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Forsa-Chef Güllner zur CSU: Warum das Umfrage-Ergebnis der CSU so ist, wie es ist

Nur noch 40 Prozent- dieser Zustimmungswert hat die CSU geschockt. Dahinter verbirgt sich allerdings eine längere Entwicklung: der kontinuierliche Vertrauens- und Bedeutungsverlust der einst modernsten Volkspartei Europas.

Von Manfred Güllner

CSU-Chef Horst Seehofer zweifelt an der Richtigkeit der Ergebnisse einer Forsa-Umfrage

CSU-Chef Horst Seehofer und Generalsekretär Andreas Scheuer zweifeln an der Richtigkeit der Ergebnisse einer Forsa-Umfrage. Demnach wollen nur 40 Prozent der Bayern die CSU wählen. Forsa-Chef Güllner weist die Vorwürfe zurück.

Große Teile der CSU-Führung wollen nicht wahrhaben, dass ihr monatelanger Amoklauf gegen Kanzlerin Merkel nicht nur der Union insgesamt, sondern auch der CSU schwer geschadet hat. Sie zweifeln die von Forsa für den stern ermittelten geringer gewordenen  Zustimmungswerte an - mit Verweis auf die Ergebnisse "aller anderen seriösen Institute". Die CSU-Spitze verschweigt dabei aber, dass in den vergangenen vier Monaten nur ein einziges Institut, dessen Nähe zur Partei schon des Öfteren thematisiert wurde, die CSU noch mit 48 Prozent bewertet. Demnach wäre sie weiterhin so stark wie bei der Landtagswahl 2013, als die CSU mit 47,7 Prozent der gültigen Stimmen aber bereits weit von der früher immer geltenden Marke 50 Prozent plus x entfernt war.

Es ist jedoch wenig plausibel, dass die CSU in Bayern wieder ähnlich viele Wähler mobilisieren könnte wie bei den vergangenen Landtags- oder gar Bundestagswahlen; denn unabhängig von der Frage, ob man Merkels Flüchtlingspolitik zustimmt oder nicht, schadet ein so heftiger Streit, wie ihn Seehofer mit Merkel ausficht, und die dadurch sichtbar gewordene Uneinigkeit in der Union dem Ansehen beider Schwesterparteien und nicht nur dem der CDU.

Merkel-Union zieht 

Die von Forsa im Rahmen des stern-RTL-Wahltrends Ende Mai befragten 1010 bayerischen Wahlberechtigten haben dies eindrucksvoll bestätigt. 49 Prozent der Befragten, die an der Bundestagswahl 2013 teilgenommen hatten, gaben  an, damals CSU gewählt zu haben. Von jenen, die sich heute an einer Bundestagswahl beteiligen würden, wollen aber nur noch etwas mehr als 40 Prozent die CSU wählen. Bei einer Landtagswahl müsste die CSU mit einem ähnlichen Rückgang rechnen.

Zudem verdrängt die CSU in ihrer Hoffnung, in der Wählergunst auch aktuell noch bei 48 Prozent zu liegen, dass sie bereits bei der Landtagswahl 2013 mit ihrem Spitzenkandidaten Seehofer nicht sonderlich gut abgeschnitten hat. Damals holte sie 2,8 Millionen Stimmen - was nicht einmal 30 Prozent aller Wahlberechtigten entspricht. Mit Ausnahme von 2008, als die CSU die Quittung für Stoibers Eskapaden erhielt, war dies das schlechteste Landtagswahlergebnis seit 1950. Die Partei verdrängt auch, dass eine Woche nach der Landtagswahl 2013 der Stimmanteil bei der Bundestagswahl von 2,8 Millionen um 420.000 auf über 3,2 Millionen stieg. Der Grund: Die Merkel-Union war den Bayern schon damals mehr wert als die Seehofer-CSU.

Der Faktor Seehofer

Damit jedoch war 2013 der Anteil der CSU an den Gesamtstimmen der Union so gering wie bei keiner Bundestagswahl seit 1949. Zum Vergleich: Der Anteil der CSU an den Stimmen der Union lag bei der "Strauß-Wahl" 1980 bei 23, bei der ersten "Kohl-Wahl" nach dem Sturz von Helmut Schmidt 1983 bei 22 und noch 2005 bei 21 Prozent. 2009 sank der CSU-Anteil an den CDU/CSU-Stimmen auf 19 und 2013 auf noch nicht einmal 18 Prozent.

Seehofer und die CSU verdrängen zudem den Anteil des amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten am aktuellen Sympathierückgang der CSU; denn Seehofer genießt bei den Bayern kein sonderlich hohes Vertrauen. Im Ministerpräsidenten-Ranking des stern kam er von allen Länderchefs nur auf den vorletzten Platz. Aangeführt wurde die Liste von Winfried Kretschmann und Olaf Scholz.

Vertrauens- und Bedeutungsverlust

Die für den stern aktuell ermittelten gesunkenen Sympathiewerte für die CSU ordnen sich also ein in einen bereits seit längerem zu beobachtenden Vertrauens- und Bedeutungsverlust der einstmals modernsten Volkspartei Europas.


Der Autor Prof. Manfred Güllner leitet das Meinungsforschungsinstitut Forsa