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Enthüllungen über BRD-Spitzensport: Stellt Doping unter Strafe!

Es ist unsäglich: Jahrelang schmähten Sportfunktionäre die DDR als Dopingparadies. Nun ist klar: Die BRD war nicht besser. Um den Sumpf für alle Zeiten trocken zu legen, gibt es nur eine Möglichkeit.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Vertreter des Bundesinnenministeriums und Sportfunktionäre reden daher, als hätten sie wahrheitsfördernde Medikamente geschluckt: Sie behaupten, sie seien an einer "lückenlosen Aufklärung" der deutschen Dopingvergangenheit interessiert. Ist das so? Faktisch haben sie bis heute verhindert, dass die Machenschaften in der DDR und der BRD nachprüfbar offengelegt werden. Sie verschanzen sich hinter dem Datenschutz. Und dem Argument, es sei kein Rechtsschutz für jene Wissenschaftler zu garantieren, die in ihrem Bericht die Dopingsünder enttarnt haben.

Soweit es um die Namen von Sportlern geht, die irgendwann auf das Medaillentreppchen klettern konnten, weil sie bis zur Oberkante Unterlippe mit Dopingmitteln vollgepumpt wurden, so möge man ihnen Datenschutz gewähren. Ohnehin sind viele von ihnen vermutlich durch Krankheiten und ein verkürztes Leben bestraft. Die Glücksstunden des erschwindelten sportlichen Triumphs müssen sie teuer bezahlen.

Wettkampf der Chemiker

Aber für alles andere gilt: Auf den Tisch damit! Denn noch wichtiger als die ergaunerten sportlichen Highlights ist das System, das dahinter steht, die Beteiligung von Sportpolitikern und Funktionären. Natürlich versuchen sie, die freie Sicht auf das Geschehen zu verschleiern. Es ist ja auch überaus peinlich: Jahrelang schmähten sie die DDR als Dopingparadies, als Hort der Trickser und Betrüger. Nun stellt sich heraus: In der BRD war es nicht anders. Es gab einen Wettkampf der Chemiker, aus politisch-ideologischen Gründen.

Genau das wollen die westdeutschen Funktionäre nicht eingestehen. Sie reden klein, was nicht kleinzureden ist. Wie kommt der Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Michael Vesper, dazu, schon vor der Veröffentlichung des Berichts zu behaupten, es dürfe nicht gleichgesetzt werden, was in der BRD und der DDR passiert sei?

Tollkühne Behauptungen

Ebenso tollkühn klingt die Behauptung von Walter Tröger, der 30 Jahre lang Generalsekretär im Nationalen Olympischen Komitee (NOK) war: Systematisches Doping habe es unter dem Dach des Bundesinnenministeriums, des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und der Sportorganisationen nie gegeben. Schließlich habe der ehemalige NOK-Präsident Willi Daume kein Doping unter der Hand akzeptiert. Kleine Zwischenfrage: Wie konnte es dann dazu kommen, dass beispielsweise an der Uni Freiburg unter der Leitung des ehemaligen Olympiaarztes Joseph Keul Doping-Testversuche stattfanden? Und zwar mit Steuergeld aus Bonn gefördert? Man spritzte damals Ski-Langläufern Testosteron.

Der Spitzensport war, so sieht es derzeit aus, ein sorgsam abgeschottetes System des Lügens und Betrügens. Und zwar in der DDR wie in der BRD. Jetzt muss auch die westdeutsche Dopinggeschichte endlich öffentlich aufgearbeitet werden. Viel zu lange war es den Sportfunktionären möglich, sich als unermüdliche Heroen des Anti-Dopings zu verkaufen.

Todesfälle in der Dopingszene

Schluss damit wird erst sein, wenn geschieht, was Experten längst fordern: Wir brauchen Gesetze, die den sauberen Sport schützen - und unsaubere Methoden unter Strafe stellen. Wer dopt, beim Dopen mitmacht oder beim Doping beide Augen zudrückt, hat im deutschen Spitzensport nichts verloren. Der muss wissen, dass er sich strafbar macht. Das ist eine dringende Aufgabe für den Bundestag und seinen Sportausschuss. Es gab schließlich in der angeblich ach so harmlosen westdeutschen Dopingszene ja auch Todesfälle. Wer will dafür die politische Verantwortung tragen?

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