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Impstoffdebatte "Das ist peinlich für Spahn"

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In Deutschland tobt eine Debatte um die zäh anlaufenden Impfungen gegen das Coronavirus. Im Zentrum der Kritik vieler Medien steht dabei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Ein Überblick.

Die Kritik an der Corona-Impfstrategie der Bundesregierung reißt nicht ab. Es sei von der EU zu zögerlich Impfstoff bestellt worden und das Tempo der Impfungen sei viel zu langsam, lauten die beiden Hauptvorwürfe. Im Zentrum der Kritik steht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. So urteilen die Medien über die Impfstoffdebatte.

"Hannoversche Allgemeine Zeitung": Während Israel bereits eine Million Menschen mit dem Biontech-Serum geimpft hat, sind es in Deutschland nur rund 200.000. Spahn ist dafür mitverantwortlich. Er hat sich zu sehr auf die EU verlassen, zu wenig Druck für Bestellungen in Deutschland gemacht und zu spät bei Biontech nachgeordert. Der Minister hat zugegeben, dass es bei der Impfkampagne noch ruckele. Es klang ein bisschen wie eine Neuauflage seiner Bitte um Verzeihung. Die Geduld seiner Landsleute sollte Spahn jedoch nicht überstrapazieren. Vom Gewinner der Krise zum Verlierer ist es nur ein kurzer Weg.

"Münchner Merkur": Inmitten der anschwellenden Wut um den chaotischen Impfstart in Deutschland hat Jens Spahn einen Satz gesagt, der dem Umfrageliebling und der ganzen Bundesregierung noch um die Ohren fliegen könnte: "Es läuft genau so, wie es geplant war." Nun ja – womöglich war ja der Plan nicht so toll. Und so verkehrt sich das Gefühl der Bürger, Deutschland habe die Coronakrise im Großen und Ganzen gut gemeistert, allmählich in ihr Gegenteil. Das Fehlen einer Langfriststrategie - Schutz der Heime, eine scharfe Corona-Warnapp, funktionierender Fernunterricht an den Schulen - entschuldigte man in Berlin stets mit dem Hinweis, die beste Langfriststrategie sei Impfen. Erweist sich nun allerdings auch die Impfstrategie als dilettantisch, bleibt nicht viel übrig, worauf die Wortführer der deutschen Politik stolz sein könnten.

"Süddeutsche Zeitung": "Gesundheitsminister Jens Spahns Beteuerungen, dass es am Beginn der Impfkampagne eben etwas "ruckelt", reichen nicht. Der CDU-Politiker muss mehr liefern als die bisherigen Dosen beschwörender Appelle und wiederkehrender Aufrufe zur Geduld. Bund und Länder – und da ist auch Söder in der Pflicht – müssen sich auf ein stringentes Vorgehen verständigen, wer geimpft wird und wie der Ablauf genau aussieht. Angesichts des unterschiedlichen Vorgehens der Bundesländer herrscht große Unsicherheit: Die einen laden zu Impfungen ein, bei den anderen muss man sich selbst über Hotlines oder Webportale anmelden. Da auch der Großteil der Senioren nicht in Heimen lebt, muss für diese Risikogruppe rasch ein bundesweit einheitliches Konzept her. Es ist übrigens bezeichnend, dass in keinem anderen EU-Land außer Deutschland die Debatte um die Verteilung des Impfstoffes mit solcher Vehemenz geführt wird. Offenbar gibt es nur in Deutschland das Gefühl, benachteiligt zu sein - was die größte Boulevardzeitung des Landes seit Tagen mit ihrer Berichterstattung befördert."

"Die Welt": "Die Blamage der deutschen Politik und Verwaltung ist beispiellos. Wie beim Kontrollverlust in der Flüchtlingskrise 2015 zeigen Bundesregierung und Bundeskanzlerin erstaunliche Schwächen bei der Bewältigung nationaler Krisen. Während in Israel Impf-Drive-ins reibungslos funktionieren, gelingt es Bezirksämtern in Hotspots wie Neukölln über Tage nicht einmal, die Zahlen von Neuinfektionen zu melden. Der Impfstoff fehlt allerorten, und wenn in Rendsburg-Eckernförde täglich 60 Impfdosen verimpft werden, dauerte es bis 2033, alle Einwohner zu bedienen."

"Rheinische Post": Dass die EU-Behörden den Biontech-Impfstoff gründlicher geprüft haben als die Briten, verteidigt Spahn zurecht. Aber wenn es stimmt, dass die EU erst im November bei Biontech geordert hat, während die USA schon im Juli alles klarmachten, ist das peinlich für Spahn – zumal Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft innehatte. Das jüngste Interview der Biontech-Gründer Sahin und Türeci lässt nichts Gutes ahnen. Ob der Impfstoff nun drei Tage früher oder später kommt, ist nicht entscheidend. Dass aber bei Priorisierung (die einen impfen erst die Bewohner, die anderen die Mitarbeiter von Heimen), Anmeldung und Impfzentren in Deutschland nun doch jedes Land macht, was es will, dass die Liefertermine unklar sind, dass die über 80-Jährigen seit Wochen hingehalten werden, ist kein Ruhmesblatt für den Münsterländer. Besseres Handwerk, weniger PR ist jetzt gefragt."

"taz": "Wenn es nur sehr begrenzte Mengen eines Stoffs gibt, auf den die ganze Welt scharf ist, dann führt das zu einer Verknappung. Nichts anderes ist beim Corona-Impfstoff der Fall, der global Mil­lio­nen Leben retten kann, dessen Menge derzeit aber nicht ausreicht, um sofort in Millionen Dosen in Deutschland gespritzt zu werden. Ein solcher Mangel führt zu Schuldzuweisungen. Weil ein Großteil der Bestellungen dieses Impfstoffs über die EU erfolgt ist, so die einfache Schlussfolgerung, muss Brüssel auch verantwortlich für diesen deutschen Missstand sein. Doch diese Logik ist falsch und gefährlich."


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