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Kommentar

Katarina Barley: Warum die SPD diese Frau stark machen sollte

Die Sozialdemokraten beraten sich in Berlin, vielen erscheint die Lage hoffnungslos. Dabei böte die GroKo eine Perspektive. Dafür müssten nur zwei Alphatiere Platz lassen.

SPD Bundesfamilienministerin Katarina Barley

Bundesfamilienministerin Katarina Barley von der SPD bei einer Rede in Freiburg im November 2017

Die ist ganz unten. Sie klammert sich an das Projekt Erneuerung, hat aber noch keine Ahnung, wie sie Erneuerung erreichen kann. Die Wahlschlappe ist groß, die Zukunftsangst größer. Nochmal in die Große Koalition? Dann bekommen wir in vier Jahren 15 Prozent, zittern die einen. Opposition zum Preis von Neuwahlen? Dann kann es von 20,5 auch mal fix auf 17 Prozent runtergehen, befürchten die anderen.

Das allergrößte Problem der SPD ist, dass ihr eine Person fehlt, die sie in die nächsten Wahlen führt. Jemand, der sich eignet, der zugleich will, sich traut und nicht als Verlierer starten würde. Der, wenigstens ein bisschen, für einen Aufbruch stehen könnte. Für einen Neuanfang.

Es kostet nicht viel Zeit, die Parteigranden auf Kandidatentauglichkeit abzuklopfen. ? Gilt nach etlichen unglücklichen Auftritten inzwischen als vollkommener Verlierertyp. Dazu hat er sich dem “Spiegel“ gegenüber über Monate als larmoyant (manche in der Partei sagen: waschlappig) dargestellt.

Der nächste Kanzlerkandidat darf kein Verlierer-Image haben

Olaf Scholz? Könnte vielleicht gut eine Bundesregierung führen. Wagt es aber offenbar nicht, sich dafür zu bewerben. Eine Kampagne mit Scholz an der Spitze wäre zudem schwierig – im Vergleich mit dem in sich ruhenden Norddeutschen wirkt Angela Merkel fast schon spritzig. Scholz wäre Wählern südlich von Lüneburg wohl schwer zu vermitteln. Vielleicht weiß er das und zaudert deshalb.

ist da noch, lange Zeit SPD-Chef, jetzt Außenminister und damit sehr zufrieden. Gabriel wurde schon Anfang des Jahres als ungeeignet für eine Kanzlerkandidatur eingeschätzt – von sich selbst. Jetzt kann Gabriel nicht ernsthaft um die Ecke biegen und sagen: Nehmt mich, ich bin der Richtige und kann das auch.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende verfügt über wenig Strahlkraft. Zudem ist sie zwar nicht so alt wie Schulz und Gabriel, aber gefühlt (und in Wirklichkeit) auch schon sehr lange dabei. Manuela Schwesig aus Schwerin schließlich hat zuletzt mit Polit-Floskeln Aufmerksamkeit erzielt. Aus der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern wäre schwer ein politisches Schwergewicht zu machen.

Als Außenministerin gewänne Katarina Barley schnell an Statur

Und so kommt man bei Katarina Barley an, aktuell geschäftsführende Bundesministerin, zuvor Generalsekretärin der Partei. Der pure Zufallsaufstieg, könnte man einwerfen, und: Das stimmt auch. Seit 2013 erst sitzt Barley im Bundestag, eher zufällig wurde sie Generalsekretärin, definitiv zufällig dann Ministerin. Aber wenn sonst weit und breit niemand in Sicht ist, der geeignet wäre?

Die Partei müsste sich entscheiden für , müsste sie wollen, müsste sie von Beginn an stark machen. Das heißt aus Parteisicht erstens: GroKo. Zweitens müssten zwei Alpha-Tiere der Partei verzichten: Das beliebte Amt des Außenministers dürfte die SPD nicht an den Wahlverlierer Schulz und nicht an den Amtsinhaber Gabriel verschwenden. Sie müsste es der Juristin und Deutsch-Britin Barley überlassen. Die gewänne dadurch schnell an Bekanntheit und Statur. Popularität bringt das Außenministerium ohnehin jedem.

Zwei Jahre GroKo, dann Neuwahlen

In zwei Jahren könnte die SPD ein paar wichtige politische Vorhaben umgesetzt haben in der Koalition mit CDU und CSU. Sie könnte die GroKo dann platzen lassen. Sofern es Neuwahlen gäbe, könnte Katarina Barley als Kanzlerkandidatin antreten. Sofern es zu einem Jamaika-Bündnis käme, könnte sie den Fraktionsvorsitz übernehmen.

Es wäre eine Perspektive für die SPD, eine Perspektive jenseits von leerer Erneuerungsbeschwörung älterer Männer und altgedienter Frauen. So wenig ist das im Moment nicht für die Partei.