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Schlag 12 - der Mittagskommentar: An alle Flüchtlingshetzer: Ihr seid das "Pack"

Auf Facebook, Twitter - überall im Internet verbreitet sich die rassistische Stimmungsmache gegen Ausländer und Flüchtlinge. Die Betreiber der Webseiten und die Polizei unternehmen nichts dagegen - es liegt also an uns, die Hetze zu stoppen. 

Von Beke Detlefsen

Flüchtlingsgegner in Freital: Die analoge Variante der Fremdenfeindlichkeit

Flüchtlingsgegner in Freital: Die analoge Variante der Fremdenfeindlichkeit

"Weil das verschissen judenpack und moslemgematsche uns immer mehr vereinnahmt. … wir sind die … die keine Zukunft mehr haben in unserem Land … drum ran ans Gewehr Kameraden oder was euch auch für ne Waffe in die Hände kommt … nutzt sie und wehrt euch. … wir müssen die Maden auslöschen."

Reno R.

"Wenn ich auch immer höre Einbruch Mord Diebstahl das sind doch meistens zu 90 % oder mehr Ausländer, die es begehen."

Bianca S.


Menschenverachtende und rassistische Hetze gegen Flüchtlinge und Ausländer im Netz. Leider sind das keine Ausnahmen, geschrieben von verrückten, krawalligen oder schlichtweg minderbemittelten Internetnutzern. Nein, das ist die typische, immer häufiger geäußerte "ich bin ja kein Nazi, aber…"-Polemik. Die Phrasen des Rechtspopulismus sind dank Pegida und der AfD kein Tabu mehr. "Das wird man doch wohl noch sagen dürfen" - auch und vor allem im Internet.

Neo-Nazis kübeln Rassismus ins Netz

Viele, die sich zuvor hinter Pseudonymen versteckt haben, hinter der Maske der Anonymität, wagen sich jetzt mit Klarnamen in die Diskussion. Immer mehr Neo-Nazis kübeln ihren Anfeindungen und menschenverachtenden Parolen völlig enthemmt ins Netz.  

Wie jüngst in den Reaktionen auf Til Schweigers Aufruf zu Flüchtlingshilfe.

Oder wie bei Sascha Lobo. Der Journalist hat in seiner Spiegel Online-Kolumne zu "mehr Schweiger, weniger Seehofer" aufgerufen, zu mehr Einsatz gegen Flüchtlingshetze und offenen Rassismus. Die Reaktion eines "besorgten Bürgers" ist so bezeichnend wie erschütternd:

 

Das ist ganz offen ein Straftatsbestand, eine Morddrohung an Sascha Lobo und an die gesamte Spiegel Online-Redaktion. Und was passiert?

Die Polizei greift nicht durch

Generell erstmal wenig. Die Polizei greift bei der digitalen Stimmungsmache gegen Flüchtlinge nicht durch, vor allem weil Zuständigkeiten im Internet schwer ermittelbar sind. Eine deutschlandweite Cyper-Polizei gibt es trotz jahrelanger Diskussionen bisher nicht, nur bei größeren Fällen von Netz-Kriminalität kommen spezialisierte IT-Ermittler ins Spiel. Ansonsten werden keine "anlassunabhängigen Internetrecherchen" durchgeführt. Das bestätigte erst diese Woche Innenministeriumssprecher Martin Strunden in einem, nennen wir es mal etwas ungeschickten Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk. Seine steifen, überkorrekten Antworten haben mittlerweile einen eigenen Hashtag: #esistbesorgniserregend. Ja, aber hallo!

Und die Plattformen selber? Facebook, Twitter und Konsorten? Liegt es nicht auch an ihnen, gegen menschenverachtende Kommentare und verbrecherische Aufrufe in ihren Netzwerken vorzugehen? Immerhin schafft Facebook es ja auch, nackte Haut weitgehend zu verbannen. Auf Instagram kann man lange vergeblich nach Brüsten suchen. Aber Aussagen wie "gleich totmachen dieses Viehzeug“ stapeln sich dort in den rassistischen Ecken. Aber auch hier passiert: nichts.

Was bleibt, sind wir

Also was bleibt? Wir natürlich. Wie Strunden so schön sagt: "Wir sind auf Meldungen der Bürger angewiesen."

Und wir brauchen definitiv mehr Schweigers, mehr Lobos, die laut und öffentlich sagen: "Ihr seid zum Kotzen!" Denn, und das geht jetzt an all die Hetzer und Hasser da draußen, ganz ehrlich, der "Abschaum", die "Schmarotzer" und das "elende Pack" - das seid doch wohl ihr.