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Ermittlungen: Die lautlose Jagd nach den Millionen

Für die Entführung von Jan Philipp Reemtsma hat Thomas Drach das höchste jemals in Deutschland gezahlte Lösegeld kassiert: 30 Millionen Mark. Gut sechs Jahre danach hat die Polizei eine heiße Spur zum größtenteils verschwundenen Lösegeld.

Die Ermittler agierten in aller Stille. Monatelang fahndeten sie mit internationalem Haftbefehl nach Lutz Drach. Selbst als die spanische Polizei den Bruder des Reemtsma- Entführers Thomas Drach auf dem Madrider Flughafen festnahm, gab es keinen Jubel.

Die lautlose Jagd nach den rund 14 Millionen Euro Lösegeld aus der Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma im März 1996 lief weiter - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. «Wir wären nicht traurig gewesen, wenn das so geblieben wäre», sagte der Aachener Oberstaatsanwalt Robert Deller, nachdem am Donnerstag die Festnahme bekannt geworden war und der Medienrummel einsetzte.

Festnahme auf dem Flughafen


Die spanische Polizei hatte Lutz Drach am 25. November auf dem Madrider Flughafen festgenommen. Er wollte nach Brasilien ausreisen. Bei der Passkontrolle griffen die Beamten zu. Seitdem sitzt er hinter Gittern. Drach soll mindestens sechs Millionen Schweizer Franken (4,1 Millionen Euro) aus der Reemtsma-Entführung gewaschen haben. Die Staatsanwaltschaft hat seine Auslieferung beantragt.

Den entscheidenden Hinweis auf die Rolle Lutz Drachs bei den Geld- Transfers hatte im April ein ehemaliger Aachener Physiotherapeut gegeben. Er hatte für die Drach-Brüder als Geld-Kurier gearbeitet. Als der bis dahin unbescholtene Mann unter anderem wegen Geldwäsche vor Gericht stand, packte er aus. Aus Angst vor Rache hatte er seine Familie vorher in Sicherheit bringen lassen.

Der 34-Jährige hatte rund ein Drittel des Reemtsma-Lösegeldes im deutsch-belgischen Grenzraum bei Aachen zwischengelagert und von dort weiter transportiert. Darunter waren auch die sechs Millionen Schweizer Franken, die der Aachener für Lutz Drach im Frühjahr 2000 über die spanische Grenze bringen sollte.

Drach übergab ihm laut Staatsanwaltschaft das Geld in Erftstadt bei Köln. Mit mulmigem Gefühl - wie der Mann damals auf der Anklagebank schilderte - habe er das Geld im Keller seines Hauses im belgischen Grenzort Moresnet versteckt. Auf Anweisung habe er es dann per Auto nach Madrid gebracht - zur Tarnung die Tauchausrüstung im Gepäck. Das Geld habe er in der Türverkleidung versteckt und laut Staatsanwaltschaft in Madrid dann Drach zurück gegeben. Unter anderem dafür war er zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Was mit den sechs Millionen Schweizer Franken passiert ist, diese Frage werden die Ermittler Drach nach der Auslieferung in einigen Wochen oder Monaten stellen. «Wenn Lutz Drach schweigt, ist uns die Möglichkeit, effektive Ermittlungen anzustellen, verschlossen», befürchtet Deller.

"Drach wird uns nicht los"


Wie viel Geld Thomas Drach noch versteckt hat, weiß der Reemtsma- Anwalt Johann Schwenn in Hamburg nicht. Aber die Jagd nach dem Rekord-Lösegeld wird weitergehen. «Drach wird uns nicht los bis ans Ende seiner Tage», sagt Schwenn.

Elke Silberer / DPA