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CSU-Rebellin Pauli: "So etwas gab es in Bayern noch nie"

Laut einer Forsa-Umfrage des stern lehnen 60 Prozent der bayerischen Wähler eine erneute Kandidatur Edmund Stoibers ab. Im stern.de-Interview hat CSU-Rebellin Gabriele Pauli die Umfrage als Bestätigung ihrer Kritik gewertet. Sie rügt die Strategie der Parteispitze - und hofft auf Horst Seehofer.

Frau Pauli, 60 Prozent der bayerischen Wähler haben sich in einer Forsa-Umfrage des stern gegen eine erneute Kandidatur von CSU-Chef Edmund Stoiber bei der Landtagswahl im Jahr 2008 ausgesprochen? Überrascht Sie diese Zahl? Die Ablehnung Stoibers konnte man bislang an der Stimmung in der Bevölkerung ablesen, allerdings nicht mit Prozentsätzen belegen. Viele Bürger sagen, dass er nicht mehr antreten sollte. Es ist schön, dass man diese Stimmung jetzt mit einer Zahl untermauern kann. Die Höhe der Ablehnung allerdings überrascht mich. Das Ergebnis ist sehr deutlich.

Mit 52 Prozent der Stimmen hat sich zwar eine Mehrheit der CSU-Anhänger für eine Kandidatur Stoibers ausgesprochen, 45 Prozent der CSU-Anhänger sind dagegen. Ist damit die kritische Masse der CSU-Anhänger erreicht, um Stoiber zu stürzen? Dieses knappe Ergebnis steht natürlich nicht für einen großen Rückhalt Stoibers bei den CSU-Anhängern. Das Ergebnis belegt auch, dass die kritische Haltung, die ich gegenüber Stoiber vertrete, keine Einzelmeinung ist. Es ist die Meinung einer Mehrheit der Wähler und eines großen Anteils der CSU-Anhänger und der CSU-Mitglieder. Es ist nun wichtig, dass auch die anderen 52 Prozent der CSU-Anhänger ins Nachdenken kommen. Wir müssen für die Landtagswahlen einen Kandidaten präsentieren, der auch den Wählern passt. Und da spricht eine Ablehnung durch einen Anteil von 60 Prozent für sich.

Werten Sie die Umfrage als einen Beleg dafür, dass die Parteibasis sich von Stoiber entfremdet hat? Es ist zumindest keine gute Ausgangsbasis für eine Spitzenkandidatur, wenn fast die Hälfte der Anhänger nicht hinter einem Bewerber steht. So etwas hatten wir in Bayern noch nie. Und das müsste auch Stoiber zu denken geben.

Sie setzen sich für eine Urwahl des CSU-Spitzenkandidaten ein? In der Forsa-Umfrage für den stern sprechen sich sowohl Wähler als auch CSU-Anhänger mehrheitlich für die Urwahl aus. Werden diese Wähler durch die Stategie der Parteiführung düpiert, Stoiber jetzt im Eilverfahren zum Kandidaten zu küren? Es wird Proteste geben. Die Nominierung so offensichtlich über die Köpfe Vieler hinweg vollziehen zu wollen, ist ein Zeichen von großer Schwäche. Das werden sich viele in der Partei so nicht bieten lassen wollen. Es geht nicht, dass Stoiber das jetzt wieder im Hauruck-Verfahren durchsetzt. Es geht nur miteinander. Ein Kandidat braucht die Geschlossenheit der Partei. Und die erreicht man nicht dadurch, dass man sich jetzt im Alleingang ein Votum holt.

Ganz konkret: Wer sind denn für Sie die Personen, die gegen Stoiber bei einer Urabstimmung antreten könnten? Ich habe Innenminister Günter Beckstein vorgeschlagen. Aber der will nicht. Landwirtschaftsminister Horst Seehofer wäre ein weiterer guter und populärer Kandidat. Er würde in das Amt des Ministerpräsidenten sehr gut passen. Und es gibt noch weitere Kandidaten, die sich aber erst vorwagen werden, wenn Stoiber wirklich nicht mehr antritt. Da haben wir noch ein Reservoir.

Seehofer hält sich bislang bedeckt. Muss er Ihrer Ansicht nach nicht langsam Farbe bekennen?

Ich begrüße dieses Schweigen.

Interview: Florian Güßgen