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G20 - ein Jahr danach: Ein Jahr nach der Gewaltorgie - so hat sich das Schanzenviertel verändert

Teile Hamburgs versanken im Chaos. Autos und Gebäude brannten, Pflastersteine wurden aus den Straßen gerissen. Der G20-Ausschreitungen sorgten für eine Schneise der Verwüstung in der Hansestadt. Ein Jahr danach hat sich der stern an einigen Orten der Gewalt umgesehen.

G20-Gipfel in Hamburg: Randalierer und Polizei

Die Bilder gingen um die Welt: Straßenschlachten, Plünderungen, Warnschüsse. Trotz monatelanger Vorbereitungen haben die Hamburger Sicherheitsbehörden den Gewaltexzess anlässlich des G20-Gipfels in der Hansestadt nicht verhindert.

Die Wunden nach den traumatischen Tagen von Hamburg sind auch ein Jahr später noch nicht verheilt, an vielen Orten in der Stadt kommen den Einwohnern beim Passieren noch üble Erinnerungen hoch. Denn repariert ist längst nicht alles - das gilt für das Vertrauen in den Staat, genauso wie zum Beispiel für die ausgebrannte Bankfiliale im Schanzenviertel.


Das Schulterblatt während des G20-Gipfels 2017: Randalierer brechen Steine aus dem Pflaster, um sie als Wurfgeschosse zu verwenden. Ziehen Sie den Schieberegler nach links oder rechts um die Unterschiede zu einem Tag im Juli 2018 sehen

Fischmarkt - "G20 - Welcome to Hell"-Demo

Hier begann das Unheil am Abend des 6. Juli 2017, einen Tag vor dem offiziellen Beginn des G20-Gipfels. Mehrere Tausend Teilnehmer versammelten am Hafenrand sich zur Großdemonstration unter dem Motto "G20 - Welcome to Hell". Schon nach wenigen Minuten stoppte die Polizei den Aufzug, angeblich weil sich zahlreiche Demonstranten weigerten, ihre Vermummung abzulegen. Später stellte sich heraus: Unter die Teilnehmer hatten sich auch Polizisten in zivil gemischt. Ihre Rolle an dem Abend ist weiter unklar (lesen Sie hier mehr zum Thema).

Nach dem umstrittenen Stopp der Demonstration verwandelte sich der Bereich um den Hamburger Fischmarkt in ein Schlachtfeld. Wasser gegen Steine, Knüppel gegen Holzlatten. Ein Jahr später ist davon nichts mehr zu sehen. Bei fast genauso gutem Wetter wie 2017 schlendern Anwohner und Touristen an der Stelle vorbei, wo Hundertschaften der Polizei auf gewalttätige Demonstranten trafen. Die Verwüstungen sind verschwunden, die Straße ist blitzeblank.

Hamburger Schanzenviertel

Der Schauplatz der dramatischen Nacht vom 7. auf den 8. Juli. Nachdem es den Tag über an diversen Orten der Stadt Blockaden und Demonstrationen gegeben hatte, strömten am Abend mehr und mehr Menschen in das Schanzenviertel. Während sich die Staatsgäste in der Elbphilharmonie Beethovens Neunte gaben und so viele Polizeikräfte banden, nutzten Kriminelle die Gunst der Stunde, errichteten brennende Barrikaden und erklommen Hausdächer. Die Polizei ließ sich über Stunden nicht im Viertel sehen und ließ die Anwohner nach Anbruch der Dunkelheit alleine, der Mob tobte. Autonome plünderten Geschäfte, setzten Gebäude in Brand, bedrohten Bewohner. "Das Schanzenviertel ist zur Festung ausgebaut", begründetet ein Polizeisprecher seinerzeit die Zurückhaltung der Beamten. Die Polizei rechnete für den Fall eines verfrühten Einrückens in die Straßenzüge mit schwer verletzten Beamten oder gar mit Schlimmeren. Inwieweit das Szenario tatsächlich zutraf, konnte auch in der parlamentarischen Aufarbeitung nicht  zweifelsfrei geklärt werden, unter anderem weil die Beweissicherung dafür viel zu spät erfolgte. Letztendlich beendeten Spezialkräfte mit Sturmgewehren den Spuk (lesen Sie hier den Liveticker aus der Nacht vom 7. auf den 8. Juli).

G20-Protest: Die Schanze brennt

Ein Jahr später sind die Folgen der verhängnisvollen Nacht in dem als alternativ geltenden Schanzenviertel immer noch zu sehen. Die geplünderte Filiale der Drogeriekette "Budnikowsky" eröffnete schon wenige Wochen nach dem G20-Gipfel wieder für ihre Kunden - renoviert und mit trotzigem Gruß "Moin Schanze" über der Eingansgtür.

Auch die Fastfood-Kette "McDonald's" am S-Bahnhof Sternschanze hat ihre demolierten Scheiben inzwischen ausgetauscht - das Leben hier geht seinen geordneten Gang.

Anders sieht es an der Filiale der "Hamburger Sparkasse" am Schulterblatt in unmittelbarer Nähe zum Kulturzentrum Rote Flora aus. Die Bank war bereits in der Vergangenheit häufig Opfer von Randalierern und rüstete ihre Zweigstelle im Schanzenviertel mit Gittern und Rollläden aus. In der G20-Krawallnacht half auch das nicht: Straftäter drangen in das Gebäude ein und legten Feuer - das Sparkassengebäude war anschließend unbenutzbar. Inzwischen haben die Abrissbagger ihre Arbeit gemacht, an der Stelle soll ein Neubau, auch mit Wohnungen, entstehen. Die "Hamburger Sparkasse" hat sich vorübergehend in einem Gebäude schräg gegenüber eingemietet.

Wenige Meter weiter klaffte am Morgen des 8. Juli eine von zahlreichen Lücken in den Fußwegen. Die gewalttätigen Demonstranten hatten die Platten gelöst, zerschlagen und als Wurfgeschosse verwendet. Der Bürgersteig wurde schnell wieder ausgebessert. Auch hier heißt es jetzt wieder: flanieren statt randalieren (siehe auch Artikelbild oben).

wue/rös; Fotos: Karina Geburzky/stern; dpa