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Landtagswahl in Schleswig-Holstein Das Wunder von der Waterkant - CDU gewinnt deutlich vor der SPD

Daniel Günther, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl
Daniel Günther, CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl
© picture alliance / Marcus Brandt/dpa
Tag der Entscheidung im Norden: Bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein behauptet sich die CDU als stärkste Partei. Die SPD stürzt ab. Alles Wichtige im stern-Ticker.

Schleswig-Holstein wählt - die Nachrichten im Überblick:

+++ 18.00 Uhr: Erste Prognose: Die CDU stärkste Fraktion, die SPD geht baden +++

Aus der Landtagswahl in Schleswig-Holstein ist die CDU von Spitzenkandidat Daniel Günther einer ARD-Prognose zufolge deutlich vor der SPD als stärkste Kraft hervorgegangen. Die Christdemokraten legten bei der Abstimmung am Sonntag laut der Prognose des Instituts Infratest dimap auf 33 Prozent zu und landeten damit sieben Punkte vor den Sozialdemokraten von Ministerpräsident Torsten Albig, die 26 Prozent erreichten. Die Grünen um Umweltminister Robert Habeck kamen demnach auf 13,5 Prozent, die FDP von Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki auf 11,5 Prozent und der von der Fünfprozenthürde befreite Südschleswigsche Wählerverband (SSW) auf 3,5 Prozent, während die AfD mit 5,5 Prozent in den zwölften Landtag einziehen dürfte, die Linke es mit 3,5 Prozent nicht in das Parlament schafft und die Piraten nach einer Legislaturperiode mit 1,0 Prozent ausscheiden.

+++ 14.52 Uhr: Anhaltend höhere Wahlbeteiligung +++

Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein zeichnet sich eine höhere Wahlbeteiligung ab als vor fünf Jahren. Bis 14 Uhr gaben 42,51 Prozent der gut 2,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie der Landeswahlleiter am Sonntagnachmittag mitteilte. 2012 hatte die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt bei 37,7 gelegen, 2009 waren es 48,6 Prozent. 

+++ 13.51 Uhr: Sprücheklopfer Albig: Fünf Grad mehr, fünf Prozent für mich +++

Ihm haftet ja das Klischee an, ein eher dröger Aktenfresser zu sein. Doch bei seiner Stimmabgabe in Kiel haute Ministerpräsident Thorsten Albig einen flotten Spruch raus, um seine Zuversicht zu demonstrieren: "Petrus hat sich entschieden: Fünf Grad mehr Temperatur gegenüber gestern, und ich mache fünf Prozent mehr als gestern", brachte Albig das gute Wetter und seine Siegchancen miteinander in Verbindung.

+++ 13.32 Uhr: Ministerpräsident Albig wählt in Kiel – Zweifel an Umfragen +++

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig hat sich bei seiner Stimmabgabe für die Landtagswahl am Sonntag optimistisch gezeigt. Der SPD-Politiker kam am Mittag in Kiel in Begleitung seiner Lebensgefährtin ins Wahllokal und sagte: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gewinnen, weil alle Umfragen bei den letzten Landtagswahlen immer falsch waren - und zwar frappierend falsch." In den Umfragen lag die CDU zuletzt vorne. Dem Ausgang der Wahl schaue er deshalb mit "großer Gelassenheit, mit Fröhlichkeit, mit Demut" entgegen, so Albig.

Er hofft auf einen klaren Wahlsieg der SPD, um die seit 2012 regierende Koalition mit den Grünen und dem SSW fortsetzen zu können. Nach früheren Aussagen erwartet Albig für seine SPD 35 Prozent und einen deutlichen Vorsprung vor der CDU.

Albig bei der Stimmabgabe
Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) bei der  Stimmabgabe in Kiel
© Carsten Rehder/DPA

 +++ 12.09 Uhr: Höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren +++

Am Mittag zeichnet sich eine höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren ab. Bis 11.00 Uhr hatten bereits 21,55 Prozent der gut 2,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie der Landeswahlleiter am Sonntag mitteilte. 2012 hatte die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt 17,7 Prozent betragen, 2009 waren es 25,9 Prozent. In diesem Jahr dürfen im Norden erstmals auch 16-Jährige den Landtag in Kiel wählen.

+++ 9.42 Uhr: Der SSW - Politisches Unikum aus Schleswig-Holstein +++

Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) hat ein Alleinstellungsmerkmal unter den Parteien. Für die Interessenvertretung der dänischen und friesischen Minderheit in Schleswig-Holstein gilt die Fünf-Prozent-Hürde nicht. Sie braucht bei Landtagswahlen nur so viele Stimmen, wie rechnerisch für eines der Mandate notwendig sind. Seit 1955 besteht die vom Bundesverfassungsgericht bestätigte Befreiung von der Sperrklausel. Kritik daran gab es immer wieder. 2013 bestätigte auch das Landesverfassungsgericht die Regelung. Seit 1947 sitzt der SSW im Kieler Landtag. 2012 hat sich die mit 3500 Mitgliedern drittgrößte politische Partei im Norden erstmals an einer Regierung beteiligt.

