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Freiburgs neuer Oberbürgermeister "Ich habe mir am meisten Sorgen um meine Frau gemacht": Martin Horn über Angriff auf Wahlparty

Nach Angriff auf Wahlparty: "Ich habe mir am meisten Sorgen um meine Frau gemacht", sagt Martin Horn
Der neu gewählte Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) steht mit einem blauen Auge in einer Freiburger Gasse
© Patrick Seeger / DPA
Offenbar wurde der designierte Oberbürgermeister Freiburgs von einem psychisch kranken Mann attackiert. Martin Horn nimmt die davon getragen Blessuren beinahe gelassen - innerlich ist der Angriff aber nicht ganz spurlos an ihm vorbeigegangen.

Nach dem Angriff eines offenbar geistig verwirrten 54-Jährigen auf den neuen Freiburger Oberbürgermeisters Martin Horn (parteilos) gibt es keine Hinweise auf ein politisches Motiv. Wie die Polizei mitteilte, ist stattdessen von einer "psychischen Erkrankung" auszugehen. Horn war am Sonntagabend auf einer Wahlparty von dem Täter geschlagen worden.

Bei der Attacke verlor der frisch gewählte Oberbürgermeister nach Angaben der Beamten durch einen Fausthieb ins Gesicht einen Zahn und erlitt eine Wunde unter dem Auge. Nach eigenen Angaben brach sich Horn zudem die Nase. Er gab sich im Fernsehsender n-tv aber unbeeindruckt. "Davon werde ich mich nicht unterkriegen lassen", sagte er. Die Freude über seinen Wahlerfolg überwiege.

Angreifer hatte offenbar kein politisches Motiv

Bereits am Abend war Horn, der als parteiloser Kandidat von SPD und FDP unterstützt wurde, nach der medizinischen Behandlung in einem Krankenhaus auf seine Wahlparty zurückgekehrt. Der Täter war direkt nach dem Angriff überwältigt und festgenommen worden.

Bei ihm handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen Deutschen aus dem Marktgräflerland südlich von Freiburg, der bereits zuvor bei mehreren Vorfällen psychisch auffällig geworden sein soll. "Nach aktueller Sachlage liegen Erkenntnisse einer psychischen Erkrankung des mutmaßlichen Täters vor", erklärte die Polizei.

Der Verdächtige wurde am Montag einem Arzt zur Begutachtung vorgestellt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete das Amtsgericht seine vorläufige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Die Ermittlungen dauerten an. Die Ermittler baten Zeugen unter anderem auch, ihnen Aufnahmen von der Faustattacke zuzusenden.

"Am meisten Sorgen um meine Frau gemacht"

Horn sagte bei n-tv, dass der Täter nach seinen Informationen schon im Bundestagswahlkampf Kandidaten beschimpft haben soll. Ihm selbst sei der Mann vorher nie aufgefallen, es gebe anscheinend auch keinen konkreten Bezug zu Freiburg oder ihm persönlich. Er werde sich seine "offene Art" im Umgang mit Menschen auch nicht nehmen lassen, ergänzte der 33-jährige neue Bürgermeister.

Ganz spurlos sei der Angriff aber nicht an ihm vorbeigegangen, sagte Horn der "Welt". "Ich habe mir am meisten Sorgen um meine Frau gemacht", sagte er dem Blatt. Für seine schwangere Frau sei die Attacke "ein großer Schock" gewesen, ihn blutend am Boden liegen zu sehen. Allerdings ließen sich weder seine Frau noch er von dem Vorfall unterkriegen. "Mit Blick auf das tolle Wahlergebnis überwiegen Freude und Dankbarkeit", so der designierte Oberbürgermeister von Freiburg. Auch in einem Facebook-Video hielt Horn fest: "Heute zählt vor allem eins: Herzlichen Dank für die großartige Unterstützung! Danke Freiburg!"

Parteiloser Martin Horn löst Grünen ab

Horn war am Sonntag im zweiten Wahlgang mit 44,3 Prozent zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden, wobei er den seit 16 Jahren amtierenden Amtsinhaber Dieter Salomon (Grüne) deutlich hinter sich ließ. Dieser kam laut vorläufigem Ergebnis auf 30,7 Prozent. Im Vergleich zum ersten Wahlgang vor zwei Wochen legte der Herausforderer dabei noch einmal um zehn Prozentpunkte zu.

In der Diskussion um die parteipolitischen Konsequenzen aus dem Machtwechsel im Freiburger Rathaus warnte Grünen-Bundeschef Robert Habeck vor überzogenen Interpretationen. "Die Niederlage hat in erster Linie mit lokalen Entwicklungen zu tun", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" laut Vorabmeldung. Sie sei schmerzhaft. Die Grünen seien aber auf Kurs.

Dagegen wertete die baden-württembergische SPD den Ausgang der Bürgermeisterwahl als "Signal für die Landespolitik". Die in Stuttgart regierende Koalition aus Grünen und CDU habe ihr "Haltbarkeitsdatum" inzwischen überschritten und zeige die ersten "Zerfallserscheinungen", erklärte Generalsekretärin Luisa Boos. Amtsinhaber Salomon war im Wahlkampf von der Freiburger CDU unterstützt worden.

fs AFP

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