Heiligendamm Die Bushs sind da


Sarkozy hin, Putin her: George W. Bush ist die Hauptperson des Gipfels. Für die Gipfelgegner ist er ohnehin die Reizfigur, aber auch im Klima-Streit ist er von entscheidender Bedeutung. Jetzt ist der US-Präsident in Rostock-Laage gelandet - begrüßt hat ihn ein alter Bekannter.
Von Florian Güßgen, Kühlungsborn

Nu' isser wieder da. George W. Bush nebst Gattin Laura ist in Mecklenburg-Vorpommern gelandet. Nach der legendären Grillparty von Trinwillershagen besucht der US-Präsident die Ostsee nunschon zum zweiten Mal binnen eines Jahres, diesmal wegen des G8-Gipfels. In Empfang genommen hat die Bushs der hiesige Regierungschef Harald ("Who is Harald?") Ringstorff. Der SPD-Mann war Bush auch schon im vergangenen Jahr begegnet. Nur vor dem legendären Barbecue mit Schweinegrillen hatte sich der Genosse gedrückt.

Per Helikopter ins Gehege

Um Punkt 19.01 setzte die "Air Force One" des US-Präsidenten, auf der Landebahn des Flughafens Rostock-Laage auf. Zuvor hatten die Bushs Prag besucht. In heikler Mission, denn im Prinzip ging es bei der Stippvisite darum, den Tschechen möglichst eingängig zu erklären, weshalb es gut für sie ist, wenn die Amerikaner Radare für ihr Raketenabwehrsystem in ihrem Land aufstellen. Als das Paar nun in Laage der Präsidentenmaschine entstieg, winkte der umstrittene Präsident kurz in die Kameras. Offizielle Statements gab es keine. Über die regennasse Landebahn lief das Paar direkt zu einem der nahe geparkten, grünen präsidentiellen Helikopter. Von Rostock-Laage aus wurden George W. und Laura Bush nach Heiligendamm geflogen. Die Bushs kennen die Hotel-Anlage bestens. Bereits im vergangenen Jahr haben sie dort genächtigt.

Nur wenige Demonstranten

In der Nähe des Flughafens protestierten ein paar Hundert Demonstranten mit Plakaten und Traktoren gegen die Politik der G8 und die Politik des Präsidenten. Zu Ausschreitungen kam es nicht. Die Organisatoren hatten Wert darauf gelegt, dass es sich bei der Demonstration noch nicht um eine Blockade gehandelt habe. Der gefürchtete "Schwarze Block" blieb fern. Die friedlichen Gipfelkritiker bemühen sich derzeit nach Kräften, nach außen zu signalisieren, dass sie mit jenen gewaltbereiten Randalierern nichts gemein haben, die sich am Wochenende offene Straßenschlachten mit der Polizei geliefert hatten. Blockaden sind erst für den Mittwoch angekündigt.

Aufmerksamkeit verlagert sich nach Heiligendamm

Mit der Ankunft des ersten Politstars verlagert sich das G8- Geschehen von Rostock nach Heiligendamm. Dort, rund um das Kempinski-Grand-Hotel, war in den vergangenen Tagen das bestbewachteste Freigehege der Welt entstanden. Die Grenze zwischen drinnen und draußen, zwischen Mächtigen und Wählern, markiert der mittlerweile berüchtigte, zwölf Kilometer lange Zaun mit dem Nato-Stahl-Krönchen obendrauf. Dies verheißt jedem Gipfelstürmer schon vorab blitzblank, messerscharf und unmissverständlich, was ihm blüht, wenn er denn den Versuch wagen würde, die Grenze zwischen drinnen und draußen zu überwinden. Nur, bislang war es ein leeres Gehege gewesen. Die Weltenlenker waren fern, die sich im malerischen Heiligendamm nun so wohlig-sicher fühlen sollen, dass man beim entspannten "Tête-à-Tête" mal intim am vermeintlich ganz großen Rad drehen kann. Das öffentliche Interesse konzentrierte sich auf die Proteste und die Gipfelgegner.

Bush ist dieReizfigur der Gipfelgegner

Das dürfte nun anders werden. Zwar ist das offizielle Programm noch lange nicht eröffnet, aber mit Bush ist eine der Haupfiguren im Lande. Er ist die Reizfigur der G8-Gegner, er ist aber auch eine Schlüsselfigur im Streit um ein weltweites Klimaregime. Am Mittwoch, vor der offiziellen Eröffnung des Gipfels, wird Bush die deutsche Kanzlerin Angela Merkel treffen, um mit ihr eine Annäherung zu versuchen. Die Vorzeichen dafür sind ungünstig. Daran dürfte auch nichts ändern, dass Bush die Gegend mittlerweile halbwegs kennt - und man die gesamte G8-Gesellschaft am Mittwochabend auch noch einmal auf ein landwirtschaftliches Gut fahren will, um sich in lockerer Umgebung näher zu kommen.


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