+++ 9.01 Uhr: Das sind die Spitzenkandidaten +++

TORSTEN ALBIG (SPD): Seit 2012 regiert der Mann mit dem markanten Glatzkopf nahezu geräuschlos eine Dreierkoalition. Nach Turbulenzen und personellen Wechseln im Kabinett sieht der 53-Jährige der Wahl zuversichtlich entgegen. Er will das Bündnis mit Grünen und SSW, der Partei der dänischen Minderheit, fortsetzen. Bundespolitische Ambitionen hegt der Jurist nach eigenem Bekunden nicht. Dabei kennt er als ehemaliger Sprecher des früheren Bundesfinanzministers Peer Steinbrück die Berliner Bühne. Heute reicht es ihm, hin und wieder mit Vorstößen wie einem "Schlagloch-Soli" für Überraschung zu sorgen.

DANIEL GÜNTHER (CDU): Der 43-Jährige ist als Fraktionschef, Landesvorsitzender und Spitzenkandidat neuer starker Mann seiner Partei. Mit der Übernahme des Fraktionsvorsitzes im Oktober 2014 versuchte Günther sofort, sich als Oppositionsführer zu profilieren. Forsch und angriffsmutig attackiert er die Koalition, verrennt sich dabei aber gelegentlich. Forderungen wie nach Schweinefleisch in Kantinen und einer Residenzpflicht für Minister bringen Günther Populismus-Vorwürfe ein, aber wohl auch manche Wählerstimme.

MONIKA HEINOLD (Grüne): Die Finanzministerin ist neben Umweltminister Robert Habeck die Schlüsselfigur ihrer Partei. Die 58-Jährige gilt als ehrgeizig, durchsetzungsstark, unprätentiös und hat eine gute Portion Überzeugungskraft. Im Ministerium stellt Heinold Kompetenz über alles: Ihr Chefhaushälter ist ein CDU-Mann. Als Finanzexpertin ist Heinold auch beim politischen Gegner anerkannt. CDU und FDP werfen ihr aber vor, sie habe angesichts der Steuereinnahmen in Rekordhöhe den Konsolidierungskurs aufgeweicht und investiere zu wenig.

WOLFGANG KUBICKI (FDP): Der Bundesvize der Liberalen war zeitweise laut Umfragen der beliebteste Politiker im Bundesland. Er favorisiert ein "Jamaika"-Bündnis mit CDU und Grünen, aber auch eine "Ampel" mit SPD und Grünen wäre ein Option. Sollte die FDP im Herbst den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen, will Kubicki (65) den Landtag verlassen und als Bundestagsabgeordneter nach Berlin wechseln. Dem Rechtsanwalt attestieren Freunde wie Gegner Schlagfertigkeit und Eloquenz. Auch deshalb ist Kubicki häufig zu Gast in Talkshows.

LARS HARMS (SSW): Nach der Landtagswahl könnte die Stunde des großen Friesen schlagen. Ihm winkt bei einer Fortsetzung der Küstenkoalition mit SPD und Grünen ein Ministeramt, denn die langjährige  SSW-Spitzenpolitikerin und bisherige Justizministerin Anke Spoorendonk tritt nicht wieder an. Ob Harms (52) im Fall des Falles tatsächlich Minister wird, ist aber offen. Er sieht die Rolle seiner skandinavisch geprägten Partei als Kompromisspartner.

JÖRG NOBIS (AfD): Der lange Zeit zerstrittene AfD-Landesverband will mit seinem Spitzenkandidaten Jörg Nobis (41) den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Beobachter sehen ihn nicht am äußersten rechten Rand. Nobis tritt auf Parteitagen der Rechtspopulisten betont seriös auf - oft im blauen Anzug und mit Krawatte. Er betrachtet sich nicht als begabten Redner, sondern als Mann der Zahlen. So listet er im Wahlkampf gern auf, wie hoch die Ausgaben für Flüchtlinge im Vergleich zu Mitteln für die Polizei sind. Sollte die AfD es in den Landtag schaffen, will sich Nobis der Finanzpolitik widmen.

+++ 8.35 Uhr: Umfragen sehen CDU vorn +++

Meinungsforscher sehen keine Mehrheit mehr für die amtierende Regierungskoalition. Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF kommt die CDU auf 32 Prozent, die SPD auf 29 Prozent. Die Grünen liegen bei 12, die FDP bei 11 und die AfD bei 6 Prozent. Die Linke würde mit 4,5 Prozent erneut den Einzug in den Landtag verpassen, die Piratenpartei rausfliegen. Auch die Meinungsforschungsinstitute Infratest dimap und Insa sahen die CDU zuletzt als stärkste Partei.

+++ 8.12 Uhr: 16 Jährige dürfen erstmals abstimmen +++

Rund 2,25 Millionen Wahlberechtigte sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Erstmals dürfen Jugendliche bereits ab 16 Jahre wählen, die deutsche Staatsangehörigkeit ist Voraussetzung. Insgesamt 13 Parteien und Vereinigungen schicken ihre Kandidaten ins Rennen. In den Wahllokalen der rund 2600 Wahlbezirke sind mehr als 2 000 Helfer im Einsatz. Bei der Wahl 2012 war die Beteiligung mit 60,2 Prozent so niedrig wie nie zuvor bei einer Landtagswahl im Norden.

+++ 8.00 Uhr: Wahllokale geöffnet +++

Schleswig-Holstein stimmt über einen neuen Landtag ab. Am Morgen öffneten landesweit die Wahllokale. Rund 2,3 Millionen Bürger sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Erste Prognosen und Hochrechnungen werden am Abend kurz nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr erwartet. Das offizielle Endergebnis dürfte erst gegen Mitternacht feststehen.

kng AFP DPA

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