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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Die Frauenquote ist eine Beleidigung!

Die Bundesregierung will eine Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte beschließen. Führungskraft per Quote ist ein absolutes No-Go. Das ist eine Diskriminierung aller intelligenten Frauen.

Von Maren Christoffer

Quote - nein, danke! Wer hat schon Lust, sich von Männern sagen zu lassen, man sei nur wegen der Quote befördert worden

Quote - nein, danke! Wer hat schon Lust, sich von Männern sagen zu lassen, man sei nur wegen der Quote befördert worden

Die "Süddeutsche Zeitung" titelt heute: "Chefin per Gesetz - Frauen sind im Beruf noch immer benachteiligt" - und bringt ein ganzes Dossier über Frauen in Führungspositionen. Beim ersten Fall handelt es sich um eine Frau, die es nur durch das Wohlwollen ihres Chefs in eine Führungsposition geschafft hat. Wenn ich so etwas lesen muss, wird mir ganz anders. Ich werde wütend.

Ich bin 23, aktuell noch Hospitantin beim stern. Von nächstem Monat an mache ich Wirtschaftsjournalismus in einem großen Medienhaus. Ja, im Wirtschafts- und Finanzteil. Oh ja, in einer Männerdomäne! Nein, nein, nicht wegen der Quote! Wenn ich es richtig sehe, dann habe ich es aus eigener Kraft dahin geschafft - weil ich mich ins Zeug gelegt und hart dafür gekämpft habe. Und nicht, weil es auch mal Frauen im Wirtschaftsteil geben muss.

Süßliche Diskriminierung

In der "Süddeutschen" heißt es unter anderem, dass Frauen sich zurückhalten würden, dass sie Angst vor Führungspositionen hätten. Was für ein antiquierter Schwachsinn! Wir leben längst in einer Welt, in der alles möglich ist. Stimmt schon: nicht immer. Aber immer öfter. Wir Frauen wissen, dass in den Personalabteilungen dieser Welt meist noch Männer sitzen, die über Einstellungen entscheiden – und die allzu oft noch ihre Machtposition gegenüber den Frauen behaupten wollen. Das ist so, aber das wird sich schon ganz von allein ändern. Wer in eine Führungsposition will, der muss sich das erkämpfen. Ganz gleich ob Mann oder Frau. Es ist die Qualität, die sich durchsetzen muss.

Per Gesetz befördert werden? Weil in der Regierung beschlossen wurde, dass mehr Frauen in Aufsichtsräte müssen? Das ist nicht gut. Das ist bestenfalls gut gemeint. Es sind die Tiefausläufer der political correctness. Ich sage: NEIN DANKE! Da fragt sich doch automatisch jede Frau - und ich auch: Wurde ich jetzt wegen meines Know-Hows eingestellt? Oder wegen meines Geschlechts? Eine süßlichere Diskriminierung im Beruf kann ich mir kaum vorstellen. Wer sich ständig fragen muss, ob er wegen Kompetenz oder Quote in eine Führungsposition gekommen ist, der wird so schnell nicht mehr froh. Bei dem steigen die Selbstzweifel. Dann macht der Job keinen Spaß mehr. Und: Ganz nebenbei: Legionen von mediokren Männern können sich in der Mittagspause darüber lustig machen, dass man es eh nur durch die Quote geschafft hat. Ich will das nicht.

Männer und Familienplanung

Es gibt nur zwei Dinge, die Frauen daran hindern, sich wirklich durchzusetzen: Männer von gestern in Führungspositionen, die der Meinung sind, dass Frauen nichts drauf haben. Und eine Familienpolitik, die den Wandel der Zeit noch nicht klar erkannt hat. Wenn Familie und Beruf einfacher zu vereinbaren wären, würden sich auch mehr Frauen auf höhere Positionen bewerben.

Also, liebe Regierung, liebe Chefs in den Führungsetagen dieser Welt: Wir Frauen brauchen keine Quote, um erfolgreich zu sein. Wir schaffen es von allein. Sie werden noch von uns hören.

Maren Christoffer hat heute ihren letzten Tag als Praktikantin im Hauptstadtbüro des stern. Jetzt geht sie einen neuen Weg, will langfristig in eine Führungsposition. Aber ohne Quote. Auf Twitter ist sie unter @Christoffer1990 unterwegs.