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CSU-Vorsitz: Pauli nur knapp hinter Seehofer

Das bayerische Wahlvolk hat seine Sympathien im Rennen um den CSU-Chefposten gleichmäßig verteilt: Nur wenige Prozentpunkte trennen die Kontrahenten Pauli, Seehofer und Huber. Allerdings ist einer der Männer in der Gunst der Wähler tief gefallen.

Es ist kein schlechtes Ergebnis, dass Gabriele Pauli beim gemeinen bayerischen Wahlvolk einfährt: Etwa ein Viertel der Bayern traut der Fürther Landrätin Gabriele Pauli das Amt der CSU-Parteichefin zu. Bei einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag die Münchner "Abendzeitung" sagten immerhin 24 Prozent der Befragten, Pauli sei am besten für die Stoiber-Nachfolge geeignet.

Seehofer büßte 14 Prozentpunkte ein

Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer liegt demnach nur vier Prozentpunkte vor der prominenten Fürtherin. Für den kürzlich mit neuen Vaterfreuden gesegneten Seehofer sprachen sich 28 Prozent aus, für den Favoriten, den bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber, 32 Prozent. Seehofer musste dabei tief fallen, damit es zu diesem Ergebnis kommen konnte: Im Vergleich zum Vormonat büßte er 14 Prozentpunkte ein, sein Konkurrent Huber nur drei.

Freilich sind die Zahlen mit Vorsicht zu bewerten. Der neue CSU-Chef wird nicht von den bayerischen Bürgern bestimmt, sondern von den Delegierten des CSU-Parteitags, der Ende September den neuen Chef - oder die neue Chefin - küren wird. Und bei den CSU-Anhängern schneidet Pauli nicht so gut ab: 15 Prozent sprachen sich Forsa zufolge für die als Parteirebellin bekannt gewordene Landrätin aus. Huber liegt im Kampf mit 45 Prozent ganz vorn in der Gunst der CSU-Wähler, für Seehofer sprachen sich 33 Prozent aus. Im Vergleich zum Vormonat verloren beide Politiker zwei Prozentpunkte.

Was, wenn Seehofer untergeht?

Dieses Ergebnis lässt vermuten, dass es unwahrscheinlich ist, dass Seehofer es in den bis zu dem Parteitag verbleibenden Wochen noch schafft, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden. Im Gegenteil. In der CSU wird bereits gemutmaßt, dass Seehofer aufpassen muss, dass er nicht zu hoch verliert, auf dem Parteitag möglicherweise nicht einmal auf 20 Prozent der Stimmen kommt. Sollte dies der Fall sein, wäre sein politisches Ansehen so beschädigt, dass er dann sogar um seinen Ministerposten bangen müsste. Entsprechende Spekulationen wabern bereits durch Berlin. Demnach könnte der derzeitige CDU-Verteidigungsminister Franz Josef Jung neuer Landwirtschaftsminister werden. Michael Glos, reichlich unglücklicher Wirtschaftsminister, könnte Verteidigungsminister werden und der neue CSU-Chef könnte das Wirtschaftsministerium übernehmen. So die Spekulation für den Fall eines Ausscheidens Seehofers.

Generell scheint sowohl an Pauli als auch an Seehofer der Ruch zu haften, es handele sich um sehr berechnende Politiker. Bei der Frage nach den Beweggründen für Paulis Kandidatur sind 53 Prozent der 1.000 von Frosa Befragten der Ansicht, der Politikerin gehe es nur um ihre eigene Person. 28 Prozent meinen, Pauli sorge sich um die Partei. Die Rückkehr Seehofers zu seiner Frau bewerteten 53 Prozent der befragten Bayern als politisches Kalkül.