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Fernsehduell im Berliner Wahlkampf: 5:0 für Wowereit

Klaus Wowereit hat das letzte öffentliche Duell gegen Renate Künast klar gewonnen. Erkenntnisgewinn für die TV-Zuschauer: Grün-Schwarz wird es in Berlin nicht geben, sondern vermutlich eine andere Koalition.

Von Hans Peter Schütz

Die Sendung dauerte 45 Minuten, die politisch interessanteste Passage knapp 45 Sekunden. Da sagte Renate Künast: "Ich werde meiner Partei nicht vorschlagen, eine Koalition mit der CDU einzugehen." Mit dieser "rückwärtsgewandten Partei" komme kein Bündnis infrage, setzte sie energisch hinzu. Ihre grüne Partei habe nun einmal die größte Schnittmenge mit der SPD. Daher sei sie zu einer Koalition mit den Sozialdemokraten bereit.

Dann forderte Künast den SPD-Spitzenkandidaten Klaus Wowereit energisch auf: " Sie können sich jetzt einmal dazu äußern, ob Sie Rot-Grün machen oder Rot-Schwarz." Der dachte jedoch nicht daran. Blickte stattdessen mit amüsiertem Lächeln auf die Frau, die bisher immer auch den Gedanken in sich zugelassen hatte, vielleicht mithilfe der CDU den Posten einer Regierenden Bürgermeisterin in Berlin zu erobern. Sonst werde sie in die Bundespolitik zurückkehren.

Ihr Traum von einer grünen Regierenden an der Spree ist längst vorbei, die Grünen dürften bei der Neuwahl des Berliner Senats allenfalls 20 Prozent der Stimmen erreichen. Mit dieser von allen Demoskopen gemachten Prognose des Wahlergebnisses am 18. September sind sie meilenweit entfernt von den 30 Prozent, die den Grünen zu ihren besten Zeiten zugetraut worden waren.

Kapitulationserklärung im TV-Studio

Wowereit nahm die Kapitulationserklärung der Konkurrentin Künast in souveräner Gelassenheit entgegen, wie immer jenes dezente Lächeln in den Augenwinkeln, mit dem er sich bisher so gerne und gekonnt aus den innerparteilichen Machtkämpfen während des Berliner Wahlkampfs verdrückt hat.

Vermutlich haben einige zehntausend Berliner danach um- oder abgeschaltet, die sich am Donnerstagabend zunächst einmal für das "Berlin-Duell" interessiert hatten, das ihnen vom Sender Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) als "heiße" Wahlkampfshow angeboten worden war. Doch die beiden Moderatoren, Chefredakteur Christoph Singlstein und Programmdirektorin Claudia Nothelle, waren nicht in der Lage, ihren Gästen aufregende Töne zu den wichtigsten Wahlkampfthemen zu entlocken.

Wieder einmal wurde der Ausbau der A100 thematisch abgefahren, den die Berliner aus der Berichterstattung ihrer lokalen Medien längst auswendig aufsagen können. Dann natürlich das Thema 230.000 Arbeitslose in Berlin, wobei Künast dummerweise vorschlug, chinesische Unternehmer für den industriellen Ausbau des Flughafens Tegel zu engagieren, wenn der endlich stillgelegt werden kann. "Vielen Dank, Frau Künast", spottete da ein lächelnder Wowereit, "ausgerechnet Chinesen." Und die Mundwinkel der grünen Spitzenkandidatin sanken noch tiefer, als es bei ihr ohnehin stets der Fall ist. Zu dem Zeitpunkt stand es in diesem Polit-Match schon 4:0 für "Wowi," der bei allen bis dahin angesprochenen Themen argumentativ eleganter aufgetreten war.

Dann glaubte Künast, Wowereit wenigstens beim Thema Kitaplätze ausdribbeln zu können, und warf ihm vor, dass es besser sei, diese Kitaplätze künftig nicht mehr kostenfrei zur Verfügung zu stellen, wie dies derzeit in Berlin der Fall ist. Wowereit verteidigte sich mit breiter Brust: "Wir stehen zur Kostenfreiheit." Und schob blitzschnell seine zentrale Botschaft nach: "Wir machen die Koalition mit der Partei, mit der wir am meisten soziale Gerechtigkeit durchsetzen können." Das war das 5:0, damit stand sein eindeutiger Erfolg endgültig fest.

Künast ohne Chance

Renate Künast kann in Berlin nichts mehr gewinnen. Natürlich wird sie die bei der letzten Wahl erzielten 13,4 Prozent übertreffen. Unterliegen wird sie jedoch klar einem Klaus Wowereit, der sich in einer solchen Sendung mit einem hohen Charmefaktor verkauft, während Renate Künast sich zwar auf die bekannte Berliner Kodderigkeit versteht, aber immer den Eindruck einer zwar sachkompetenten Frau hinterlässt, die sich jedoch auf der hastigen Flucht vor allzu hohen Sympathiewerten befindet.