an der Gesamtbevölkerung im Land Bremen aus. Fünf Prozent der Bürger könnten zudem aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden. Und zwischen zehn und 20 Prozent wollten sich gar nicht impfen lassen.

Dass die Inzidenzen und Todesrate dennoch niedrig sind, verbucht die Stadt als Erfolg. Von einer bevorstehenden Herdenimmunität könne man allerdings noch nicht sprechen, denn Bremen ist "kein abgeschlossener Kosmos ohne Außenkontakte". Ohne eine hohe Impfquote in ganz Deutschland, Europa und auf der Welt, werde eine Herdenimmunität nicht zu erreichen sein.

Dennoch könnte sich der Erfolg der Impfkampagne auf das öffentliche Leben auswirken. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hatte bereits vor der Ministerpräsidentenkonferenz eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes gefordert. Die Inzidenzen als alleinigen Maßstab für Einschränkungen heranzuziehen, reiche nicht mehr. "Entweder muss es einen Mechanismus geben, der die Belegung von Krankenhäusern und deren Intensivstationen berücksichtigt, oder die Schwellenwerte müssen deutlich angehoben werden", wird Bovenschulte vom "Spiegel" zitiert.

Quellen: "Buten un Binnen", ZDF Heute, "Der Spiegel"

cl

Mehr zum Thema

Newsticker