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Bei Luftangriff oder Unwetter: Nach Fehlalarm auf Hawaii: So funktioniert das Warnsystem für Deutschland

Ein Fehlalarm wegen eines vermeintlichen Raketenangriffs hat die Menschen auf Hawaii in Panik versetzt. In Deutschland funktioniert das Warnsystem anders als in den USA - ein Fehlalarm ist trotzdem möglich.

Auf dem Ärmel einer dunkelblauen Uniform ist eine aufgenähte Deutschlandflagge und darunter das Logo des Bundesamtes zu sehen

Im Falle eines Luftangriffes oder einer sonstigen Gefahr ist in Deutschland das "Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe" zuständig

"Bedrohung durch ballistische Rakete. Suchen Sie sofort Schutz. Dies ist keine Übung." Diese SMS hat die Bevölkerung von Hawaii in Panik versetzt. Immerhin wird den Menschen auf der zu den USA gehörenden Inselgruppe seit Monaten eingebläut, dass eine Rakete aus Nordkorea nur fünfzehn Minuten bis Hawaii bräuchte. Der Alarm hat sich schnell als Fehlalarm herausgestellt - und große Diskussionen ausgelöst. Alleine die Tatsache, dass eine Pushmeldung auf sämtliche Telefone geschickt wurde zeigt, wie im Jahr 2018 die Bevölkerung im Katastrophenfall informiert werden könnte.

Wie sähe es bei einer realen Bedrohung in Deutschland aus? Gibt es auch hierzulande die Möglichkeit einer Pushmeldung? Der stern beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer ist in Deutschland für Raketenwarnungen zuständig?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist im Falle eines Luftangriffs - und auch sonstiger Bedrohungen für die deutsche Bevölkerung - zuständig. Bis 1989 - dem Ende des Kalten Krieges - wurden die Bürger über Sirenen vor möglichen Gefahren gewarnt. Je nach Art der Bedrohung gab es unterschiedliche Heultöne, die aktiviert werden konnten und die - durch regelmäßige Probealarme - jedem Kind bekannt waren. Seit 2001 arbeitet man beim BBK an einem modernen Warnsystem, um die Bevölkerung schnell auf möglichst vielen Kanälen warnen zu können - vor Unwetterkatastrophen oder vor einem Raketenangriff.

Woher bekommt das Bundesamt seine Informationen?

Im Falle eines Raketenangriffes ginge die Warnung von der Nato aus. Sie erfasst über stationäre und mobile Radarsensoren, über Satellitenaufklärung und über Nachrichtendienste Luftangriffe durch Flugzeuge oder Raketen. Bei erhöhter Radioaktivität schlägt das Bundesamt für Strahlenschutz Alarm: Es betreibt ein Gamma-Ortsdosisleistungs-Messnetz (ODL-Messnetz). Bei Unwetter ist der Deutsche Wetterdienst der Ursprung für Warnungen. Aber auch Länder und Kommunen können die eigene Bevölkerung warnen.

Würden in Deutschland auch SMS verschickt?

Nein. "Ein Warnsystem mit SMS gibt es nicht in Deutschland und ist auch nicht geplant", sagt Marianne Suntrup, Pressesprecherin beim BBK, dem stern. "Darüber haben wir zwar mal diskutiert, uns letzendlich aus Datenschutz-Gründen dagegen entschieden. Wir müssten sonst ja alle Handynummern in Deutschland sammeln."

Wie wird Deutschland gewarnt?

Über das Modulare Warnsystem "MoWaS" werden im Falle eines Alarms Radiosender, Nachrichtenagenturen, Medien, Anzeigentafeln in Bahnhöfen und die Warn-App "Nina" informiert. "Das geht innerhalb einer Minute", sagt Suntrup. So soll sichergestellt werden, dass möglichst alle Menschen in Deutschland sich so schnell wie möglich in Sicherheit bringen können. Bei der Warn-App gibt es allerdings noch etwas Nachholbedarf. "Bislang hat 'Nina' 2,4 Millionen Nutzer", sagt Suntrup. "Das dürfen gerne noch mehr werden." Bei über 82 Millionen Deutschen, von denen 81 Prozent ein Smartphone nutzen, fehlt die Warn-App "Nina" also noch auf den allermeisten Geräten. Die kostenlose App gibt es für die Betriebssysteme iOS (ab Version 8.0) und Android (ab Version 4).

Ist auch in Deutschland ein Fehlalarm wie auf Hawaii möglich?

Ein Raketenangriff auf Deutschland ist zwar aktuell sehr unwahrscheinlich, aber trotzdem gibt es auch in Deutschland die Gefahr eines Fehlalarms: "Es bleibt immer ein Restrisiko", sagte der Präsident des BBK, Christoph Unger, der Nachrichtenagentur DPA. Wenn ein BBK-Mitarbeiter in den Erfassungssystemen der Militärs eine Rakete auf Deutschland zusteuern sehe, müsse er sehr rasch entscheiden, ob er die Bevölkerung warne. Es gelte ein "gewisses Vier-Augen-Prinzip" - möglichst solle eine Absprache mit dem Bundesinnenministerium erfolgen. Es müsse aber zum Schutz der Bevölkerung unbedingt schnell gehen - und jemand müsse den Knopf drücken.

"Ein Missbrauch, ein technisches oder menschliches Versagen lässt sich nicht vollständig ausschließen." Das Bundesamt sei seit 60 Jahren zuständig. "In dieser Zeit hat es keinen solchen Fehler wie in Hawaii gegeben, und wir bemühen uns sehr, dass das so bleibt."


mit DPA