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Endstation Ahaus: DDR-Atommüll ist am Ziel

Bis zuletzt haben die Gegner der Castor-Transporte versucht die Atommüll-Verlagerung vom sächsischen Rossendorf ins westfälische Ahaus zu verhindern. Allerdings blieb es bei dem Versuch - trotz prominenter Unterstützung.

Nach 16-stündiger Fahrt quer durch Deutschland ist der erste von drei Atommüll-Transporten aus dem sächsischen Rossendorf im 600 Kilometer entfernten Ahaus in Westfalen angekommen. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot fuhren die sechs Lastwagen mit je einem Castor-Behälter am frühen Dienstagmorgen durch das Tor des Brennelemente-Zwischenlagers. Wie angekündigt, hatten einige hundert Demonstranten mit der Blockade einer Kreuzung den Konvoi noch stoppen wollen. Doch die Aktion lief ins Leere: Der Transport hatte im letzten Moment eine andere Route genommen.

Um die Transporte hatte es im Vorfeld heftige politische und juristische Auseinandersetzungen gegeben. Sachsen pochte auf eine Transport- und Einlagerungsgenehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz in Salzgitter. Nordrhein-Westfalen lehnte die mehrere Millionen Euro teuren Atommüll-Fuhren vor allem aus Kostengründen ab. Zudem seien sie ohnehin unsinnig, weil die Castoren in Sachsen genauso sicher gelagert werden könnten.

Entsprechend hartnäckig blieben auch die Demonstranten in Ahaus. Mehrere hundert Menschen hielten fast die ganze Nacht hindurch eine Kreuzung auf dem Weg ins Zwischenlager besetzt. Ein Demonstrant hatte sich dem Konvoi aus insgesamt 120 Fahrzeugen sogar direkt in den Weg gestellt. Die meisten Protestteilnehmer wurden zur Feststellung ihrer Personalien abgeführt oder weggetragen. Mit dabei war auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Rüdiger Sagel. Er verließ das Areal flankiert von Polizisten.

Höhn demonstrierte mit

Insgesamt hatten in Ahaus nach Angaben der Veranstalter bis zu 650 Menschen ihren Unmut über die Einlagerung von Atommüll kundgetan, darunter auch Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn. Die Grünen-Politikerin hatte die Castor-Transporte schon im Vorfeld als "absolut unsinnig" bezeichnet. Nach Ansicht Höhns mache es überhaupt keinen Sinn, Atomtransporte quer durch die Republik zu fahren. "Ein besserer Weg wäre gewesen, die Behälter in Sachsen einzulagern", argumentierte die Ministerin.

Die Proteste gegen den lang und heftig umstrittenen Transport hatten schon in Dresden-Rossendorf begonne. 50 Atomkraftgegner demonstrierten friedlich gegen die Verlagerung des Atommülls. Auch entlang der 600 Kilometer langen Strecke über Erfurt, Eisenach, Kassel, Kamen und Bottrop hatte es mehrere kleinere Demonstrationen gegeben. Alle verliefen nach Angaben der Polizei jedoch weitgehend störungsfrei. In Thüringen war es wegen Autobahnsperrungen zur Hauptverkehrszeit lediglich zu langen Staus gekommen.

In zwei weiteren Transporten soll in den nächsten beiden Wochen der Rest der 951 abgebrannten Brennelemente aus dem 1991 stillgelegten Forschungsreaktor Rossendorf nach Ahaus gebracht werden.

DPA / DPA