G8-Gipfel Zähe Gespräche, heftige Randale


Bei den Themen Klima und Afrika bewegt sich auf dem G8-Gipfel wenig. Immerhin schwächte Putin seine jüngsten Drohungen an die USA ab. Umso turbulenter geht es außerhalb der Tagungsortes zu. Die Polizei nahm 165 Demonstranten fest und löste Blockaden auf.

Abermals haben sich Autonome und Polizei heftige Auseinandersetzungen geliefert. Ein massives Polizeiaufgebot drängte tausende Demonstranten vom Zaun zurück, der den G8-Tagungsort Heiligendamm schützen soll, und löste Blockaden auf. Steine flogen, die Polizei schlug mit Gummiknüppeln zurück. Mehrere Menschen wurden verletzt, die Beamten nahmen 141 Personen fest und weitere 24 in Gewahrsam. Nach Informationen des "Hamburger Abendblattes" forderte die Einsatzleitung mehr Polizisten an - offenbar jedoch ohne größere Aussicht auf Erfolg. Der Vorsitzende Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, sagte dem Abendblatt: "Die Polizei ist personell am Ende." Am Abend spitzte sich die Lage am Zaun wieder zu.

Unterdessen versuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Vertreter der USA und Japans für verbindliche Klimaziele zu gewinnen - bislang vergeblich. US-Präsident George Bush sagte, er seit bereit, eine Vereinbarung zu treffen, die das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ersetzen soll. Dies müsse allerdings im internationalen Rahmen geschehen. Japans Premier Shinzo Abe ließ ausrichten, dass er eine Festlegung ablehne.

Putin schwächt Drohung ab

Auch bei der Afrika-Hilfe gibt es Dissens. Einige Länder sind offenbar nicht bereit, ihre bereits vor zwei Jahren getroffene Zusage, die Entwicklungshilfe aufzustocken, im Schlussdokument des Gipfels nochmal ausdrücklich zu bestätigen. Die Rockstars und Afrika-Aktivisten Bob Geldof und Bono zeigten sich nach einem Treffen mit Merkel skeptisch. Es habe einen "großen Krach", mit ihrem Mitarbeiterstab gegeben, sagte Bono der Deutschen Presseagentur.

Immerhin entschärfte der russische Präsident Wladimir Putin seine jüngsten Drohungen, mit denen er auf das geplante US-Raketenabwehrsystem in Osteuropa reagiert hatte. Es sei nur eine "rein hypothetische" Gegenmaßnahme, russische Raketen auf neue Ziele in Europa auszurichten, erklärte ein Sprecher Putins. "Russland ist das letzte Land in der Welt, das eine Konfrontation anstrebt oder einen neuen Kalten Krieg lostreten will", so der Sprecher. Am Donnerstag werden Putin und US-Präsident George W. Bush persönlich über das Thema sprechen.

Sternmarsch verboten

Für den Donnerstag war ursprünglich auch ein Sternmarsch der G8-Kritiker zum Tagungsort in Heiligendamm geplant. Doch dieser Marsch wurde verboten - und das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wies einen Eilantrag gegen das Verbot ab. Die Polizei untersagte auch eine Demonstration der rechtsextremen NPD in Rostock.


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