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Der Abwasch der Woche: Mein Freund, der Baum

Klaus Borger, Umweltstaatssekretär im fernen Saarland, rief allen Weihnachtsbaumbesitzern zu: Bäume fällen ist Massenmord. Künftig will er nachdenken, bevor er redet. Zeit für den Abwasch.

Von Axel Vornbäumen

Friedliche Weihnachten in der Politik - das ist so eine Sache. Nehmen wir abwaschbedingt mal jene vertraulichen Worte der Kanzlerin für bare Münze, die vor einigen Wochen erwartungsfroh dem Feste entgegengesehen hat: weil sie da endlich mal wieder ein paar Tage Zeit zum Nachdenken haben werde.

Bitteschön! Wer denkt, der redet erst mal nicht. Sonst ist es in der Politik ja meistens umgekehrt. Es wird derartig pausenlos der eigene Standpunkt zu Protokoll gegeben, dass man schon aus Klimaschutzgründen fortwährend "Halt" brüllen müsste, wegen der vielen armen Bäume natürlich, die ja alle gefällt werden, um den ganzen Quatsch irgendwohin zu drucken.

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Bäume sind per se unsere Freunde, auch wenn der Kamerad im Wohnzimmer bei Ihnen wahrscheinlich schon wieder angefangen hat zu nadeln. Jedenfalls wäre diese weihnachtliche Polit-Kontemplation kaum möglich, wenn im fernen Saarland nicht der grüne Staatssekretär aus dem Umweltministerium, Klaus Borger, vor einiger Zeit sich besagten Themas angenommen hätte - und zwar in einem ziemlich moralinsauren Brief, den er an die Zeitschrift "Holz-Zentralblatt" geschrieben hatte. (Ja, auch für dieses publizistische Organ müssen Bäume gefällt werden, aber das soll hier nur am Rande eine Rolle spielen). Borger jedenfalls verstieg sich in seinem Beitrag zu der scharfzackigen These: "Im Prinzip gibt es keinen Unterschied zwischen einer während des Krieges gefallenen Nation und einem gefallenen Wald."

Bitte, wir lassen hier erst mal ein wenig Raum zum Nachdenken...

Na gut, Borger hat ja die Formulierung " im Prinzip" gewählt, mag jetzt mancher denken, dem wahrscheinlich sofort Alexandras Klassiker "Mein Freund der Baum" ins Ohr kommt. Und: Wenigstens hat Borger keinen Nazivergleich gewählt. Da gibt es ja immer sofort Ärger.

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Andererseits, starker Tobak war die Argumentation des Grünen schon. Borger hat nämlich noch ein wenig nachgelegt. Kostprobe: "Dabei führt der Pilot des Bombers und der Pilot des Vernichtungsprozessors im Walde kaum bewusst, gefühllos die Befehle zum Massenmord aus."

Klarer Fall, dass sich in einer solchen Situation Leute melden, die pikiert sind. Diesmal war es der Deutsche Forstunternehmer-Verand, der sich ob Borgers Wortwahl diffamiert fühlt. Und die SPD. Sie fordert die Entlassung des grünen Staatssekretärs.

Der ist inzwischen eingeknickt, wie ein Tannenzweig unter Nassschneelast und verspricht in Zukunft "100000-mal zu überlegen, was ich sage". Mit anderen Worten: Es kann dauern, bis er wieder den Mund auf macht. Das ist sicherlich auch im Sinne der Bäume. Frohes Fest.

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