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Hamburg: Sager weist von Beust zurück

Es klingt immer ein wenig wie eine verbotenes Techtelmechtel: Gehen CDU und Grüne nach der Hamburger Bürgerschaftswahl eine Liaison ein? Krista Sager, Grünen-Fraktionsvize und Hamburgerin, hat dem werbenden Bürgermeister Ole von Beust im stern.de-Interview einen Korb gegeben.

Ob 2006 in Baden-Württemberg oder jetzt in Hamburg: Zwar sind Spekulationen über ein Bündnis von CDU und Grünen auf Landesebene mittlerweile durchaus salonfähig, zu einem leidenschaftlichen Techtelmechtel, zumindest platonischer Natur, scheint es jedoch nie zu reichen. Mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Hamburg hat nun Krista Sager, Abgeordnete aus Hamburg und zudem Vizechefin der Bundestagsfraktion der Grünen, sich klar gegen eine schwarz-grüne Koalition an der Elbe ausgesprochen.

"Die Grünen haben sich zum Ziel gesetzt, Rot-Grün für Hamburg zu erreichen", sagte sie stern.de. Die Spekulationen über ein schwarz-grünes Bündnis mit der CDU des amtierenden Bürgermeisters Ole von Beust seien aus der Not geboren - und zwar aus von Beusts Not, "weil er in der Tat nicht mehr daran glaubt, dass er die absolute Mehrheit noch mal kriegen kann."

Die Wahl zur Bürgerschaft am 20. Februar befeuert einige Koalitionsfantasien. In einer Umfrage von Infratest-Dimap im Auftrag des NDR, die am vergangenen Wochenende veröffentlicht wurde, kommt die CDU nur noch auf 40 Prozent, die SPD auf 35 Prozent, die Grünen auf 11 und die FDP auf 4 Prozent. Die Linkspartei erringt 6 Prozent. Von Beust würde demnach auf jeden Fall seine absolute Mehrheit verlieren, Schwarz-Gelb käme nicht in Frage. Weil die Linkspartei ins Parlament einzieht, wird es für SPD und Grüne mit einer eigenen Mehrheit jedoch auch eng. Beide lehnen jedoch ein Bündnis mit der Linkspartei Oskar Lafontaines ab und wollen sich auch nicht von den Linken tolerieren lassen.

Von Beust umwirbt die Partei

Aus von Beusts Sicht könnte Schwarz-Grün deshalb zur attraktiven, weil einzigen Option des Machterhalts werden, der SPD und ihrem Spitzenkandidaten Michael Naumann bleibt das Hoffen auf Rot-Grün oder eine große Koalition. Am Wochenende hatte von Beust über mehrere Kanäle seine grundsätzliche Bereitschaft für Schwarz-Grün ventiliert. Von der Kanzlerin gibt's dafür zwar offiziell keine Unterstützung, aber ebenso wenig ist es ein Geheimnis, dass CDU-Chefin Angela Merkel gar nichts dagegen hätte, wenn so ein Bund auf Landesebene einmal getestet würde.

Sager fürchtet Abwanderung zur SPD

Die Diskussion sei für die Grünen eher schädlich, sagte Sager stern.de, weil sie die eigenen Wähler verunsichere. "Die Gefahr ist eher, dass sie dann eher die Sozialdemokraten wählen, obwohl sie eigentlich Grünenwähler sind". Zudem möchten die Grünen verhindern, dass die Linkspartei in die Bürgerschaft kommt, "denn die können verhindern, dass es zu einer rot-grünen Mehrheit kommt". Eine rot-rot-grüne Option besteht nach Ansicht Sagers nicht: "Das liegt auch daran, dass die Linkspartei in Hamburg nicht so pflegeleicht ist, wie in Berlin. Sondern das ist eine ziemliche fundamentalistische Prostestpartei".