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Horst Seehofer: Schmeicheleien in der "Hölle des Löwen"

Bei seiner Wahlkampftour für den CSU-Parteivorsitz hat Landwirtschaftsminister Horst Seehofer im niederbayrischen Abensberg gesprochen. Das ververhaltene Publikum versuchte er mit Bibelzitaten und Schmeicheleien auf seine Seite zu ziehen - mit mäßigem Erfolg.

Um Horst Seehofer beim Endspurt im Rennen um den CSU-Vorsitz zu erleben, sind am Montag mehr als 3000 Männer und Frauen zum CSU-Frühschoppen ins Hofbräuzelt beim Gillamoos-Volksfest in Abensberg geströmt. Der Landtagsabgeordnete Martin Neumeyer begrüßte Seehofer fröhlich in der "Hölle des Löwen" - aber erst, nachdem er die örtlichen Honoratioren willkommen geheißen hat. Denn obwohl nur 30 Kilometer von Seehofers Wahlkreis Ingolstadt entfernt, ist Abensberg "Feindesland": Die regionale CSU steht geschlossen hinter ihrem niederbayerischen CSU-Bezirksfürsten Erwin Huber.

In drei Wochen werde der CSU-Parteitag Huber zum Nachfolger des Parteichefs Edmund Stoiber wählen, Seehofer müsse mit mageren 20 Prozent rechnen, lautet hier die Prognose. Anschließend werde er mit einem Spitzenergebnis als Stellvertreter wiedergewählt. "Bayern, des samma mia", spielt die Musi, als Seehofer kommt. Unter freundlichem Beifall wird er von der Dirndl- und der Spargelkönigin ins Zelt geleitet.

Mahnung aus der Bibel

Nur ein einziges Spruchband taucht im überfüllten Bierzelt auf: "Seehofer für Bayern und Deutschland". Andreas Spreng und seine Frau sind aus Eichstätt gekommen, um dem Bundesminister die Stange zu halten. Der begrüßt beide mit Handschlag. Der Landtagsabgeordnete Neumeyer erklärt dem Publikum, dass er Seehofer schon vor einem Jahr als Landwirtschaftsminister eingeladen habe und nicht erst jetzt als Bewerber um den CSU-Vorsitz. Es klingt fast wie eine Entschuldigung. Und ohne Umschweife spricht er Seehofers außereheliche Affäre an mit einer Mahnung aus der Bibel: "Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!"

Der 58-jährige Seehofer dankt für den "für meine Verhältnisse unverhältnismäßig freundlichen" Empfang. "Ich war ständig von Freunden umzingelt. Heute hab ich das Gefühl, dass ich hier in Niederbayern von Freunden umgeben bin", sagte er. Dann schmeichelt er seinem Publikum: "Hier im Bierzelt, da zählt der logische Menschenverstand." Die Bauern hätten nichts zu tun mit Gammelfleisch, sie seien nicht raffgierig. "Sie stellen die hochwertigsten Lebensmittel her, die wir jemals in Deutschland hatten, und sie pflegen unsere wunderschöne bayerische Landschaft", lobt der Agrarminister und verspricht, sich bei Milchpreisen, Erbschaftssteuer und Erntehelfer-Regelungen für sie einzusetzen. Der Beifall ist freundlich, aber nicht überschwänglich.

Seehofer beschwört "gesunden Patriotismus"

Nach den Ankündigungen von Huber und dem designierten bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, sie wollen der demokratischen Rechten in der CSU eine Heimat geben, beschwört auch Seehofer einen "gesunden Patriotismus": "Es ist nichts Verwerfliches, wenn man sein eigenes Land liebt", sagt er und bekräftigt CSU-Positionen zu innerer Sicherheit, Einwanderung und Türkei. Es gibt Beifall, aber der Funke springt nicht über. Der Geräuschpegel an den Tischen wächst.

Erst zum Schluss seiner einstündigen Rede kommt Seehofer "auf das, wofür sich alle interessieren". In diesem Augenblick hat er die Lacher und die Aufmerksamkeit wieder auf seiner Seite. Er erinnert an die Höhepunkte seiner langen politischen Karriere und präsentiert sich als Politiker mit eigenem Kopf und Rückgrat - wie schon Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber, die Seehofer in den höchsten Tönen rühmt.

Seehofer lobt auch Beckstein und attestiert Huber einen fairen Wahlkampf. Die dritte Kandidatin, Gabriele Pauli, würdigt er keines Wortes. Wie er seine eigenen Chancen einschätzt, lässt er in seinen Schlusssätzen erkennen: "Natürlich will man gewinnen, wenn man antritt. Aber man kann auch verlieren." Bei einer Niederlage bleibe er Minister: "Dann hat man sich wieder einzugliedern und mitzuarbeiten, damit man gemeinsam Erfolg hat" sagt Seehofer und präsentiert sich als verlässlicher Parteisoldat. "Am Schluss wird es einen Gewinner geben, und das ist die Demokratie und die Christlich-Soziale-Union." Auch Neumeyer klatscht und stellt Seehofer anschließend dem Ausdauer- Weltrekordhalter im Nordic Walking vor: "Dass sie ein Vorbild haben!"

Roland Losch/AP