VG-Wort Pixel

Berlin³ Söder und Brinkhaus müssen sich warm anziehen – dennoch ist Merz' Sieg ein Segen

Friedrich Merz ist neuer CDU-Chef
Friedrich Merz ist neuer CDU-Chef
© picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Markus Söder und Ralph Brinkhaus werden sich warm anziehen müssen. Das Votum der CDU-Mitglieder macht Friedrich Merz zum neuen starken Mann in der Union.

Wie er sich gefühlt haben muss, als er endlich am Ziel angekommen ist? Das hat Friedrich Merz an diesem Freitag so beschrieben: Er habe "im Stillen Wow gesagt". Und wahrscheinlich beschreibt das auch den Zustand einer CDU, die seit nunmehr drei Jahren auf permanenter Suche nach erfolgsversprechendem Führungspersonal ist, ziemlich treffend. Merz, das sei ihm an diesem Tage gegönnt, kann ab sofort für sich in Anspruch nehmen, der CDU jene besondere Form von Klarheit beschert zu haben, die die so harmoniebedürftige Volkspartei seit eh und je herbeisehnt. Zumindest das ist nun klar: An ihm kommt fürs Erste niemand mehr vorbei. 

Er wird nun, sollte der Union nicht bis zum Parteitag im Januar der Himmel auf den Kopf fallen, CDU-Chef, der Zehnte erst in der Geschichte der Partei. 62,1 Prozent der Mitglieder votierten für ihn. Merz distanzierte seine Kontrahenten Norbert Röttgen (25,8) und den Merkel-Vertrauten Helge Braun (12,1) deutlich.

Weit mehr Partei-Mitglieder nahmen an der Abstimmung teil als erwartet

Und auch wenn das Ergebnis insbesondere für den ambitionierten Röttgen bitter sein mag – für die CDU ist es ein doppelter Segen. Denn erstens sind die unterlegenen Mitbewerber zu deutlich abgeschlagen, um in absehbarer Zeit neue Flügelkämpfe ausfechten zu können. Und zweitens kann sich Merz tatsächlich als "Mann der Basis" in die neue Aufgabe stürzen. Fast 250.000 der 400.000 Mitglieder stimmten ab. Weit mehr als partei-intern zuvor erwartet wurde. Das Ergebnis ist also eindeutig.

Wahrscheinlich endet an diesem Tag des unterdrückten Jubels damit aber auch schon die Aufzählung jener Aspekte, die die Zukunft des neuen CDU-Chefs in mildem Licht erscheinen lassen. Die Wahrheit ist eine andere: Merz, 66, übernimmt eine personell und inhaltlich weitgehend ausgebrannte Partei. Er selbst sieht das nicht gänzlich anders. Dass sich die CDU nach 16 Jahren Regierungszeit nun erstmal wieder in den Oppositionsmodus begeben muss, hat er schon erkannt. Leicht wird das nicht. Auch für ihn nicht, der mit Sicherheit von einem Teil seiner Wähler als Mann klarer Kante geschätzt wird, sich selbst und die Union aber lieber in der Mitte verorten wird.  

Merz' Verhältnis zu Markus Söder ist – angespannt

Nur – ist da noch ausreichend Platz, um (wieder) Profil zu gewinnen? Das ist die Gretchenfrage für den künftigen CDU-Chef. Atomkraft, Wehrpflicht – wer glaubt, Merz würde die großen gesellschaftspolitische Debatten der vergangenen Jahrzehnte aus pseudo-nostalgischen Gründen noch einmal aufmachen wollen, der irrt gewaltig. Was aber ist dann die Definition des neuen, modernen Konservatismus, wenn man das Publikum nicht ständig aufs Neue mit Leitkultur und/oder Patriotismus langweilen will? Friedrich Merz wird an die Programmarbeit gehen müssen. 

Und er wird das Verhältnis zur Schwesterpartei CSU befrieden müssen – oder es wird nix mit dem schnellen Comeback eines Unionskandidaten im Kanzleramt. Sein Verhältnis zu Markus Söder ist – angespannt. "Markus Söder weiß, dass nur ein gutes Miteinander von CDU und CSU den gegenseitigen Erfolg sichert", sagte Merz am Freitag nur wenige Minuten nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Das ist eine klare Botschaft an den Störenfried aus Franken. Spätestens im Februar will Merz sich Söder einmal unter vier Augen vornehmen. Die Botschaft: Es kann nur einen geben. 

Man kann getrost Wetten darauf abschließen, dass dieser Satz auch für den Fraktionschef der Union, Ralph Brinkhaus, gilt. Dessen Amtszeit endet im April. Eine Ablösung "steht zurzeit nicht auf der Tagesordnung", flüchtete sich Merz ins Floskelhafte. Das stimmt sogar. Aber ab Ende Januar ist es dann soweit.  


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker