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Flugerlaubnis verweigert Woran der "Euro Hawk" scheiterte


Das Verteidigungsministerium verpulverte Millionen für eine Drohne, die in Deutschland nicht fliegen darf. Warum darf sie das nicht? Die Antwort ist erschreckend simpel.
Von Timo Brücken

Es sind keine moralischen Bedenken, an denen der "Euro Hawk" gescheitert ist. Nicht die Erkenntnis, dass Drohnen – bewaffnet oder nicht – vielleicht doch nicht so "ethisch neutral" sind, wie Verteidigungsminister Thomas de Maizière glauben machen will. Das Problem ist viel banaler: Der unbemannte Flieger hat schlicht keine Zulassung für den zivilen Luftverkehr bekommen. Zu leicht könnte er mit einem anderen Flugzeug zusammenstoßen, im schlimmsten Fall mit einer Passagiermaschine.

Denn ein Trip mit dem "Euro Hawk" kann schnell zum Blindflug werden, die Drohne verliert leicht die Verbindung zum Piloten. 2011 passierte das nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" bei der Überführung eines Exemplars aus den USA gleich zweimal. Der "Euro Hawk" wich vom Kurs ab und verlor an Höhe, ohne Kontakt zum Boden war er blind. Das unbemannte Fluggerät hat bis heute keine Sensoren, mit denen es sich in solchen Fällen selbstständig orientieren und Hindernissen ausweichen könnte. Dabei hatten die Deutsche Flugsicherung (DFS) und das Amt für Flugsicherung der Bundeswehr genau das schon im Jahr 2004 angemahnt.

Notoperation mit Luftwaffe

Am Tag der Überführung schrieb die deutsche Luftwaffe auf ihrer Website, Drohnen über Deutschland und Europa seien "eigentlich kein Grund zur Besorgnis". Von den Pannen stand dort nichts. "Absprachen müssen zuvor getroffen werden, so dass die jeweilige regionale Flugsicherung immer im Bilde ist." Schließlich funktioniere das bei den "Predator"-Drohnen der Amerikaner doch auch, hieß er damals. Genützt haben die Beschwichtigungen nichts.

Dass dem "Euro Hawk" die Flugerlaubnis verweigert wurde ist aus Sicht der DFS jedoch business as usual: "Solche Geräte müssen in den regulären Flugverkehr eingegliedert werden", erklärt eine Sprecherin gegenüber stern.de. "Deswegen gelten für sie die gleichen Regeln, wie für andere Fluggeräte. Drohnen haben ja auch einen Piloten, nur dass der woanders sitzt." Und wenn die Verbindung zu diesem abreißt? Dann laufe die gleiche Notfallkette an, wie bei jedem anderen Flugzeug, das per Funk nicht mehr zu erreichen ist: Die Fluglotsen informieren die Sicherheitsbehörden, im Fall der Fälle schickt die Luftwaffe Jäger, die die Maschine eskortieren oder notfalls, im Fall von Drohnen, im Zweifel auch abschießen.

Drohnen für Filmemacher und Polizei

Auch außerhalb des Militärs sind Drohnen auf dem Vormarsch: Die Polizei nutzt sie als fliegende Augen, Fotografen und Filmemacher für Luftaufnahmen. Ab einer gewissen Flughöhe ist auch für diese kleineren Drohnen eine offizielle Starterlaubnis nötig, ausgestellt von der DFS. Ab wie vielen Metern man sie braucht, ist davon abhängig, wo die Drohne starten soll. "In der Nähe von Flughäfen reicht der kontrollierte Luftraum bis zum Boden", so die DFS-Sprecherin. "Weiter weg beginnt er erst sehr viel höher."


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