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Guttenberg und die Plagiatsvorwürfe Lieber Ritter wider den tierischen Ernst als Doktor


Die Deutschen stehen trotz aller Plagiatsvorwürfe hinter Karl-Theodor zu Guttenberg. Bei einer Umfrage gaben 58 Prozent an, dass sie den Verteidigungsminister nicht für einen Schwindler halten. Aber ist Guttenberg überhaupt noch auf seinen Doktortitel angewiesen? Schließlich ist er jetzt Ritter.

Angesichts der wachsenden Plagiatsvorwürfe gegen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sehen 52 Prozent der Deutschen seine Glaubwürdigkeit beschädigt. Laut einer von der Zeitung "Bild am Sonntag" in Auftrag gegebenen Emnid-Umfrage sprechen sich zudem 47 Prozent dafür aus, dass der Minister seinen Doktortitel zurückgibt. Dennoch sind zugleich 58 Prozent der 500 Befragten weiterhin der Meinung, dass Guttenberg kein Schwindler sei.

Angesichts des "Spiegel"-Berichts, wonach Guttenberg für seine Doktorarbeit den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags in Anspruch genommen hat, sagte der Linken-Vorsitzende Klaus Ernst, sollte dies stimmen, wäre es Amtsmissbrauch. Zudem wäre seine Behauptung, er habe keine Mitarbeiter des Bundestags eingesetzt, mindestens eine halbe Lüge. "Akademisches Ghostwriting, und dann noch auf Kosten der Steuerzahler, das ist nicht hinnehmbar", sagte Ernst. Dann wäre Guttenbergs Rücktritt unausweichlich.

Falls der Verteidigungsminister tatsächlich langfristig auf seinen Doktortitel verzichten muss, hat er schon jetzt Ersatz: Karl-Theodor zu Guttenberg hat in Abwesenheit den Karnevalsorden wider den tierischen Ernst erhalten und ist somit Ordensritter. Sein jüngerer Bruder Philipp nahm den Orden bei einer Festsitzung in Aachen entgegen. Der Aachener Karnevalsverein (AKV) zeichnete den Bundesverteidigungsminister als Überflieger mit Bodenhaftung aus. Der Minister habe Mut zum Widerspruch und zum "akrobatischen Querdenken".

Philipp zu Guttenberg kommentierte die schweren Herzens übernommene Bruderpflicht mit feiner Ironie. Bei seiner Ersatz-Ritterrede in der Bütt' sprach er von Karl-Theodor, dem "Hochglanzpolitiker", "Deutschlands beliebtester Tiefstapler", immer in Form: "das krause Haar bleibt stets gegelt". Es gebe auch die Gegner, die sagten, "die Doktorarbeit wär verlogen, hört man's links von mir toben. Als hätt' das Land nicht andere Sorgen."

Den Aachener Karnevalsverein (AKV) berührte die Doktor-Titel-Diskussion nicht. Der Orden werde an Menschen verliehen, die trotz ihres hohen Amtes Humor und Menschlichkeit bewahrt hätten - "egal ob mit Doktortitel oder ohne", sagte AKV-Präsident Werner Pfeil. Der Minister und Ordensritter selbst stand als Pappfigur mit überdimensionalem lächelnden Gesicht und - in Anspielung auf seine musikalischen Vorlieben - mit einer ACDC-Gitarre auf der Bühne.

Vor der Sitzung hatten Friedensgruppen gegen die Verleihung protestiert. Die Auszeichnung in Zeiten des Kriegs mit deutscher Beteiligung sei das eine Beleidigung der Opfer am Kundus. Tags zuvor waren drei deutsche Soldaten in Afghanistan bei einem Angriff gestorben.

vim/AFP/DPA DPA

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