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Forsa-Umfrage zur CSU 40 Prozent? Seehofer beleidigt, Web belustigt


Die Forsa-Umfrage für den stern, wonach die CSU bei 40 Prozent und die bayerische AfD bei 10 Prozent stehen, hat enorme Resonanz ausgelöst. Eine Übersicht über die Kommentare.

Das traf die CSU ins Mark: Nach der jüngsten Forsa-Umfrage für den stern kommt die Partei in Bayern nur noch auf 40 Prozent, während die bayerische AfD bei 10 Prozent steht. Die absolute Mehrheit für die CSU wäre damit Geschichte. "Die Ergebnisse zeigen, dass Horst Seehofers wiederholte Attacken gegen Kanzlerin Angela Merkel also keinesfalls Wähler am rechten Rand der CSU binden", kommentierte Forsa-Chef Manfred Güllner. Um die Wahlabsichten in Bayern zu ermitteln, hatte Forsa vom 23. Mai bis 3. Juni insgesamt 1010 repräsentativ ausgesuchte Wahlberechtigte im Freistaat befragt. Die Ergebnisse stellte der sternam Mittwoch online.

Die CSU-Spitze reagierte verärgert. Parteichef Horst Seehofer sagte, er nehme die Umfrage nicht ernst. "Politische Kundgebungen von Herrn Güllner sehe ich immer sehr gelassen." Güllner pflege die CSU seit Jahren "sehr liebevoll" zu behandeln. Deshalb werde die CSU ihren politischen Kurs auch sicher nicht ändern.

Auch sein Generalsekretär Andreas Scheuer kritisierte die Umfrage harsch. "Bei allen seriösen Umfrageinstituten liegt die CSU seit vielen Monaten und auch zeitgleich stabil um 48 Prozent", sagte Scheuer. Güllner mache mit Forsa keine Umfragen, sondern Stimmung. "Sowas überhaupt zu veröffentlichen, ist stümperhaft und unprofessionell."

CSU-Kritisches in SZ und FAZ

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kommentierte die Umfrage in ihrer Donnerstagsausgabe unter der Überschrift "Schwund" mit den Worten: "Es (ist) nicht ohne eine gewisse Ironie, wenn jetzt eine Forsa-Umfrage als Teufelswerk abgetan und eine ältere Infratest-dimpa-Umfrage als Goldstandard herhalten muss. Denn beide könnten der Wahrheit ziemlich nahe kommen: 48 Prozent für die CSU im Januar insofern, als sich viele Bürger in dem Beharren Seehofers auf einer Kurskorrektur in der Flüchtlingspolitik wiederfinden konnten, aber auch die vierzig Prozent dieser Tage, weil Seehofers Ätzen gegen Merkel als Vehikel verstanden wird, um das eigene politische Fortleben über 2018 hinaus zu sichern. Sollte es zwischen Berlin und München so weitergehen, wären vierzig Prozent für die CSU eines Tages vielleicht noch Grund für einen Seufzer der Erleichterung."

In der "Süddeutschen Zeitung" wählte Chefredakteur Kurt Kister die Zeile "Die Mehrheit wackelt" und schrieb: "Auch die CSU schafft es nicht, die Sympathisanten der Rechten noch an sich zu binden. Andererseits hat sie, worauf ihr Veteran Alois Glück Hinweis, viele liberale Wähler durch Gepolter gegen die Flüchtlingspolitik vergrätzt. Die CSU hat rechts und in der liberalen Mitte verloren. Das kann für sie fatal werden, denn bisher bezog die CSU ihre Stärke daraus, dass sie, wählersoziologisch gesehen, so etwas wie eine große Koalition in nur einer Partei war."

Kommentare auf Twitter

Auch im Netz schlug die Umfrage Wellen. Vielen Beobachtern schienen die Abwehrreaktionen der CSU zu durchsichtig.

Auch Ralf Stegner, SPD-Parteichef in Schleswig-Holstein, meldete sich zu Wort.

Hier der Tweet des Spiegel-Online Korrespondenten Florian Gathmann

Daniel Friedrich Sturm arbeitet für die "Welt"

Skepsis hingegen bei Michael Schroeren, Sprecher des Bundesumweltministeriums:

Der von der "Süddeutschen Zeitung" zitierte Alois Glück, Ex-Landtagspräsident in Bayern, hatte - noch vor der Veröffentlichung der Forsa-Daten - in einem Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" eine "gefährliche Entfremdung" zwischen der CSU-Spitze und den Wählern festgestellt. "Massive Erosionserscheinungen in der Beziehung zur CSU gibt es zum Beispiel bei denjenigen, die sich für Flüchtlinge engagiert haben. Manche Äußerungen und Bewertungen zur Willkommenskultur wirken hier entsprechend negativ", hatte Glück gesagt.

lk

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