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K-FRAGE: Merkel bläst zum Angriff

Die CDU-Vorsitzende zeigt sich kämpferisch: In einem Interview schloss sie aus, dass die Unionsfraktion eine Entscheidung in der K-Frage treffen wird. Doch allmählich schwindet in den eigenen Reihen die Unterstützung.

CDU-Chefin Angela Merkel geht nicht davon aus, dass die Unionsfraktion im Bundestag über den Kanzlerkandidaten von CDU und CSU entscheiden wird. In einem Interview mit der »Bild«-Zeitung (Donnerstagsausgabe) sagte sie auf die Frage, ob die Fraktion entscheide, falls sie sich mit ihrem Konkurrenten um die Kanzlerkandidatur, CSU-Chef Edmund Stoiber, nicht einigen könne: »Das von uns gewählte Verfahren (zur Bestimmung des Kanzlerkandidaten) gibt bewusst den beiden Parteivorsitzenden von CDU und CSU eine große Verantwortung. Ich hätte mich auf dieses Verfahren nie eingelassen, wenn ich von seinem Scheitern ausgegangen wäre.« Nach der Klausur der CDU-Führung an diesem Freitag und Samstag in Magdeburg werde sie mit Stoiber zusammentreffen, um einen gemeinsamen Vorschlag für den Kanzlerkandidaten der Union zu machen.

Meinungsforscherin soll Chancen prüfen

Merkel sagte der Zeitung, bei der Klausursitzung in Magdeburg solle die Meinungsforscherin Renate Köcher erläutern, wie die Chancen bei der Bundestagswahl im Herbst stünden. Die Frage des Wahlsieges sei mehr als die Frage des Kandidaten.

Am Mittwoch hatte sich der geschäftsführende CDU-Landesvorstand in Nordrhein-Westfalen, der mitgliederstärkste Landesverband der Union, hinter Merkel gestellt. Zuvor hatte sich die CSU für Stoiber als Kandidaten ausgesprochen. Der ehemalige CDU-Chef Wolfgang Schäuble warnte vor einem öffentlichen Schlagabtausch der Schwesterparteien. Er erwarte

weiter einen gemeinsamen Vorschlag Merkels und Stoibers.

Merkel-Unterstützung in NRW schwindet

Die Unterstützung des mitgliederstärksten CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen für Merkel scheint dagegen zu bröckeln. Die »Bild«-Zeitung berichtet weiter, der nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Friedhelm Ost habe erklärt, dass CSU-Chef Edmund Stoiber bei »wahlentscheidenden Kriterien« wie Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sowie der inneren Sicherheit das »schärfste Profil« habe.

Zudem favorisiert der Zeitung zufolge der CDU-Europa-Abgeordnete Elmar Brok, der Vorsitzender des 27.000 Mitglieder umfassenden CDU-Bezirks Ost-Westfalen-Lippe ist, Stoiber als Kandidaten. Am Mittwoch hatte sich der Vorstand des nordrhein-westfälischen CDU-Landesverbandes geschlossen hinter Merkel gestellt.