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Deutschland: BKA vermutet flüchtigen Ex-Staatssekretär Pfahls in China

BKA vermutet flüchtigen Ex-Staatssekretär Pfahls in China

Hamburg - Der weltweit wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung gesuchte Ex-Verteidigungs-Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls, 60, ist offenbar in China untergetaucht. Von diesem Verdacht hat das Bundeskriminalamt (BKA) jetzt das Auswärtige Amt in Berlin, das Bundesinnenministerium und die deutsche Botschaft in Peking informiert. Das berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe, die am Donnerstag erscheint. In der vorvergangenen Woche, so der stern, sei der deutsche Direktor des "Hilton"-Hotels in Shanghai von einem BKA-Verbindungsbeamten nach dem Verbleib Pfahls´ befragt worden. Pfahls soll in den vergangenen Monaten wiederholt in Luxushotels in Peking und Shanghai abgestiegen sein. "Einer der Manager dieses Hotels hat ihn mehrmals getroffen", zitiert der stern einen Informanten aus dem Umfeld deutscher Geschäftsleute in Shanghai. Pfahls sei in China und werde dort von der Staatssicherheit gedeckt, behauptet im stern auch ein deutscher Unternehmer, der lange in Fernost tätig war und beste Beziehungen zu asiatischen Geheimdiensten unterhält. Nach stern-Informationen lagen mindestens seit Herbst 2001 auch dem Bundesnachrichtendienst (BND) Hinweise vor, wonach sich Pfahls gelegentlich in Shanghai aufhalten soll. Ein BND-Agent hatte damals mehrfach den Direktor des "Hilton" in Shanghai auf Pfahls angesprochen. Doch der BND habe diese Hinweise offenbar nicht an das BKA weitergemeldet. Ex-Rüstungsstaatssekretär Pfahls hat sich die Gunst der Chinesen möglicherweise durch geheime Unterlagen der deutschen Rüstungsfirma MBB erkauft, die er im Gepäck gehabt haben soll. Über dieses Material soll der chinesische Geheimdienst mit Pfahls bereits vor dessen Flucht 1999 mehrfach in der chinesischen Botschaft von Singapur Gespräche geführt haben. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Augsburg hat Ludwig-Holger Pfahls 1991 als damaliger Staatssekretär im Verteidigungsministerium beim Verkauf von 36 "Fuchs"-Spürpanzern der Bundeswehr an Saudi-Arabien 3,8 Millionen Mark Schmiergeld kassiert.

stern-Nachrichtenredaktion